Leichte Kost soll mehr Publikum anlocken

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 11. Juni 2018

Theater

Das Saint-Louiser Theater La Coupole setzt in der Spielzeit 2018/19 noch mehr auf Humor und auf ein attraktives Tanz-Programm.

Besucher aus Deutschland sind im Saint-Louiser Kulturhaus La Coupole noch immer die Ausnahme. "Sie kommen zum Stimmen-Festival, sonst eher selten", sagt Eleonora Rossi, die das Haus seit Januar 2017 leitet. Deutlich größer sei der Zulauf aus der Schweiz. Dass die Deutschen in Sachen Kultur lieber in ihrem Sprachraum bleiben, wird sich aber auch in der neuen Saison kaum ändern, die Rossi jetzt vorstellte. Liegt doch der Schwerpunkt beim neuen Programm auf "Humour" (Humor), und da wird es für Nicht-Franzosen schwierig.

Kabarett, Comedy und Komödien finden für gewöhnlich ein größeres Publikum als schwerere Kost, und die Auslastung von mehr als 70 Prozent in der vergangenen Spielzeit möchte die Chefin gerne noch weiter ausbauen. Also gibt es verglichen mit dem Vorjahresprogramm in der Spielzeit 2018/2019 in der Sparte Humor noch einen Zuschlag. Bei klassischen Vorlagen wie Molières Komödie "L’Avare" (Der Geizige), die im November mit einer Abend- und zwei Schulvorstellungen ins Haus kommt, ist das noch nicht zwingend ein Problem. Immerhin handelt es sich bei dem 1668 uraufgeführten Klassiker auch in deutschen Klassenzimmern um Schullektüre. Anders sieht es bei aktueller Comedy aus, die mit Worten und Bezügen spielt und selbst für sprachlich einigermaßen Sattelfeste schwer verständlich bleibt.

Anders sieht es aus, wenn mit der Australierin Sarah McKenzie am 8. Juli auch in diesem Jahr zwischen den Spielzeiten wieder ein "Stimmen"-Gastspiel in das Haus mit den roten Samtsesseln kommt. Anfang Oktober steht zudem das Tanzprojekt "anobis" als erste Koproduktion von Burghof und Coupole auf dem Programm. Der Lörracher Tänzer, Choreograf und Tanzpädagoge Mentor Shalijani geht mit seiner Body Language Company kurz nacheinander in beiden Häusern an den Start. Auch wenn an der Produktion noch gefeilt wird, lässt ein Blick auf die tänzerischen Biografien der Beteiligten, die von HipHop, Street- und Breakdance bis hin zu Einflüssen aus Modern Dance und klassischem Ballett reichen, schon einiges vermuten.

Das Haus arbeitet auch mit Artists in Residence

Erarbeitet wird das Programm mit sechs Tänzerinnen, vier Tänzern und drei Live-Musikern vorher sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Die Truppe aus Lörrach gehört damit neben zwei weiteren Ensembles zu den "Artists in Residence", denen die Coupole in diesem Jahr in ihrem zum Rathausplatz hin ausgerichteten Annex, dem "Salle des Portes", Raum für Arbeit und Kreation zur Verfügung stellt.

Nach Saint-Louis kommen im neuen Jahr auch vier weitere Tanzproduktionen, die ohne Worte über die Grenze locken. Den Auftakt macht im Januar "Elektrik", eine Kreation der spanischen Tänzerin, Choreografin und Filmemacherin Blanca Li, die schon für die Ballettensembles der Opéra de Paris, der New Yorker Metropolitan Opera und der Komischen Oper in Berlin choreografiert hat und diesmal einen "elektrisierenden" Tanzstil ausprobiert. Im Februar plant auch das Ballett des Theaters Basel einen Abstecher über die Grenze und bringt mit "Further" (Ferner) und "Day (Without) Night" (Tag ohne Nacht) zwei nagelneue Arbeiten der beiden Gastchoreografen Thomas Noone und Jiri Pokorny in die Coupole, die zwei Wochen zuvor am Basler Schauspielhaus zur Uraufführung kommen. Direkt an der Coupole entsteht im März "Jour et Nuit" (Tag und Nacht), eine weitere Kreation der französischen Choreographin Catherine Diverrès, sowie zum Abschluss der neuen Tanzsaison eine Art Mysterienspiel des Ballet de Lorraine aus Nancy, bei dem nur die Anzahl der beteiligten Choreografen preisgegeben wird, nicht aber die Namen.

So spannend wie in diesem Fall macht es die neue Coupole-Chefin gerne. So durften vor der offiziellen Programmvorstellung vor Publikum keinerlei Informationen über die neue Saison veröffentlicht werden. Auch in Budgetfragen bleibt Eléonora Rossi wortkarg. Mit Ausnahme einer Unterstützung durch das EU-Leader-Programm, die sie mit 27 500 Euro beziffert, nennt Rossi keine weiteren Zahlen. Fest steht nur die Stadt Saint-Louis als Hauptsponsor. Departement und Region tragen, wie in Frankreich üblich, ihrerseits ihr Scherflein bei. Hinzu kommen Förderer aus der Privatwirtschaft, die sich finanziell oder mit Sachleistungen engagieren.

Das detaillierte Programm findet sich unter: http://www.theatrelacoupole.fr