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26. Mai 2009

Auf höchstem Niveau

Bayerische Philharmonie setzt Akzente / Virtuosität und Klangvielfalt überzeugen das Publikum

  1. Eine hervorragende Vorstellung bot die Bayerische Philharmonie im Rahmen des Schwarzwälder Musikfestivals in der Klosterkirche St. Märgen. Foto: lisa stöhr

S T. MÄRGEN. Im Rahmen des Schwarzwälder Musikfestivals konnte man am Samstag in der Klosterkirche St. Märgen ein sehr junges musikalisches Ensemble erleben: Das erst im Januar 2008 gegründete Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter Leitung von Mark Mast, besteht aus 16 professionellen Musikern, die aus der Jungen Münchner Philharmonie entstammen .

Eröffnet wurde das Programm mit dem Konzert für Piccoloflöte, Streichorchester und Cembalo in a- Moll (RV 445, PV 83, F.Fl. Nr. 9) von Antonio Vivaldi. Die Solistin Ildiko Juhasz, gebürtig 1984 in Budapest, meisterte die technischen Herausforderungen des Stückes mit virtuoser Leichtigkeit. Vor allem im ersten und dritten Satz entfaltete sich ein brillantes, klanglich filigranes Feuerwerk im Kirchenraum. Die Ausgewogenheit der Streicher als Begleiter darf nicht unerwähnt bleiben, was vor allem im zweiten Larghetto-Satz stark zum Tragen kam.

Der Großmeister der Kirchenmusik, Johann Sebastian Bach, war mit dem Orgelwerk Präludium und Fuge in G-Dur (BWV 541) vertreten. Der Organist Ulrich Weissert arbeitete eine sehr schöne und genaue Stimmtransparenz in der Fuge heraus, was nicht nur an der wohl durchdachten Registrierung lag, sondern vor allem an der barocken Phrasierungsmanier. Im Präludium zeigten sich bisweilen die Tücken der Bachschen Literatur, die aber vom Spieler souverän gemeistert wurden.

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Für einen sehr individuellen romantischen Klang sorgte das Kammerorchester im Adagio für Streichorchester aus dem Streichquintett in F-Dur von Anton Bruckner, arrangiert von Antonio de Almeida. Kennt man dieses Stück nur in der Quintettbesetzung, so wird dem Zuhörer ein ganz neues Klangbild eröffnet: Es entstand eine hohe klangliche Dichte, jedoch nicht übertrieben und immer noch der Besetzung angemessen. Der Themendialog des Anfangs zwischen Viola und Violine wob sich sanft ineinander und wurde fließend in den tiefen Streichern weitergeführt. Mark Mast dirigierte mit sehr weichen, einfühlsamen Bewegungen, was dieses Klangresultat zur Folge hatte.

Große Bandbreite emotionaler Befindlichkeiten
Im Konzert für Orgel und Orchester Nr.4 F-Dur, op. 4 Nr. 4 (HWV 292) von Georg Friedrich Händel machte die Interpretation des Ensembles den ganzen Charme von Händels Musik deutlich. Obwohl im zweiten Konzertteil aufgrund der Besetzung mit Orgel von der Empore aus musiziert wurde, konnte man den engen musikalischen Kontakt zwischen Ensemble und Dirigent erleben.

Als Höhepunkt des Konzertes darf man sicherlich das Werk von Francis Poulenc sehen. Mit dem Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken in g-Moll (FP 93) wurde das Publikum zunächst auf die Probe gestellt: starke Dissonanzen in der Orgel, jagende Streicherfiguren, die sich in einem Klangteppich bündeln, und die Pauke als Strukturträger und treibenden Motor des Ganzen. Diese eher fremderen Klangeindrücke überraschten, man hatte das Gefühl, in eine völlig fremde Welt einzutauchen, die sich jedoch mit jedem Takt und jedem Übergang in einen anderen Satz vertrauter machte.

Eine große Bandbreite emotionaler Befindlichkeiten war in den einzelnen Sätzen zu hören: Vom Schmerzensschrei bis hin zur Erlösung im Allegro molto agitato, eingearbeitet mit angelehnten Tschaikowsky-Zitaten, der Ruhe nach dem Sturm im Tres calme Lent, sanfte Streichermotive streicheln das Ohr des Zuhörers. Im Tempo Introduction Largo übernimmt die Orgel in Choralart die Führung, wobei dies die Streicher im leichten Pizzicato auslaufen lassen: Eigentlich könnte das Stück vorbei sein, aber letztmals erhebt sich die Orgel mit einem Toccata- Motiv und am Ende ein bleibt ein gewaltiger Paukenschlag. Mit der Zugabe von Samuel Barbers bekanntem Adagio für Streicher op. 11 blieb dem Publikum dann noch einmal die Möglichkeit, in die sanfte Klangvielfalt dieses jungen Ensembles einzutauchen: Eine große Bereicherung für die Kulturreihe des Schwarzwälder Musikfestivals.

Autor: Lisa Stöhr