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02. November 2009 18:02 Uhr

Hundetherapie

Bernhardiner bringt Senioren das Lächeln zurück

Der riesige Fellberg lässt sich anstandslos kraulen und drücken: Die Bernhardinerdame Amy besucht jede Woche das Seniorenheim in Höchenschwand. Die Hundetherapie zeigt jedesmal Wirkung.

  1. Können diese Augen auch Sie erweichen? Bernhardiner sind beliebte Therapiehunde. Foto: Rainer Tagwercher/Fotolia

  2. Edelgard Grünler ist eine der Seniorinnen, die sich immer besonders auf den Besuch von Amy freut. Foto: Luisa Denz

HÖCHENSCHWAND. Wenn Amy die Seniorenresidenz Alpenpanorama in Höchenschwand betritt, schleicht sich schon schnell ein Strahlen in die Augen der Bewohner. Amy ist nicht etwa eine beliebte Pflegerin, sondern ein 70 Kilogramm schwerer und vier Jahre alter Bernhardiner. Seit dem Frühjahr 2009 ist Amy als Therapiehündin gemeinsam mit ihrem Frauchen Lilo Peil einmal in der Woche in der Seniorenresidenz.

Dem wöchentlichen Besuch blicken die Bewohner sehnsüchtig entgegen. Viele Senioren haben schnell Vertrauen gefasst zur gutmütigen Bernhardiner-Hündin. Wenn auch der eine oder andere Skeptiker unter ihnen gewesen ist, Amy eroberte die Herzen der Bewohner im Sturm und ist ein gern gesehener Gast im Alpenpanorama.

Schon lange ist bekannt, dass Tiere das Befinden beeinträchtigter Personen verbessern können. So belegen erste Forschungen, dass gerade der Hund als Therapietier in der Lage ist, die mentale Verfassung von Patienten zu verbessern. Hunde haben offenbar eine beruhigende Wirkung auf Patienten, viele fühlen sich beschützt. Gerade im Falle von Amy, die es auf stattliche 80 Zentimeter Größe bringt, scheint der schützende Aspekt besonders ausgeprägt zu sein.

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Amy hat ein Gespür für Menschen

"Amy ist ein wahres Wunder für die Bewohner", sagt Annette Nitsch, Pflegedienstleiterin der Seniorenresidenz Alpenpanorama. Dass Amy einmal als Therapiehund eingesetzt werden könnte, ahnte Besitzerin Lilo Peil aus Strittberg zu Beginn der tiefen Freundschaft nicht. Doch Amy bewies von Anfang an ein besonderes Gespür für Menschen. Um diese Begabung zu vertiefen, begab sich Lilo Peil mit Amy in die Hände der Therapiehundestaffel in Radolfzell, wo Amy eine klassische Therapiehundeausbildung erhielt. Dabei galt als oberstes Gebot, dass sich Amy nicht nur durch nichts ablenken lässt, sondern auch keinerlei Aggressionen zeigt. Grundcharaktereigenschaften, die Amy tatsächlich auch ohne Ausbildung schon nahezu perfektioniert hatte. Lilo Peil möchte den Menschen mithilfe ihrer Hündin ein Stückchen mehr Lebensqualität bringen. Jede Woche nimmt sie sich Zeit für ihr Ehrenamt. Als Lohn für diese Arbeit bekommt sie ein Lächeln von den Bewohnern und die Reaktionen zeigen ihr, dass sich die Mühe lohnt.

Schon als Kind hatte die aus Aschaffenburg stammende Lilo Peil eine besondere Beziehung zu Hunden. An der Seite von Schäferhündin Senta verbrachte sie so manche Nacht. Die Liebe zu Tieren ist ihr geblieben. Seit mittlerweile 35 Jahren bringt die 56-Jährige Hunden bei, auf Befehlen des Herrchens zu hören. Auch das macht sie ehrenamtlich, obwohl sie auch beruflich bei Rotho Babydesign in Bernau eingespannt ist.

Es soll mehr Therapiehunde geben

Es wäre schön, wenn es im Landkreis Waldshut außer Amy noch mehr Therapiehunde gebe, findet Lilo Peil. Sie will sich dafür einsetzen, dass sich das ändert. Nicht nur, um den Alltag von Senioren zu bereichern, sondern auch, weil Hunde behinderte oder einsame Menschen, auch Kinder, erfreuen könnten. Lilo Peil hat auch schon mit Kindern gearbeitet, die schlechte Noten hatte. Der Umgang mit einem Therapiehund hat ihnen geholfen, sich besser konzentieren zu können. "Am Ende haben alle die Prüfungen geschafft", erinnert sie sich lächelnd. Da sich die Ausbildung eines Therapiehundes unabhängig von der Rasse und Größe gestalte, sei es eigentlich verwunderlich, dass sich bislang nicht mehr Hundebesitzer für eine solche Ausbildung interessieren.

INFO
Infos zur Ausbildung bei der Therapiehundestaffel Stuttgart/Bodensee finden sich auf der Homepage der Interessengemeinschaft Therapiehund e.V. unter http://www.ig-therapiehunde.de Der Verein sucht ausdrücklich Therapiehundenachwuchs. Telefonische Auskünfte erteilen Ausbilderin Susanne Müller, Tel. 07732/2048 und Lilo Peil Tel. 07755/939725.

Autor: Luisa Denz