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12. Juni 2009
Das Duo bot ein ungewöhnliches Programm außergewöhnlich dar
Igor Morosow und Werner Stocker gastierten in Menzenschwand
MENZENSCHWAND. Von der außergewöhnlichen Architektur und der guten Akustik schwärmte Igor Morosow im Anschluss an sein Konzert in St. Martin. Die zahlreichen Zuhörer hingegen werden noch lange von seiner Stimme schwärmen. Der Bariton versetzte mit Stimmvolumen das Gotteshaus in Schwingungen. Mit sanften Tönen sang er sich in die Seelen der Zuhörer.
Die Opernkarriere des Ukrainers mit Wohnsitz in Zürich war der Stimme in den geistlichen Liedern nicht anzumerken: Inbrunst statt Bühnenpathos herrschte vor. Die Elastizität dieser Stimme vermittelte Andacht, ließ über die Musik Verständnis zu, wo die Sprache Barrieren baute. Die Ballade über die zwölf Räuber gehört zu den Standardwerken, die Deutsche vom russischen Liedgut kennen, genauso das Gebet um Glück und Gesundheit von Dmitri Bortnjanski. In der Interpretation von Igor Morosow klang beides heiterer, leichter.
Bortnjanskis "Ich bete an die Macht der Liebe" war kein Hymnus, sondern eine Beschreibung der Vielschichtigkeit von Liebe. Mit dem ersten Lied des Kirchenkonzerts am Sonntagnachmittag trug er das Vater unser auf Russisch vor. A cappella gesungen trat die Modulation der Stimme besonders deutlich hervor. Wer sich von den Flügeln dieser Stimme tragen ließ, verstand jedes Wort. Wo andere in Panis Angelicus von César Franck legato singen, betonte Morosow den Einzelton und erreichte selbst in diesem Ohrwurm ein neues positives Hörerlebnis.
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Werner Stocker an der Orgel stützte, weil die Komposition es so wollte. Er vermied Kontrastsetzungen, überließ der Sing-Stimme ihre Eigenart. Besonders beim Ave Maria von Bach-Gounod wurde deutlich, dass die Stimme die Orgel trug und nicht umgekehrt. Von Bach, Beethoven , Boëlmann hatte er kurze Stücke ausgewählt, mit denen er den Machtanspruch der Orgel auslotete. Ein weit geöffnetes Schwellwerk ließ keinen Raum für feine Nuancen. "Herr Jesus Christ dich zu uns wend" von Johann Sebastian Bach wurde zur Forderung, zum Schrei von Unterdrückten. Sehr hart auch das Praeludium in C-Dur.
Fein beschwingt dagegen das Allegretto und Adagio assai aus "Fünf Stücke für die Flötenuhr" von Ludwig van Beethoven. Aus der Suite Gothique von Boëlmann wurde das Prière À Notre Dame wieder zum Himmelstürmer.
Beide Musiker konzertieren häufiger gemeinsam. In diesem Konzert zollte der Organist dem Sänger Respekt und diente ihm durch schlichte, verhaltene Begleitung und kontrastierende Soli. So wurde ein ungewöhnliches Programm auch außergewöhnlichen dargeboten.
Autor: Margrit Matyscak
