Gemeindeeigene Bienen

(ST)EINWURF: 100 000 neue Angestellte

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 18. August 2018

Steinen

Von der kritischen Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat die Gemeinde Steinen in den letzten Wochen das Personal in kommunalen Diensten deutlich aufgestockt. Wir sprechen von satten 100 000 zusätzlichen Kräften, die dem Bürgermeister seit kurzem ganz persönlich zu Diensten sind. Sie alle sind weiblich, sie alle sind Arbeiterinnen, sie alle sind (flotte) Bienen – der Skandal ist perfekt. Hinzu kommt: die neuen Rathausangestellten sind dazu verdonnert weit unter Tarif – und mit Blüten bezahlt ! – auf Höllsteiner Gemarkung sauren Frondienst für süßen Honig zu leisten. Das alles nur, damit der Burgi bei repräsentativen Gelegenheiten ein passendes Geschenk aus der Westentasche zaubern und ansonsten weiterhin hemmungslos sein Dolce Vita leben kann. Bei soviel Unverfrorenheit muss jedem halbwegs anständig gebliebenen Gewerkschafter das Messer im Sack aufgehen. Schlimmer geht’s eigentlich nimmer. Der Stachel sitzt aber auch bei uns tief, die wir ja eigentlich ein Auge auf all das haben sollten, was da im Dorf so alles ausgebrütet wird. Doch kaum ist man mal weg – ausgeflogen sozusagen – gerät einem das zeitungsmäßig betreute Gemeinwesen völlig außer Kontrolle. Kann man unter diesen Umständen eigentlich noch guten Gewissens in den Urlaub gehen? In der ganzen Affäre gibt es allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch jede Menge Fragen, denen wir uns jetzt mit bienenfleißiger Recherchearbeit widmen werden. Wo waren Gemeinschaft, Sozen und Schwarze, als dieser Beschluss gefasst wurde? Warum schritten weder Rechnungsamtsleiterin noch Personalrat gegen dieses für die Spargemeinde Steinen völlig unangemessene Aufblähen des Stellenplans ein? Können Arbeiterinnen bei entsprechender Eignung verbeamtet werden? Ist Steinen nun eine Großstadt? Und steht das Votum einer Königin in wichtigen Fragen eigentlich über dem eines gewählten Bürgermeisters? Die Steinener Bienenaffäre verspricht im Herbst – wenn die Gemeinderäte wieder zurück in der Wabe sind – noch eine ganz heiße Kiste zu werden. Und Gunther Braun ist gut beraten, frühzeitig jede Menge Bienenfreunde um sich zu scharen.