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01. Oktober 2011
"Ich bin schon mittendrin"
BZ-INTERVIEW: Der neue Kollegschulleiter Hubert Müller spricht über seine ersten Dienstwochen in St. Blasien.
ST. BLASIEN. Wenn man mit Hubert Müller, dem neuen Schulleiter des Kollegs St. Blasien über seinen Einstieg in den Schulalltag und ins Kollegleben spricht, hat man schon bald das Gefühl, dass man es mit einem außergewöhnlich energiegeladenen Menschen zu tun hat. Am 1. September trat er seinen Dienst am Kolleg an. Susanne Filz befragte ihn zu seinen ersten Eindrücken am Kolleg, zu seinen Aufgaben und darüber, warum er sich schon jetzt am Kolleg so richtig angekommen fühlt.
BZ: Herr Müller, haben Sie sich schon ein bisschen eingelebt in den Kollegalltag?Hubert Müller: Ich bin mittendrin. Mehr noch: Ich muss sagen, ich bin richtig glücklich. Nachdem ich die Heimschule Lender in Sasbach geleitet und in Alexandria eine Ordensschule kennengelernt habe, wollte ich sehr gerne wieder an eine kirchliche Schule.
BZ: Warum das Kolleg St. Blasien?
Müller: Unter anderem hat es mich sehr gereizt, an einem Internat zu arbeiten, einem der größten, die es im Südwesten noch gibt. Auch finde ich die pädagogischen Prinzipien der Jesuiten sehr überzeugend. Und dass ich gemeinsam mit dem neuen Kollegsdirektor Pater Klaus Mertes SJ anfangen durfte, einem so klugen und mutigen Mann, ist für mich ein ganz besonderes Glück.
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Müller: Zunächst war ich überwältigt von der Schönheit des Gebäudes und den großartigen Möglichkeiten am Kolleg. Was mir hier im Schulalltag sofort positiv auffiel, war die Ruhe im Unterrichtsablauf. Das hat meiner Meinung nach ganz wesentlich mit dem Samstagsunterricht zu tun. Da es wenig Nachmittagsunterricht gibt, haben die Schüler Zeit für ihre Hausaufgaben, aber auch für außerschulische Aktivitäten wie Sport oder Musik. Auf diesem Hintergrund scheint mir das achtjährige Gymnasium am Kolleg problemlos durchführbar. Ebenfalls sehr angenehm fiel mir auf, dass es rund um die Uhr Menschen gibt, die für die Schüler da sind.
BZ: Die Zeit zwischen dem Ende Ihres Deputats in Alexandria und Ihrem Beginn als Schulleiter am Kolleg war mit einigen Tagen denkbar knapp. Wer hat Ihnen geholfen, sich einzuarbeiten?
Müller: Herr Schmidle und der stellvertretende Schulleiter Ralph Mertens haben mich bestens eingeführt. Auch jetzt noch stehe ich in Kontakt mit Herrn Schmidle. Wir kennen einander schon seit 2000 aus den gemeinsamen Schulleiterkonferenzen der Erzdiözese. In der ersten Augustwoche war ich im Kolleg zur Übergabe, bin dann wieder zurück nach Alexandria und kam zum Dienstbeginn Anfang September zurück.
BZ: Unterrichten Sie auch selbst oder arbeiten Sie ausschließlich in der Verwaltung?
Müller: Ich unterrichte in einer achten Klasse sieben Schülerinnen und Schüler im Altgriechischen als dritte Fremdsprache. Das Kolleg ist eine der wenigen Schulen, an denen man Altgriechisch von der achten Klasse bis zum Abitur belegen kann.
BZ: Sie haben Geschichte, Griechisch und Latein studiert, in Latein haben Sie sogar promoviert. Was haben die antiken Sprachen Ihrer Meinung nach im heutigen Unterricht noch zu suchen?
Müller: Über die Weiterbeschäftigung mit den antiken Texten, etwa der griechischen und römischen Philosophen, kommt man sehr schnell zu den Grundfragen menschlicher Existenz. Insofern bilden diese Fächer einen Gegenpol zu den nur noch an Nützlichkeit ausgerichteten pädagogischen Zielen, auf die manche die Schule reduzieren wollen.
BZ: Sie arbeiten seit vielen Jahren in kirchlichen Schulen. Warum?
Müller: Der Einstieg in die Heimschule Lender war eher Zufall. Was mir dort gefallen hat, war der andere Geist. Noch einmal anders ist es, wenn ein Orden Schulträger ist, wie die Jesuiten oder die Borromäerinnen. Die Ordensmitglieder leben ein Leben, das kompromisslos auf Gott ausgerichtet ist. Insofern bieten sie einen Kontrast zu dem oft aufs rein Materielle ausgerichteten Lebensumfeld der Schüler. Ich glaube, das ist eine ideale Voraussetzung, um Schule zu machen. Das Kolleg ohne Jesuiten ist für mich nicht denkbar.
BZ: Wo haben Sie nach Ihrer Berufung zum Kollegschulleiter eine Wohnung genommen?
Müller: Ich habe jetzt eine kleine Wohnung in Höchenschwand. An den kurzen Wochenenden gehe ich an meinen Hauptwohnsitz nach Sasbach.
BZ: Was macht ein Kollegschulleiter in seiner knappen Freizeit?
Müller: Ich bin viel in der Natur, jogge, fahre Rad, lese, gehe gerne essen. Wenn ich am Wochenende zuhause bin, genieße ich das Familienleben, vor allem auch mit meinen beiden Enkeln. Und ich arbeite seit vielen Jahren an lateinischen und griechischen Unterrichtswerken mit.
Autor: sfiz


