International ins neue Jahr gefeiert

Claudia Renk

Von Claudia Renk

Sa, 02. Januar 2016

St. Blasien

Helferkreis Asyl organisiert sehr erfolgreich eine Silvesterfeier für die in St. Blasien lebenden Flüchtlinge.

ST. BLASIEN. Eine rundum gelungene Silvesterfeier für die in St. Blasien lebenden Flüchtlinge hatte der Helferkreis zum Jahreswechsel im Kursaal organisiert. Bei internationalem Buffet, Musik, Filmen und einer kleinen Feuershow feierten rund 80 Personen fröhlich in das neue Jahr.

"Rechts ist das salzige Buffet, links das süße", wird die Autorin dieser Zeilen freundlich begrüßt, als sie mit zwei Tellern die Treppe zum Kursaal hinaufbalanciert. Käsehäppchen, wie von Organisatorin Veronika Faller empfohlen, also auf den rechten Tisch damit. Die Sorge, dass es nur zwei Teller sind, erweist sich sofort als unbegründet. Die Tische biegen sich unter Leckereien, allein der syrische Koch Fares, dessen Fingerfood es auch im Haus Radiesli in Bernau gelegentlich zu Kosten gibt, hat drei Tage für das Fest in der Küche gestanden.

Mit Essen und Trinken beginnt dann auch die Silvesterfeier, die der Helferkreis Asyl im Kursaal organisiert hat. 78 Personen waren angemeldet, erzählen die Helfer, etwas weniger sind schließlich gekommen. Sie stammen aus Syrien und Eritrea, vom Baby im Tragetuch bis zum Herren mit grauen Haaren sind alle Altersstufen vertreten. Am Anfang ist die Stimmung noch etwas gedämpft, als Veronika Faller auf Deutsch, Georg Gaugler auf Englisch und Ahmad Ayash auf arabisch das Programm des Abends erklären. Das gibt sich aber, als nach dem Essen einige syrische Männer traditionelle Tänze zeigen. Nach und nach trauen sich auch die anderen Gäste auf die Tanzfläche, und zu Musik aus Syrien und Eritrea wird ebenso getanzt wie zu Rock ’n’ Roll oder "Männer" von Herbert Grönemeyer. Zu "Johnny Walker" von Marius Müller-Westernhagen funktioniert, das wurde an diesem Abend bewiesen, auch eine Polonaise ganz hervorragend.

Animationsfilme sind auch ohne Sprachkenntnisse lustig

Nach einigen angeleiteten Line Dances zieht es dann die meisten Tänzer wieder an die Tische. Die Kinder, die bisher mitgetanzt haben oder am Mal- und Basteltisch mit Zeichnen beschäftigt waren, werden in der ersten Reihe vor der Bühne platziert. Es folgen zwei Animationsfilme über "Shaun, das Schaf", die auch ohne Sprachkenntnisse Spaß machen. Für die Erwachsenen gibt es danach "Dinner for One" mit der Erläuterung von Georg Gaugler, dass in Deutschland fast alle Menschen diesen Film an Silvester anschauen. Draußen folgt danach eine kleine Feuershow von Annelie Sawitzki, bevor das Feuerwerk um Mitternacht beginnt. Die Helfer haben vorher erklärt, dass ein lautes Feuerwerk kommen wird, wer wolle, könne dieses drinnen im Saal verbringen. Aber alle Gäste bleiben draußen, nur wenige schauen betrübt. Ob wegen schlimmer Erinnerungen durch die Knallerei oder wegen Heimweh oder der Sehnsucht nach fernen Verwandten, bleibt unklar.

"Das Feuerwerk ist klein hier, wir haben mehr", grinst Ahmad Ayash, nach den Silvesterbräuchen in Syrien gefragt. Dann wird er ernst: "nicht jetzt, früher". Ansonsten sei Silvester in Syrien ganz ähnlich gefeiert worden wie an diesem Abend in St. Blasien. Die Menschen gehen auf die Straße, tanzen gemeinsam, und das Feuerwerk dauere bis vier Uhr morgens. Am nächsten Tag besuche man Verwandte und feiere mit ihnen das neue Jahr. Es gebe einen speziellen Salat zu Silvester, und einen speziellen Kuchen mit Kerzen drauf, wie ein Geburtstagskuchen, erklärt Ayash weiter auf Englisch, während er sich immer wieder mit einigen anderen Syrern auf Arabisch abspricht, ob er auch nichts vergessen hat in seiner Schilderung. Aber die anderen nicken eifrig. Später werden zwei von ihnen, die nichts als Arabisch sprechen, mit einem deutschen Gast vor der Tür eine Freundschaftszigarette rauchen. Auch so funktioniert Verständigung. Und damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, tragen alle Teilnehmer der Feier einen Streifen Klebeband mit ihrem Vornamen, so dass sich alle untereinander ansprechen können.

"Happy New Year" ist überall zu hören, Gäste des Festes schütteln sich die Hände, bevor es wieder nach drinnen geht. Viele machen sich nach Mitternacht aber auch gleich auf den Heimweg, denn die Kinder, die mit Raketenstöcken auf dem Rasen kleine Schwertkämpfe ausfechten, sind dann doch langsam müde und müssen ins Bett. Im Kursaal gibt es noch Sekt und Orangensaft, Paare tanzen einen Walzer, bevor es ans Aufräumen geht. Und keiner darf gehen, ohne von den reichlichen Resten des Buffets noch etwas eingepackt zu haben.

Die Organisatoren vom Helferkreis Asyl und ihre Gäste können sehr zufrieden sein mit ihrem wirklich schönen Fest und den vielen Freiwilligen, die mit Essen, Programm, Fahrdiensten und weiterem dazu beigetragen haben. Ihr besonderer Dank gilt dabei auch Bürgermeister Rainer Fritz, der ihnen die Nutzung des Kursaals ermöglicht hat. Etwas einfacher hat es Mohammad ausgedrückt, einer der beiden Raucher der Freundschaftszigarette: "Germany" sagte er am Ende des Festes strahlend zu seinem deutschen Gegenüber und hob anerkennend den Daumen. Dem ist nichts hinzuzufügen.