Hoch zu Dieselross

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Fr, 31. August 2018

St. Märgen

Warum ein Fendt-Schlepper von 1954 immer noch im Einsatz ist.

ST. MÄRGEN. Eigentlich müsste er aufgrund seines Alters in Rente sein. Doch er ist unverwüstlich und wird weiterarbeiten, so wie er das schon 1954 bei seinem ersten Einsatz auf einem Bauernhof getan hat. Die Sprache ist von einem Fendt-Schlepper im Dienst der Familie Gerhard Hog am Klausenweg.

"Er ist einfach unverwüstlich", sagt der St. Märgener Martin Hog. "Der Fendt 15 ist der robusteste Schlepper, der je gebaut wurde." Der 21 Jahre alte Sohn von Gerhard und Rosmarie Hog muss es wissen, schließlich ist er Landmaschinenmechaniker.

Zwischen 1950 und 1957 wurde der Fendt 15 in der Modellreihe "Dieselross" in einer Stückzahl von 14 260 in Markoberdorf im Allgäu gebaut. Einer dieser Traktoren fand 1954 den Weg in die seinerzeit noch selbstständige Gemeinde Döggingen. "1961 hat mein Vater den Schlepper von Bauer Rosenstil gekauft", berichtet Gerhard Hog, der damals gerade ein Jahr alt war. August Hog hatte seinerzeit ein Baugeschäft, sodass der Fendt nicht nur auf den Wiesen bei der Heuernte rund um den Hof, sondern auch bei Bauarbeiten eingesetzt wurde. "Vor allem die Seilwinde kam dabei zum Einsatz", erinnert sich der 58-jährige Maurermeister an diese Zeit. "Eine Seilwinde an einem Schlepper war damals schon etwas Besonderes."

Fast täglich wurde der Traktor angeworfen, auch in den Wintermonaten verrichtete der Oldtimer seine Tätigkeiten, "und das immer zuverlässig", so Gerhard Hog. Im Sommer knatterte der Fendt auf den Feldern und bei Bauarbeiten, im Herbst im Wald bei Holzfällarbeiten und im Winter wurde ein Schneepflug an dem Schlepper montiert.

Gerhard Hog holt ein dickes Fotoalbum und zeigt auf ein Bild. "Hier bei uns hatte es in den 70er und 80er Jahren immer reichlich Schnee, den mussten wir selbst räumen." Der Schneepflug war an der Rückseite montiert, sodass die Räumarbeiten im Rückwärtsgang erledigt werden mussten. "Von Riesenvorteil dabei ist, dass der Fendt nicht nur sechs Vorwärts-, sondern auch zwei Rückwärtsgänge hat", so der Maurermeister, der zusammen mit seiner Familie den Hof im Nebenerwerb bewirtschaftet.

Klar, als Junge, der auf einem landwirtschaftlichen Hof großgeworden ist, fand Gerhard Hog schnell in den Sitz des Traktors. Und als Jugendlicher stand er "seinen Mann". "Ich sollte auf einer unserer Wiesen das Heu wenden", erzählt der 58-Jährige schmunzelnd von einem nachhaltigen Erlebnis. "Weil die Wiesen hier ziemlich feucht sind, bin ich in ein Sumpfloch gefahren. Der Schlepper versank knietief und auch die Zinken des Heuwenders waren nicht mehr zu sehen." Dass seine Eltern das nicht gerade toll fanden, weiß Gerhard Hog noch heute. "Gut, dass sich unser Schlepper mit der montierten Seilwinde aus diesem Schlamassel selbst herausziehen konnte."

Ganz Ähnliches erfuhr knapp 30 Jahre später auch Gerhard Hogs Sohn Martin. "Ich sollte als Zwölfjähriger mit meinem Bruder ein Stück Wiese mähen. Das hätten wir auch mit der Hand erledigen können", so der 21-Jährige.

"Man darf unserem Traktor ruhig sein Alter ansehen."
Martin Hog
Doch stattdessen kam das Dieselross zum Einsatz. "Wir blieben dann in einem feuchten Loch stecken." Gemeinsam schafften es die beiden Heranwachsenden, den Schlepper wieder zu befreien, um wenig später im nächsten Sumpf zu landen. "So ging es von Loch zu Loch. Hätten wir das Ganze von Hand gemäht, hätten wir ein Drittel der Zeit gebraucht", sagt Martin Hog lachend. "Jungs brauchen halt solche Erfahrungen", erinnert sich Rosmarie Hog noch heute.

Bis 1975 wurde der Hof im Nebenerwerb betrieben, danach gab es eine lange Pause. Auch der Fendt mit dem Kennzeichen NEU-K 880 kam deutlich weniger als zuvor zum Einsatz. Erst als Martin Hog zu seiner Erstkommunion eine Ziege geschenkt bekam und weitere Ziegen folgten, "haben wir wieder selbst Heu gemacht", so der 21-Jährige.

Dafür eignet sich im sumpfigen Gelände vor allem der kleine Fendt, obwohl die Familie Hog im Besitz zweier weiterer, deutlich modernerer und stärkerer Traktoren ist. "Der Fendt 15 wiegt gerade einmal gut eine Tonne und hat eine Doppelbereifung. Der geht durch den Sumpf super durch", so Martin Hog.

Der Landmaschinenmechaniker fährt den Trecker mit seinen 15 PS aber nicht nur auf dem heimischen Hof, er nimmt hin und wieder auch an Treffen von historischen Traktoren teil, zuletzt an dem in St. Peter. Aber im Gegensatz zu den dann präsentierten Oldtimer-Schätzchen wird der Hogsche Schlepper nicht restauriert. "Man darf unserem Traktor, der noch nie repariert werden musste, ruhig sein Alter ansehen", meint Martin Hog.

Und er soll ja auch weiterhin seine Arbeit auf dem Hof verrichten – wie in den vergangenen 64 Jahren. Treu und unverwüstlich eben.