Hotzenwald

600 Menschen kämpfen für Erhalt der Albtal-Strecke

Martin Köpfer

Von Martin Köpfer

Fr, 20. Mai 2016 um 12:28 Uhr

Albbruck

Über 600 Anwesende sind zur Infoveranstaltung bei der Tiefensteiner Brücke gekommen. Sie protestierten gegen die Sperrung der Albtal-Strecke. Landrat und Bürgermeister stehen hinter ihnen.

Bürgermeister Helmut Kaiser aus Dachsberg brachte es auf den Punkt: "Für viele Projekte wird in Baden-Württemberg Geld rausgehauen, die zusätzlichen Milliarden für Stuttgart 21 interessieren niemand. Und bei uns soll die Sanierung der Albtalstraße und die Wiedereröffnung dieses historischen Kulturgutes an vergleichsweise lächerlichen zwei Millionen Euro scheitern?"

Helmut Kaiser sprach das aus, was viele der rund 600 Anwesenden am Mittwochabend bei der Informationsveranstaltung an der Tiefensteiner Brücke dachten. Sie alle waren wegen der derzeitigen Sperrung der Albtalstraße gekommen. Landrat Martin Kistler und vier Bürgermeister hatten hierzu eingeladen.

Die von der Sperrung der Albtalstraße betroffenen Bürger wollen und werden diese Sperrung nicht kommentarlos hinnehmen, sondern für eine Öffnung dieser Straße kämpfen. Das wurde aus allen Redebeiträgen deutlich. Landrat Martin Kistler sowie die Bürgermeister Rainer Fritz (St. Blasien), Carsten Quednow (Görwihl), Helmut Kaiser (Dachsberg) und Stefan Kaiser (Albbruck) kommt diese Unterstützung der Bürger sehr entgegen. "Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen und für den Erhalt der L 154, der Albtalstraße, kämpfen. Die Situation ist kritisch, aber wir dürfen nichts unversucht lassen", sagte der Landrat und bezog damit klar Stellung pro Öffnung der Albtalstraße. Gleichzeitig erwähnte er, dass nach dem vorliegenden Gutachten zur Steinschlag- und Felsgefährdung eine Befahrung der Straße ohne umfangreiche Sicherungsmaßnahmen mit Blick auf mögliche Gefährdungen der Verkehrsteilnehmer nicht möglich sei.

Spöttische Reaktionen

Die Kosten, die der Gutachter ermittelt hat, liegen in einem ersten Schritt bei zwei bis 2,8 Millionen Euro, weitere Folgekosten bezifferte Kistler vorsichtig auf mindestens eine Million Euro. Dafür liegen allerdings noch keine konkreten Zahlen vor, sagte er. Zudem sprach der Landrat die "naturschutzrechtliche Thematik" an. Das Gebiet sei ausgewiesen als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) mit einem ausgeprägten Artenschutz. "Eventuell sind diese Hürden so hoch, dass wir ohne eine Entscheidung der EU nicht weiterkommen, was auch für weitere Kosten sorgen könnte", bemerkte der Landrat, was kritische bis spöttische Reaktionen der Anwesenden auslöste.

Die Expertenmeinung in Stuttgart gehe auch dahin, dass es für die Albtalstraße gute Ausweichstrecken gebe. Außerdem habe es eine Verkehrszählung mit dem Ergebnis gegeben, dass die Strecke nur von 900 Fahrzeugen pro Tag benutzt werde – eher wenig im Vergleich zu anderen Straßen. "Bei Maßnahmen im ländlichen Raum zur Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur darf man aber nicht alles unter dem Kostenaspekt und im Vergleich mit Ballungszentren sehen", sagte Kistler unter großem Beifall.

Bürgermeister Stefan Kaiser erinnerte an die historische und aktuelle Bedeutung der Straße als Talverbindung zwischen Albbruck und St. Blasien. "Die Geologie hat sich in den vergangenen über 100 Jahren nicht verändert, deshalb verstehe ich die Sperrungen eigentlich nicht", so Stefan Kaiser weiter.

Das Land sei letztlich zuständig für die Finanzierung und man stehe in einem guten Dialog mit dem Regierungspräsidium (RP) in Freiburg, betonte Bürgermeister Rainer Fritz, der die komplette Öffnung der Straße von Albbruck bis St. Blasien forderte. Martin Kistler sagte ebenfalls ganz klar, dass letztlich Stuttgart und nicht das RP Freiburg die notwendigen Gelder zur Verfügung stellen müsse. In diesem Zusammenhang fragte Bernhard Huber aus Niederwihl: "Warum sind denn eigentlich die Leute aus Stuttgart und Freiburg, die letztlich entscheiden, heute nicht hier?"

Die Antwort darauf konnte niemand an diesem Abend geben, aber der große Beifall bewies, dass Bernhard Huber damit die Meinung aller Anwesenden ausgesprochen hat.

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