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21. Mai 2010

Schwarzwaldort - Lebensort: Public Viewing im Skisprungstadion?

Public Viewing im Skisprungstadion oder Open-Air-Kino auf dem Domplatz: Diese Ideen haben die Arbeitsgruppen entwickelt.

  1. Wandern Foto: ddp

  2. Public Viewing - schwarz-rot-gold Foto: Kathrin Blum

  3. Schach Foto: dpa

  4. großes Kino Foto: fotolia.com/Stefan Knies 

  5. Wellness Foto: dpa-tmn

  6. Foto: Kathrin Blum

ST. BLASIEN. Das Interesse am Projekt "Schwarzwaldort – Lebensort" ist nicht mehr riesig, aber immer noch groß: Zur zweiten Bürgerversammlung kamen nicht mehr ganz so viele Interessierte wie zur ersten im März, die Organisatoren sind mit der Resonanz dennoch sehr zufrieden. Auch die große Bereitschaft der Bürger zur Mitarbeit zeige, dass viele etwas für ihre Stadt oder ihren Ortsteil tun möchten, betonte Projektbegleiter Martin Wypior.

Nach der ersten Bürgerversammlung bildeten sich Arbeitsgruppen zu den Themen Struktur und Tourismus in den einzelnen Ortsteilen. Zwei Sitzungen moderierten Fachleute, einige Gruppen trafen sich darüberhinaus weitere Male. Die Vorschläge der Bürger, wie die Stadt für Bewohner und Touristen attraktiver werden könnte, stellten die Projektbegleiter Martin Wypior und Frank Leichsenring am Mittwoch den interessierten Bürgern vor. Bürgermeister Johann Meier warnte vor allzu großen Hoffnungen. Nicht alle Vorschläge ließen sich in absehbarer Zeit realisieren. Trotzdem begrüße er das große Engagement, das die Teilnehmer in den Arbeitsgruppen an den Tag legen.

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ST. BLASIEN

Einige von der St. Blasier Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Ideen nehmen bereits Formen an. Beispielsweise ein Langlaufevent in der Stadt. Die Voraussetzung dafür ist natürlich Schnee. Wenn der liegt, könnte St. Blasien zum Langlauf durch die Innenstadt einladen, verbunden mit einem verkaufsoffenem Sonntag, Segnung der Starter und einem bunten Rahmenprogramm. Erste Gespräch mit der Stadt und der Kirchengemeinde laufen, eingebunden werden könnten Werbe- und Aktivkreis sowie der Skiclub.

Das kulturelle Angebot könnte durch eine Art Kleinkunstbühne im Kursaal erweitert werden. Möglicherweise ist dafür eine Vereinsgründung sinnvoll. Vorbild ist der Bonndorfer Folktreff, der seit einigen Jahren einmal monatlich Veranstaltungen anbietet – mit großem Erfolg.

Bereits Formen angenommen hat das Projekt Schachclub und Jugendarbeit. Jugendliche von fünf bis 18 Jahren sollen Schach spielen lernen und trainieren. Dazu brauchen die Organisatoren einen Raum der Stadt. Oliver Wiech hat sich dazu bereit erklärt, dieses Projekt zu leiten. Wenn Raum und Termine feststehen, kann’s losgehen.

Eine weitere Idee der St. Blasier Arbeitsgruppe ist es, den Domplatz zu beleben. Die Gruppe könnte sich vorstellen, dass auf dem Domplatz Open-Air-Kinos stattfinden. Dafür soll es Gespräche mit dem Kino- und Kulturverein geben. Außerdem denken die Ideengeber an musikalische Veranstaltungen, beispielsweise nach Gottesdiensten oder während des Freitagsmarkts, gleichzeitig könnten Gastronomen auf dem Domplatz wirten.
ALBTAL

Zu Beginn des Projekts sah es so aus, als käme eine Albtal-Gruppe gar nicht zustande. Zwei Bürger legten sich dann aber ins Zeug um weitere Mitstreiter zu finden – mit Erfolg. Die Ausarbeitung ihrer Ergebnisse ist beeindruckend: Mit Fotos und ersten Modellen hat die Gruppe ihre Vorschläge illustriert und damit bewiesen, dass sie sehr konkret gearbeitet und keinen Aufwand gescheut hat. So könnte beispielsweise beim Dorfgemeinschaftshaus eine kleine Grillhütte entstehen. Am Haus stehen Parkplätze, darin Toiletten zur Verfügung. Eine Hütte mit Grillstelle würde das Dorfzentrum beleben. Vereine, Freiwillige und die Stadt sollen sich am Hüttenbau beteiligen. Zuvor muss geklärt werden, wem das Grundstück gehört und ob es möglich ist, darauf zu bauen.

Attraktiver machen könnte das Albtal als Wohnort schnelles Internet. Die Arbeitsgruppe wünscht sich flächendeckend DSL. Dafür müsste ein Investor oder Betreiber gefunden werden. Profitieren würden gleichfalls Bürger, Touristen und Gewerbetreibende.

Im vergangenen Jahr haben sich ein paar Helfer ehrenamtlich um das Spuren einer Loipe im Albtal gekümmert. Die Arbeitsgruppe wünscht sich, dass es auch in kommenden Wintern eine Loipe gibt. Dafür müsste ein Spurgerät geliehen und eventuell von Menzenschwand ins Albtal gebracht werden.

Die Wanderwege könnten zu einem Rundweg verbunden werden. Dafür müssten sie aber auch besser gepflegt und die Beschilderung erweitert werden, findet die Arbeitsgruppe. Als Akteure könnten Gastronomen eingebunden werden.

MENZENSCHWAND

Das Menzenschwander Skisprungstadion wird im Sommer kaum genutzt. Deshalb schlagen einige Bürger vor, es für Veranstaltungen zu öffnen. Konkret nennt die Arbeitsgruppe Filmvorführungen auf Großleinwand oder Public Viewing bei Fußball-Großveranstaltungen wie der anstehenden Weltmeisterschaft.

Eine Arbeitsgruppe wünscht sich Flutlicht für den Mösle-Skilift, damit auch nach Einbruch der Dunkelheit dort Ski gefahren werden kann.

Ein Naturlehrpfad am Schwarzberg könnte für Familien attraktiv sein, glauben einige Menzenschwander. Dafür wäre eine Beschilderung notwendig, außerdem Werbung und Übersichtskarten. Die Arbeitsgruppe stellt sich vor, dass Naturführer die Gäste begleiten und über Besonderheiten informieren könnten.

Außerdem wollen viele Menzenschwander, dass sich die Bürger mehr mit ihrem Dorf identifizieren. Mit dem Slogan "Schwarzwalddorf wie aus dem Bilderbuch" könnte der Ortsteil werben. Ohnehin wünscht sich die Arbeitsgruppe, dass Menzenschwand verstärkt für sich wirbt, eventuell mit einer eigenen Homepage.

ALLE ORTSTEILE

Ideen der Gruppen, die alle Ortsteile betreffen sind gebündelte Gesundheits- und Wellnessangebote, Erschließung neuer Zielgruppen, eine bessere Beschilderung der Wanderwege und Sehenswürdigkeiten sowie Bemühungen um mehr Gastfreundlichkeit. An dieser Stelle können wir nicht detailliert auf alle Projekte eingehen, werden aber in den kommenden Tagen und Wochen weitere Ideen vorstellen.

FAZIT
Einige der Vorschläge können die Bürger ohne großes Zutun der Stadt oder anderer Behörden realisieren. Bürgermeister Johann Meier und die Projektbegleiter hoffen, dass das auch passiert und die Konzepte nicht in der Schublade verstauben. Trotzdem warnte der Bürgermeister vor allzu hohen Erwartungen. Beispielsweise wünschen sich die Albtäler einen Gehweg zwischen zwei Ortsteilen, dafür wollen sie auch Unterschriften sammeln. "Einen solchen Bau können wir als Gemeinde aus eigener Kraft nicht stemmen", meint Meier.

Insgesamt sei der Rathauschef froh, dass mit dem Projekt ein Prozess eingeleitet wurde, der auch beinhaltet, dass sich die Bürger wieder mehr für ihre Gemeinde interessieren. Die Verwaltung werde jetzt die einzelnen Vorschläge, 29 ausgearbeitete sind es insgesamt, kommentieren. "Dann verständigen wir uns in Absprache mit dem Gemeinderat, wo wir Prioritäten setzten", erklärte Meier. Einen bestimmten Grad an Verbindlichkeit fordere er ein, dann gehe die Stadt diesen Weg auch mit. Am Ende appellierte Johann Meier an die Bürger, die vorhandenen Angebote auch tatsächlich zu nutzen. Als Beispiele nannte er die zwei neuen Menzenschwander Läden, "die nur überleben können, wenn Sie mithelfen".

Autor: Kathrin Blum