Schwarzwaldmarie und Tote Hosen

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Do, 24. Mai 2018

St. Märgen

Der Männergesangverein St. Märgen bringt die Wünsche seines Publikums auf die Bühne / Ehrung für Ulrich Bross.

ST. MÄRGEN. Als Konzert nach Wunsch gestaltete der Männergesangverein St. Märgen sein Jahreskonzert. Dafür verteilten die Sänger schon im vergangenen Jahr bei all ihren Auftritten eine umfangreiche Wunschliste aus ihrem Repertoire. Die meistgewählten Titel fanden dann den Weg ins Programm.

Mit einem Novum, von der Empore nämlich, eröffneten die Sänger unter der Leitung von Christian Nagel mit dem traditionellen Heimatlied "Mein Schwarzwald, meine Heimat". Den Weg des Chores durch die Halle auf die eigentliche Bühne ebnete der beim MGV schon wohlbekannte Gastmusiker Peter Knöpfle an der Zither passend mit der Melodie "Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal". Und betont heimatverbunden ging es weiter: Mit Unterstützung des Publikums wurde die "Kleine Schwarzwaldmarie" intoniert, gefolgt von einer Hommage an "Das Elternhaus" und die "Glocken der Heimat". Diesen ersten thematischen Zyklus schloss ein anspruchsvolles Medley aus Liedern der Operette "Schwarzwaldmädel" unter großem Beifall ab.

Mit dem Ohrwurm aus dem Filmklassiker "Der dritte Mann" leitete Peter Knöpfle an der Zither zu anderer Liedliteratur über. Der italienische Text des Männerchor-Pflichtstücks "La Montanara" bereitete den St. Märgenern keinerlei Schwierigkeiten und Christian Nagels einfühlsame Interpretation hob sich angenehm von dem sonst sehr oft zu hörenden Inbrunst-Geschmetter ab. Das "Schifferlied" vom Top-Chormusik-Komponisten Friedrich Silcher war eher auch eine Pflichtübung. Nicht so Udo Jürgens "Griechischer Wein". Dabei kam Urlaubsstimmung auf und die im Original charakteristischen Bouzouki-Phrasen übernahm in der Schwarzwaldhalle die Zither.

Danach betrat Beate Endres als Vorsitzende der Gruppe Hochschwarzwald im Chorverband Breisgau die Bühne und zeichnete den seit 40 Jahren im zweiten Bass singenden Ulrich Bross mit Urkunde und Anstecknadel für 40 Jahre Chorgesang aus, davon 20 in St. Märgen. Sie sparte auch nicht mit Lob für den ganzen Chor für dessen überwiegend auswendiges Singen. Nach der Pause wartete Chorleiter Christian Nagel mit einer Überraschung auf: Er übte in Windeseile nur mit den Männern im Saal das Lied vom "Bajazzo" vierstimmig (!), mit allen anwesenden Frauen die hohen Stimmlagen von "Die Rose" ein und verwandelte so jeweils die gesamte Halle in einen Chor. Die eigentliche Premiere des Geübten war dem Finale vorbehalten.

Auch die Konzertbesucher haben einen Auftritt

Ein Doppelquartett der Sänger präsentierte zunächst moderne Volksmusik mit Hubert von Goiserns "Weit weit weg von hier" unterstützt von Gastmusiker Martin Simon am Akkordeon, wie auch beim Mitklatsch-Lied von der "Fischerin vom Bodensee". Dann als Höhepunkt das meistgewünschte "Ave Maria der Berge". Der junge Trompeter Benedikt Heitz ergänzte den Chorgesang einfühlsam mit seinen Soli und es fehlte nur am Echo in der Halle, um vollends Alpengefühle aufkommen zu lassen. Das Schluss-Triple war dann eher untypisch für einen Männerchor: Bei "Tage wie diesen" von den Toten Hosen fehlte nur die verzerrten Gitarren und eine "Stimme wie diese" von Campino. Bei "Rock mi" von Voxxclub, ebenfalls ganz vorne auf der Wunschliste, bebten der Saal und die Tischplatten, die für den stampfenden Rhythmus von allen gehörig misshandelt wurden. Der Party-Hit "Auf das Leben" der Dorfrocker krönte diesen Ausflug eines gediegenen Männerchors in die eher antiautoritären Gefilde modernerer Volx-Music. Davon darf es ruhig mehr geben.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die halbwüchsigen Moderatoren und Sängersöhne Adrian Kleiser und Florian Fehrenbach, die in die Rollen des St. Märgener Bürgermeisters und die des Volksmusik-Lieblings Florian Silbereisen schlüpften und mit witzigen und selbstironischen Moderationen unterhaltsam durch das Programm führten. Wie geübt erklangen dann geschlechtergetrennt "Bajazzo" und "Rose" in die Nacht und alle gemeinsam beschlossen das Konzert mit dem verbindenden Abschiedslied "Als Freunde kamen wir, als Freunde gehen wir".