Ein geistliches und weltliches Fest

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 13. August 2018 um 14:10 Uhr

St. Märgen

ST. MÄRGEN. Das Jubiläumsjahr zu 900 Jahre St. Märgen brachte ein Novum mit sich: Das alljährlich an den Einzug der Augustinerchorherren in die Cella Mariae im Jahr 1118 erinnernde Patrozinium wurde in diesem Jahr aus seinem ausschließlich klerikalen Rahmen gehoben und zu einem zweitägigen Bürgerfest erweitert. Der Ehrengast war aber doch ein kirchlicher: Kurienerzbischof Georg Gänswein hielt am Sonntag den Festgottesdienst.

ST. MÄRGEN. Das Jubiläumsjahr zu 900 Jahre St. Märgen brachte ein Novum mit sich: Das alljährlich an den Einzug der Augustinerchorherren in die Cella Mariae im Jahr 1118 erinnernde Patrozinium wurde in diesem Jahr aus seinem ausschließlich klerikalen Rahmen gehoben und zu einem zweitägigen Bürgerfest erweitert. Der Ehrengast war aber doch ein kirchlicher: Kurienerzbischof Georg Gänswein hielt am Sonntag den Festgottesdienst.

Am Samstagnachmittag eröffneten Bürgermeister Manfred Kreutz zusammen mit Pfarrer Clemens Armbruster auf dem noch nicht vollbesetzten Augustinerplatz das Festwochenende. Udo Opel, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Glottertal, überreichte den beiden Schirmherren eine neun Liter fassende Magnumflasche "Roter Bur" – einer der beiden Jubiläumsweine, die im Glottertal für St. Märgen abgefüllt werden. Zur allgemeinen Freude wurde der Inhalt der Flasche nach einer Entkorkungszeremonie ausgeschenkt. Darüber hinaus sorgten Landfrauen, Betzitglunki, Tennisclub, Schwarzwaldverein, Hornschlittenfahrer, Reit- und Fahrverein, Sportverein, Skiclub, Akkordeonorchester, Loch-Hexen und Pfarrgemeinde für Speis und Trank – alles unter der Oberhoheit der Rossfest erprobten Festwirte Eckhard Waldvogel, Niko Waldvogel, Josef Hättich, Florian Hog, Mick Lickert und Herbert Mark. Im ersten musikalischen Teil sorgte die Gruppe "Aufwind" aus Breitnau mit handgestrickter alpenländischer Volksmusik und Eigenkompositionen für Feierlaune und der Temperaturrückgang bescherte ideales Hockwetter. Der Festplatz füllte sich zusehends und gegen Abend übernahmen die acht Bläser der Blechbengel die Bühne. Allesamt spielen die jungen Musiker normalerweise in der Neustädter Stadtmusik, haben sich aber seit Anfang dieses Jahres auch separat formiert, um "fetzigere Sachen in eigenen Arrangements zu spielen". Ihre leicht jazzig angehauchten Interpretationen von bekannten und eingängigen Rock-, Pop- und Brassbandhits fanden großen Gefallen und die Feststimmung währte bis um Mitternacht.

Am Sonntag stand das kombinierte Bürger- und Patroziniumsfest zunächst im Zeichen eines feierlichen Festgottesdienstes. Dieser hatte eine große Zahl Gläubige angezogen, denn er wurde von Kurienerzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär des früheren Papstes Benedikt XVI. und Präfekt des Päpstlichen Hauses in Rom, zelebriert. Ihn verbinden enge verwandtschaftliche Bande mit St. Märgen, hier hatte er viele Tage seiner Kindheit und frühen Jugend verbracht. Im Anschluss an den Gottesdienst umrundete die feierliche Patroziniumsprozession – angeführt von der Trachtenkapelle St. Märgen – den Klosterberg. Wieder zurück trug sich Georg Gänswein nach Erledigung seiner geistlichen Pflichten im Kapitelsaal des ehemaligen Klosters ins goldene Buch von St. Märgen ein.

Schon am Vortag und seit dem frühen Sonntagmorgen waren rings um den Friedhof und im Klosterhof zahlreiche Stände zur Präsentation alter Handwerksberufe aufgebaut worden. Den zahlreichen Besuchern – weit im vierstelligen Bereich – präsentierten sich mitsamt ihren historischen Werkzeugen und Maschinen zwei Sattler, ein Instrumentenbauer, eine Korbmacherin, eine Lackschilduhrenmalerin, ein Messer- und Scherenschleifer, ein Steinmetz, eine Schäppelmacherin, eine Kalligrafin, ein Sonnenuhrenmacher, ein Schuhmacher, eine Nudelwerkstatt mitsamt Nudelsuppenausschank und eine Blumenbinderin. Auch eine der letzten dereinst in St. Märgen sehr aktiven Hinterglasmalerinnen zeigte ihre Kunst. Sie verblüffte die Zuschauer, denn den wenigsten war bekannt, dass der Farbauftrag seitenverkehrt und in genau umgekehrter Reihenfolge wie normalerweise erfolgen muss. Im Klosterhof zeigten Bauleute, wie man von Hand einen Bogen aus Ziegelsteinen mauert und ein Deichelbohrer höhlte wie in früheren Zeiten einen Baumstamm für ein Wasserleitungsrohr aus. Ein Schnapsbrenner, ein Hausmetzger, der die dazu gebrauchten Utensilien vorstellte, komplettierten die Vorstellung.

Wer ein Schnäppchen suchte, studierte das Angebot einiger Stände mit antiken Flohmarktartikeln und Oldtimerfreunde konnten einige Traktoren und Limousinen aus der Vergangenheit bewundern. Wieder, wie schon bei dem großen Festspiel vor vierzehn Tagen, hatte der unermüdliche Josef Saier den gesamten Marktaufbau organisiert und die Veranstaltung mit vielen Helfern und dem Bauhof realisiert. So war dieses Festwochenende wiederum ein Beweis für den weitentwickelten Gemeinsinn in St. Märgen. Das Fest klang in bester Stimmung und ebensolchem Wetter unter den Klängen der Trachtenkapelle und später mit Musik des Trios "Wälderbuebe" aus.