Der Windberghof trotzt allen Winden

Thomas Mutter

Von Thomas Mutter

Sa, 01. Dezember 2012

St. Blasien

Seit nahezu 500 Jahren wird an diesem Ort am Fuße des Bötzbergs Landwirtschaft betrieben / Mehrere Brände haben die Existenz des Gehöfts bedroht.

ST. BLASIEN. In der Filmvorpremiere des Vereins Kino und Kultur am Freitag war der Windberghof sicher mindestens der heimliche Star des dort überwiegend gedrehten Films. Seit jeher übt der Windberghof, das einzige verbliebene bäuerliche Anwesen im Kernbereich St. Blasiens, eine liebenswerte, volkstümliche Anziehungskraft aus. Es dürfte für diese Zuneigung aus der Bevölkerung drei Hauptgründe geben.

Erstens: Die Würde und die Bindekraft des historischen Alters. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, seit einer gefühlten Ewigkeit also, gehörte dieser uralte Hof zur klösterlichen Versorgungskette der durchs ganze Albtal hindurch und auf den Höhen angelegten Viehhöfe. Bauten, Größe und Ausstattung waren im Laufe der Jahrhunderte selbstverständlich vielen Wechseln unterzogen. Mit der Säkularisation wird auch der Windberghof staatliches Eigentum. Zum Bauernbrot gehörten auch die regelmäßigen Zerstörungen durch Unwetter und Feuersbrünste.

In seinem Geschichtswerk "Sankt Blasier Land" hat Ehrenbürger Bernhard Steinert die heutige Gestalt des Gehöfts nach einem vorausgegangenen Brandunglück für die Jahre 1853 bis 1855 festgeschrieben. Die menschlichen und baulichen Schicksalsschläge und Veränderungen sind das Spiegelbild des Ringens von Mensch und Natur um Existenzberechtigung, Ertrag und Überleben.

Aber der Windberghof hat bis heute seit bald einem halben Jahrtausend zweifach allen ihn bestürmenden Winden getrotzt – den existenziellen Bedrohungen und den klimatischen Winden, die dem Windbergtal den Namen gaben.

Wechselspiel von Weide, Wind und Wald

Den zweiten Grund für die Liebe zum Windberghof liefert die weitgehend unberührte Landschaft im Wechselspiel von Weide, Wind und Wald. Eiszeitliche Mulden werden von Wässern und Bächen, vor allem natürlich vom munteren, nicht immer ganz harmlosen Windbergbach, durchflossen. Rinder, Pferde und Ziegen vermitteln bäuerliche heile Welt, die dem Spaziergänger kaum etwas von der täglichen harten Arbeit sagt.

Der kleinere Bruder des Windberghofs, der Hüttenhof am Ende des gleichnamigen Weges und im oberen Windbergtal war 1685 zur Nutzung der Wälder als Glashütte angelegt worden, deren Betrieb allerdings nach 30 Jahren eingestellt wurde. Der 1875 abgebrochene Hüttenhof selber hatte aber aus vielen Gründen nicht das Durchhalte- und Widerstandsvermögen wie der Windberghof. Zu allen Jahreszeiten durchlüften die Winde wie durch einen Kamin das am Fuße des Bötzbergs bis zur Windbergbrücke abfallende Tal. Vom Reiz des leuchtenden Auges Windbergtal unterhalb der dunklen Brauen der Wälder profitiert auch der Windberghof.

Drittens und letztens haben immer wieder namhafte Bauerngeschlechter den Ruf und das Ansehen gefördert und gefestigt. Aber wen von den vielen tüchtigen, bekannten und heimatverbundenen Namen benennen, wen auslassen dürfen in den Wechselfällen der Jahrhunderte? Es kann nur eine Lösung geben: Stellvertretend zu erinnern an den leuchtenden Namen des vergangenen Jahrhunderts, die Familie Karl Natterer, die von 1936 bis 1957 den stolzen und zugleich heimeligen Hof bewirtschaftete, mit einem unverwüstlichen, dem Romanbild eines Bauern gleichenden Karl Natterer (1900 bis 1992) an der Spitze der überaus tüchtigen, hilfsbereiten und großzügigen (gerade in Notzeiten) Familie. Alles und alle unvergessen.

Und heute natürlich das Trio Martina und Holger Albrecht sowie Oliver Albrecht, die mit Einschränkungen des täglichen Ablaufs, Verzicht auf gewohnten Rhythmus und eigenem Einsatz das sehr alte bäuerliche Anwesen im Windbergtal schon zweimal zum eindrucksvollen Mitspieler, nein zu einem klaren, überzeugenden Star eines Fernseh-, beziehungsweise Kinofilms gemacht haben.

Vor allem natürlich wissen die St. Blasier, dass die jetzigen Eigentümer mit viel Liebe, Ideenkraft und Gestaltungsfreude den Windberghof erhalten und in seiner historischen Bedeutung aufwerten. Betrieben wird er als biologischer Vollerwerbsbetrieb.

Der zuletzt gedrehte Film heißt "Ende der Schonzeit" – diese Schonzeit gibt es für den Windberghof, umlagert von Weiden, umschlossen von Wäldern und umtobt von Winden, immer in der idealen Mischung aus historischer Verpflichtung und Zukunftsentwurf.