"Ich habe eine alte Seele in mir"

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Di, 03. Juli 2018

Rock & Pop

Das 25. Stimmenfestival beginnt mit einem Prolog von Sarah McKenzie im südelsässischen St. Louis.

"Wir müssen diese Nähe leben", so skizzierte Stimmen-Chef Markus Muffler vor gut einem Jahr seine Intentionen Richtung Saint-Louis und dem Elsass. Die langjährige Kooperation des Festivals mit dem Musikzentrum Les Dominicains in Guebwiller hat Muffler wegen der größeren Distanz 2013 zwar eingestellt, doch mit Saint-Louis und dessen Théâtre La Coupole sieht er ein neues, zukunftsträchtiges Potenzial, das er nicht nur mit "Stimmen", sondern auch mit dem "Mutterschiff" Burghof entwickeln will. Dass das Festival-Warmup "Stimmen On Tour" darüber regelmäßig und heuer wieder in der Fondation Fernet-Branca gastiert, ist ein Teil der neuen deutsch-französischen Kulturkooperation. Zum 25. Festival aber gibt es einen weiteren Ohrenschmaus, einen infolge der Ferien in Frankreich vorgezogenen Prolog mit der australischen inzwischen aber in Paris lebenden Pianistin, Sängerin und Songschreiberin Sarah McKenzie. Diese wandelt auf Spuren, die einst die 2002 verstorbene US-amerikanische Pop- und Jazzsängerin Peggy Lee oder die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall gebahnt haben.

"Ich habe eine alte Seele in mir. Ich liebe die Eleganz der 40er Jahre, habe einen großen Hang zur Nostalgie und zu romantischen Dingen", sagt Sarah McKenzie. Das kommt in ihren Liedern deutlich zur Geltung, in ihren eigenen Songs ebenso wie in den Standards, die selbst arrangiert und neu interpretiert hat. "I’m old-fashioned", ein alter Song von Jerome Kern und Johnny Mercer, der auf Sarah McKenzies jüngstem Album zu finden ist, ist deshalb auch so etwas wie ein Bekenntnis. "Paris In The Rain" heißt das Album, das die Australierin ihrer Wahlheimat gewidmet hat. Die bisherigen Lebensstationen von Sarah McKenzie verdeutlichen die Vorteile einer globalisierten Welt. Vor 30 Jahren in Melbourne geboren, studierte sie zunächst in Perth, bevor sie dank eines Stipendiums an die Jazzschule des renommierten Berklee College Of Music in Boston kam. Anschließend zog es sie nach Europa, und sie ließ sich in Paris nieder.

Nachdem sie in Australien bereits zwei Alben mit Vocal-Jazz veröffentlicht hat, erschien das Dritte nun auf dem renommierten französischen Jazzlabel Impulse Records. Fünf Songs darauf hat die Sängerin und Pianistin selbst geschrieben, die sieben anderen sind Standards, die sie in sehr persönlichen Versionen aufgenommen hat. Alles passt so nahtlos zusammen, als seien sie alle in derselben Zeit entstanden. Reif und stilsicher verleiht die Sarah McKenzie ihren Liedern lässige Größe. Die Zusammenstellung der Songs ist auch Ausdruck ihres Vagabundierens zwischen Australien, USA und verschiedenen europäischen Ländern, bevor sie sich in Paris niedergelassen hat. Produziert wurde das Album jedoch in New York von Brian Bacchus, der schon für Herbie Hancock, Stevie Wonder, Norah Jones und Gregory Porter gearbeitet hat. Die Nähe zu den großen Jazzsängerinnen ist nicht zu überhören, aber beim Zuhören zeigt sich auch schnell, dass Sarah McKenzie ganz eigenständig klingt.

Es geht ihr nach eigener Aussage darum, Klasse und guten Geschmack in die Musik zu bringen, und diesem hohen Anspruch wird sie mühelos gerecht. Mit sehr viel Feingefühl und zugleich mit jugendlichem Schwung geht sie ihre Songs an, die in ihrem persönlichen Ausdruck zu schillern beginnen. "Ich möchte eine Musikerin sein, die einen eigenen Stil hat und damit die Menschen in ihrer Seele anspricht", sagt Sarah McKenzie. Die Wahlpariserin glaubt fest daran, dass der Jazz wieder der Pop der Zukunft sein kann. Wer ihr zuhört, glaubt das ebenfalls.

Stimmen in Saint-Louis: Sonntag, 8. Juli, 12 Uhr, "Stimmen on Tour" mit Becca Stevens und King Creosote, Fondation Fernet-Branca (Eintritt frei). Konzert mit Sarah McKenzie, 19 Uhr, Théâtre La Coupole.