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14. März 2010 11:56 Uhr
St. Blasien
Alkoholisierter Schüler ausgerissen
Großes Glück hatte ein irischer Austauschschüler, der am Samstagvormittag aus dem Kolleg ausgerissen war und damit eine große Suchaktion ausgelöst hatte. Erst am Abend gegen 20 Uhr kam der Vermisste freiwillig zurück und beendete damit den Einsatz von etwa 70 Rettungskräften.
Mehr als zwei Stunden lang hatten sie das Stadtgebiet und die angrenzenden Wälder nach dem alkoholisierten jungen Mann durchkämmt.
Der 16-Jährige hatte nach einem Gespräch mit der Schulleitung am Samstagmorgen gegen 10.30 Uhr Reißaus genommen. Ursache des Gesprächs war der starke Alkoholkonsum des Jugendlichen in der Nacht auf Samstag. Im Unterricht am Samstagmorgen war er offenbar immer noch stark alkoholisiert, ein Schulausschluss sollte die Folge sein. "Er und ein weiterer irischer Austauschschüler haben ein solches Fehlverhalten an den Tag gelegt, dass wir sie mit sofortiger Wirkung entlassen haben", erklärte Pater Johannes Siebner. Zunächst sollten die beiden Jungen die noch ausstehenden zwei Tage bis zur Heimreise in Absprache mit deren Eltern in einem Hotel untergebracht werden, dann aber erklärte sich der Vater eines Kollegsschülers bereit, die jungen Iren so lange bei sich aufzunehmen. Doch bis es dazu kam, waren einige bange Stunden zu überstehen. Schon während des Gesprächs mit der Kollegsleitung stand der später vermisste Austauschschüler unter merklichem Alkoholeinfluss: "Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem schlechten Zustand", räumte Kollegsdirektor Pater Johannes Siebner gestern ein. Eigenen Angaben zufolge ist der Schüler bis nach Menzenschwand gelaufen und dort nahe des Skilifts auf einer Bank eingeschlafen. Weil er nicht zurückfand, hielt er bei Einbruch der Dunkelheit ein Auto an. Dessen Fahrer setzte ihn in St. Blasien ab. Die an der Suchaktion beteiligten Einsatzkräfte waren sich einig, dass der junge Mann großes Glück hatte: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und noch dazu in alkoholisiertem Zustand hätte er leicht ums Leben kommen können. Der Fall des Schülers erinnert an den tragischen Tod eines belgischen Snowboarders Anfang Februar, der sich – ebenfalls alkoholisiert – am Feldberg verirrt hatte und trotz großangelegter Suchaktion nicht rechtzeitig gefunden werden konnte.Werbung
Nachdem der Austauschschüler am Samstagnachmittag nirgends aufzufinden war, suchten Lehrer und Schüler anfangs auf eigene Faust. Gegen 17.15 Uhr rief Siebner schließlich die Polizei. Gut 20 Minuten später wurde die St. Blasier Feuerwehr alarmiert, die mit 35 Mann ausrückte. Dazu kamen die Helfer der Polizei, des Roten Kreuzes, der Bergwacht und die Rettungshundestaffel aus Bad Säckingen.
Das Kolleg wurde geräumt, um die Fährtensuche der Rettungshunde nicht zu behindern, die Feuerwehr suchte derweil Plätze ab, an denen sich Kollegsschüler gerne aufhalten. "Schließlich haben wir die ganze Stadt und die Wälder durchsucht", berichtete Stadtkommandant Clemens Huber. Polizeiangaben zufolge waren mehr als 70 Helfer an der Suche beteiligt. Neben den Rettungskräften halfen auch viele Schüler und Lehrer mit.
Gegen 20 Uhr tauchte der Austauschschüler wieder auf und meldete sich im Kolleg. "Die ganze Sache war ihm furchtbar peinlich", sagte Pater Siebner. Offenbar bereue er sein Verhalten. "Wir rechnen es ihm hoch an, dass er sich freiwillig gemeldet hat", betonte indes Stadtkommandant Clemens Huber. Häufig gerieten Gesuchte in Panik, wenn sie merkten, was sie ausgelöst haben.
Wie die zwei irischen Austauschschüler an den Alkohol kamen, konnte Pater Siebner gestern nicht beantworten. Es gelte ein striktes Alkoholverbot, und die Schüler wüssten, dass sie hart bestraft werden, wenn sie sich nicht daran halten.
Autor: Kathrin Blum
