Was lockt Ärzte aufs Land?

Claudia Renk

Von Claudia Renk

Di, 04. September 2018

St. Blasien

Workshop in St. Blasien ist Teil einer Initiative der regionalen Gesundheitskonferenz, die eine Imagekampagne plant.

ST. BLASIEN. Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist schon länger ein Thema. Die regionale Gesundheitskonferenz im Landkreis möchte dieses Thema nun gezielter angehen. Als eines von acht Planungsgebieten im Landkreis Waldshut startet der Gemeindeverwaltungsverband St. Blasien am Mittwoch, 5. September, mit einem Workshop als Vorbereitung einer Imagekampagne.

"Wir haben Bürger aus dem Gesundheitsbereich eingeladen,etwa Ärzte, Klinikleiter, Physiotherapeuten, Apotheker und Zahnärzte", erklärt St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst. Gemeinsam sollen diese Akteure aus den Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbandes die Vorzüge der Region zusammentragen und diskutieren, was Ärzten einen Anreiz bieten könnte, sich vor Ort mit einer Praxis niederzulassen.

In einem zweiten Schritt sollen die Ergebnisse des Workshops dann einer professionellen Marketingfirma übergeben werden, die daraus eine zielgerichtete Imagekampagne erarbeiten soll. Moderiert wird der Workshop in St. Blasien von zwei Mitarbeiterinnen des Landratsamtes.

"Wir steuern sehenden Auges und mit 180 Stundenkilometern auf eine Änderung zu", sagt Bürgermeister Adrian Probst und fasst einige Entwicklungen im Gesundheitswesen zusammen. So gebe es etwa immer mehr Ärztinnen, und mit dem Thema Familienfreundlichkeit werde auch der Wunsch nach einem Angestelltenverhältnis im Gegensatz zur klassischen eigenen Praxis größer. "Wir müssen die Versorgung sicherstellen, die es braucht. Wie man das organisiert, ist den Patienten egal", betont Probst. Und da gebe es viele Varianten, etwa eine Gemeinschaftspraxis, ein Ärztehaus, wo sich die Mediziner einmieten könne, oder auch die Möglichkeit, dass jemand nur für drei Tage nach St. Blasien komme und den Rest der Woche in einer Gemeinschaftspraxis in einem Ballungsraum praktiziere.

Themen beim Workshop können unter anderem ein familienfreundliches Umfeld im ländlichen Raum sein, oder die Möglichkeit, auch für den Partner vor Ort eine Arbeitsstelle zu finden. Ebenfalls soll ein Blick auf die Infrastruktur sowie die Kommunikation und Kooperation der Mediziner vor Ort geworfen werden, etwa auf die Möglichkeit eines Mentoren- oder Patenschaftsprogrammes für "Neulinge". Und nicht zuletzt soll auch der Freizeitwert der Region ein Thema sein.

Als politische Aufgaben in diesem Zusammenhang nennt Adrian Probst unter anderem das Angebot von Bau- und Kindergartenplätzen, den Ausbau der Breitbandversorgung (Stichwort Telemedizin), aber auch kleinere Bausteine wie das in diesem Jahr erstmals von der Stadt angebotene Kinderferienprogramm.

Zunächst gehe es also darum, eine Überblick zu bekommen, was sich die umworbene Klientel wünscht. In diesem Zusammenhang würde sich der Bürgermeister über eine noch stärkere Beteiligung der Akteure vor Ort freuen, denn für den notwendigen Wandel, das betont er, brauche es engagierte Mitstreiter. Auch wenn zu dem Workshop speziell eingeladen wurde, sei der ganze Prozess grundsätzlich offen.

In diesem Jahr stehe der Dialog im Vordergrund, 2019 sollen ganz konkrete Prozesse angestoßen werden, kündigt er an. Das Ganze sei allerdings ein langes, beständiges Bohren dicker Bretter und die Branche Gesundheit nur ein Aspekt. Es gelte, sinnvolle Ideen zu entwickeln.