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27. Dezember 2012

Le Letten und Roemisloch

Chemiemüll im Elsass: Ein erfreulicher Start

Die Sanierung der Elsässer Chemiemülldeponien Le Letten und Roemisloch ist abgeschlossen, nun hat die Sanierung in Hüningen begonnen.

Abgeschlossen ist das Thema Chemiemüll in der Region noch lange nicht. In den südelsässischen Deponien Le Letten und Roemisloch in den an der Schweizer Grenze gelegenen Gemeinden Hagenthal-le-Bas und Neuwiller endete die Sanierung jedoch zum Jahresende nach dem Totalaushub von gut 28 000 Kubikmetern Erde mit der Wiederaufforstung. Ein fast zehn Mal größeres Projekt wurde Mitte des Jahres in Hüningen im Areal der auf der Industriekläranlage in Angriff genommen. 240 000 Kubikmeter Erde sollen hier bis 2014 ausgetauscht werden.

Hatte in den Deponien von Hagenthal und Neuwiller noch die eigens 2001 für die Sicherung gegründete GIBRB (Groupement d’intérêts pour la sécurité des décharges de la Région bâloise) die Verantwortung übernommen, so lässt sich der Verursacher in Hüningen so leicht nicht mehr dingfest machen. Zwar betonen auch die GIDRB-Trägerfirmen BASF, Novartis und Syngenta ihr freiwilliges Engagement. Auch habe es sich bei dem Aushub nur zu rund zehn Prozent tatsächlich um Hinterlassenschaften der Basler Chemie- und Pharmaindustrie gehandelt. Dennoch investierte die Interessengemeinschaft im Auftrag des Erben ihrer Vorgängerfirmen, die nachweislich seit den 1950er Jahren Chemiemüll im Elsass entsorgt hatten, rund 30 Millionen Euro in die Sanierung.

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In Hüningen liegen die Dinge indes grundsätzlich anders. Auf dem Gelände der am Rhein gelegenen Industriekläranlage STEIH (Société de traitement des eaux industrielles Huningue) hatte von 1947 bis 1976 die zuletzt vom multinationalen Bergbaukonzern Rio Tinto geschluckte Ugine Kuhlmann das als Lindan bekannte Hexachlorcyclohexan (HCH) hergestellt. Sowohl auf dem Gelände als auch in umliegenden Deponien wurden jahrelang Produktionsabfälle des sowohl als krebserregend eingestuften als auch als Ursache für zahlreiche weitere Krankheiten verdächtigten Insektizids entsorgt, dessen Einsatz in Frankreich seit 1988 verboten ist. Nach dem Konkurs des Unternehmens übernahm die Basler Sandoz als ein Keim der Novartis das Gelände und bebaute es ohne Sanierung zusammen mit Ciba-Geigy, der zweiten Novartis-Wurzel, mit der STEIH.

Inzwischen hat sich die Situation indes noch ein einmal geändert. Die alte Kläranlage arbeitet spätestens seit dem Aus für den Hüninger Standort des heute in Muttenz domizilierten Sandoz-Erbe Clariant nicht mehr rentabel. Zudem hätten neue in Frankreich ab 2013 geltende Grenzwerte für in den Rhein geleitete Industrieabwässer massive Investitionen nötig gemacht. Da kommt es den Hüninger Standorten von BASF, Novartis und TFL günstiger, ihre Abwässer über eine Leitung in die Kleinbasler ARA-Abwasseranlage zu pumpen. Gleichzeitig mit dem Abbau der alten Kläranlage will Novartis als heutiger Besitzer des Areals, dessen nobler Basler Campus direkt an das Areal angrenzt, jetzt aber auch sämtliche Altlasten bis in eine Bodentiefe von zehn Metern bergen. Wie das Gelände anschließend genutzt wird, steht noch offen.

Wie schon beim Abraum aus Le Letten und Roemisloch ist vorgesehen, das Material, das unter Riesenzelten von Arbeitern mit Schutzmasken abgegraben wird, je nach Belastungsgrad zu behandeln und zu verbrennen. Noch steht dabei nicht fest, wie viel Novartis insgesamt investieren muss. Als sicher gelten jedoch Kosten in zwei-, wenn nicht dreistelliger Millionenhöhe. Waren die betroffenen Bürgermeister in Hagenthal-le-Bas, Neuwiller und Huningue aber bisher voll des Lobes für die Industrie, die sich ihrer Verantwortung stelle, nehmen Umweltschützer das bisher Erreichte zur Kenntnis, ohne dabei die zahlreichen weiteren Baustellen aus dem Blick zu verlieren. Von einem zwar erfreulichen, aber nicht mehr als "bescheidenen Start" spricht der in Sachen Chemiemüll in der Region unermüdliche Basler Geograph und Altlastenexperte Martin Forter, der die Sanierung der Grenzach-Wyhlener Hirschackergrube 2009 für nicht ausreichend hält. Aktuell pocht Forter auch auf der Totalsanierung der Feldrebengrube in Muttenz, eine ebenfalls sehr kostspielige Forderung.

Autor: Annette Mahro