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04. März 2010

Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein

Etwa 250 St. Blasier kamen zur Bürgerversammlung, um sich darüber zu informieren, wie die Stadt vorangebracht werden könnte.

  1. Foto: Sebastian Hautli

  2. Foto: Sebastian Hautli

  3. Foto: Sebastian Hautli

  4. Foto: Sebastian Hautli

  5. Foto: Sebastian Hautli

  6. Foto: Sebastian Hautli

  7. Foto: Sebastian Hautli

  8. Foto: Kathrin Blum

ST. BLASIEN. Die Bürger sollen hoch erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen und nicht mit hängenden Schultern. Das forderte Bürgermeister Johann Meier in der Bürgerversammlung am Dienstagabend. Etwa 250 St. Blasier, Menzenschwander und Albtäler waren der Einladung in den Kursaal gefolgt und wollten hören, wie dem Strukturwandel entgegengewirkt werden könnte. Etwa 45 Bürger möchten ihre Vorschläge in Arbeitsgruppen einbringen.

Mit einer so großen Resonanz hat der Rathauschef nicht gerechnet. Auch die beiden Referenten Martin Wypior und Frank Leichsenring zeigten sich beeindruckt ob des großen Interesses. Weil die Sitzplätze nicht ausreichten, harrten einige Zuhörer sogar mehr als zwei Stunden lang stehend aus. Auffallend viele Menzenschwander saßen im Publikum, auch viele Gastronomen und Einzelhändler aus der Stadt – und selbst einige Jugendliche zeigten Interesse an der Veranstaltung, die im Rahmen des Leader-geförderten Projekts "Schwarzwaldort – Lebensort" stattfand.

Bürgermeister Meier ging zu Beginn der Veranstaltung auf die aktuelle Entwicklung ein. Diverse Gesundheitsreformen bedingten den Abwärtstrend des Kurwesens in St. Blasien. Dem begegnete die Stadt mit dem Bau des Radonbades und der Investition in die Skilifte am Feldberg. Auch das Naturschutzgroßprojekt Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental führte Meier als positives Beispiel an. Der Bürgermeister erhob aber auch den Zeigefinger: Wenn die Bürger nicht mitziehen, könne eine Kommune wenig ausrichten. Meier fragte die Bürger, warum so wenige von ihnen Vereins- und Kulturveranstaltungen besuchen, der Wochenmarkt in Menzenschwand nach einer Saison eingestellt werden musste, und wie sich die Gäste in einer Stadt wohlfühlen sollen, in der die Einwohner vermitteln, mit vielem unzufrieden zu sein. Seiner Meinung nach ist es Zeit dafür, dass sich das Bewusstsein der Bürger ändert.

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Ändern könnte sich auch viel im Bereich Tourismus. Kommunalplaner Frank Leichsenring sprach von neuen Trends und betonte, dass St. Blasien eine gute Ausgangslage habe: Natur, Landschaft und Klima zeichneten die Region aus und müssten besser vermarktet werden. Der Trend gehe immer mehr in Richtung Inlands-Urlaub. Davon könnten die St. Blasier profitieren. Trotzdem sollte die Tourismus Marketing GmbH St. Blasier Land seiner Meinung nach die Werbung um ausländische Gäste intensivieren. Derzeit kämen nur sechs Prozent der Touristen aus anderen Ländern, wohingegen der Schnitt im Landkreis Waldshut dreimal so hoch ist.

Im Leader Projekt "Schwarzwaldort – Lebensort" geht es nicht nur darum, die Stadt und ihre Ortsteile für Touristen attraktiver zu machen, sondern auch für die Bürger selbst. Ein Thema im Rahmen des Projekts ist es deshalb, dem Leerstand entgegen zu wirken. Die Pieper-Klinik in Menzenschwand, die Hochschwarzwaldklinik in St. Blasien oder das Haus Ballenberg im Albtal – große Gebäude, die ungenutzt sind, gibt es genug. Architekt Martin Wypior von der Leader-Aktionsgruppe informierte die Zuhörer deshalb über Fördermöglichkeiten für Umbauten und Umnutzugen alter Gebäude. Sowohl Institutionen, als auch Privatleute können bei entsprechenden Voraussetzungen in den Genuss einer finanziellen Förderung kommen. Viele leerstehende Gebäude, vor allem die großen, gehören aber nicht mehr einem Eigentümer, sondern Gläubigern. Dieses Problem sprach Gemeinderat Manfred Leber an.

"Wenn wir Harmonie ausstrahlen, zieht das auch Gäste an."

Bürgermeister Johann Meier
Leerstehende Gebäude nutzen, bestehende Angebote ausbauen: Diese zwei Themen dominierten den Abend. Einige Bürger machten in der Versammlung auf die Schwierigkeiten aufmerksam, Gäste in der Stadt zu halten. Hotelier Frank Lausterer brachte es auf den Punkt: Die Gäste verlassen den Bus und gehen direkt in den Dom. Raus aus dem Dom geht’s sofort zurück in den Bus – und tschüss. Klaus Brand vom gleichnamigen Modehaus glaubt, dass eine neue Brücke über die Alb dieses Problem beheben könnte. Helmut Schmidt regte an, gastronomische Angebote in einer Art Bausteine-System auszubauen.

Konkrete Vorschläge sollen nun fünf Arbeitsgruppen zusammentragen, die in der kommenden Woche zum ersten Mal tagen (siehe Artikel unten). Wo es hapert, haben die St. Blasier erkannt. Missstände aufzudecken sei der erste Schritt in Richtung sie zu beheben, glaubt Johann Meier. Wenn jetzt sachorientierte Lösungen gefunden werden, fernab persönlicher Befindlichkeiten, sei St. Blasien auf einem guten Weg. Und: "Wenn wir Harmonie ausstrahlen, zieht das auch Gäste an", glaubt der Bürgermeister.

Autor: Kathrin Blum