Weltweit wächst der Luftverkehr viel stärker

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Do, 05. Juli 2018

Elsass

Aerosuisse-Präsident Thomas Hurter spricht am Euroairport zu Prognosen und Herausforderungen bei Lärm und CO2-Emissionen.

SAINT-LOUIS. Der Flugverkehr wächst weiter. Von heute rund vier Milliarden Passagieren weltweit rechnen diverse Studien bis 2036 fast mit einer Verdopplung. Nach Prognosen, die der Präsident des Schweizer Luftfahrtverbands Aerosuisse, Thomas Hurter, an der Hauptversammlung der Interessengemeinschaft (IG) Euroairport vorstellte, wird das Wachstum an den drei großen Schweizer Flughäfen schon kapazitätsbedingt geringer ausfallen, aber ebenfalls spürbar von heute rund 56 Millionen auf 78 Millionen Passagiere bis 2030 zulegen.

Die Zahlen stammen aus einer 2015 im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) erstellten Studie, die mit einem noch moderaten Wachstum von 3,2 Prozent jährlich rechnet. Für den Euroairport (EAP), der dieses Jahr voraussichtlich 8,5 Millionen Passagiere erreicht und nach Zürich und Genf in der Schweiz an dritter Stelle steht, rechnet der Leiter des Passagierterminals, Werner Parini, bis 2025 mit 10,8 bis zwölf Millionen Flugreisenden. Auch wenn heute jeder dritte Tourist mit dem Flugzeug ins Land komme und gemessen am Wert etwa ein Drittel des Exportes das Land auf dem Luftweg verlasse, wären Kapazitätssteigerungen nur noch schwer möglich. "Ich glaube, ausbauen können wir nicht mehr, nur optimieren", so Hurter.

Gleichzeitig sieht der Aerosuisse-Präsident, der auch für die rechtskonservative SVP im Berner Nationalrat sitzt, auch die Probleme des Wachstums. So führe kein Weg daran vorbei, CO2-Emissionen weiter zu senken und Treibstoff einzusparen: "Wir müssen da etwas machen." Dies sei auch im Interesse der Fluggesellschaften, bei denen Flugbenzin allein 20 bis 30 Prozent der Kosten verursache. Aufgrund von technologischer Weiterentwicklung und alternativen Kraftstoffen ließe sich bis 2020 aber ein klimaneutrales Wachstum in der Luftfahrt realisieren, ist Hurter überzeugt, und bis 2050 sogar eine Halbierung der Emissionen gegenüber 2005.

Das Thema Fluglärm sieht der ehemalige Berufspilot anders als die Anrainerverbände um den EAP. Dort bezog sich Hurter jetzt auf die 2015 vom Flughafen Frankfurt mitfinanzierte und entsprechend umstrittene Norah-Studie (Noise Related Annoyance, Cognition and Health), die nur geringe Gesundheitsbelastungen aufgrund von Fluglärm anerkennt. Dass die Anzahl der hochbelasteten Personen etwa im Umfeld des Flughafens Zürich gestiegen sei, obgleich sich der Lärm durch Anstrengungen der Luftfahrtindustrie zuletzt reduziert habe, sei allein einer immer dichteren Besiedlung im nahen Umland geschuldet, so Hurter.

So einfach machen es sich die EAP-Verantwortlichen nicht. Sie sind bemüht, mit den Betroffenen im Gespräch zu bleiben und den Lärm mit diversen Maßnahmen in den Nachtstunden möglichst zu reduzieren. Auch bei der IG Euroairport ist man sich der Problematik bewusst. Präsident Lorenz Amiet freute sich, dass die IG zum zuletzt wieder verstärkt in den Medien präsenten Thema mehrfach Gelegenheit gehabt habe, sich zu positionieren. Handlungsbedarf sieht er indes bei der eigenen Organisation, die infolge von Überalterung stetig Mitglieder verliert. Initiativen zur Gewinnung von Neumitgliedern sollen deshalb verstärkt werden.