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12. Dezember 2009 11:49 Uhr
Mobilfunk
St. Märgen: Kampf ums letzte Funkloch
Nahe St. Märgen im Hochschwarzwald ist am Freitagnachmittag eine Aktivistin des AB-Strahl e.V. auf die Spitze eines Mobilfunkmastes geklettert und hat sich angekettet. Erst nach fünf Stunden konnte sie von einem Sondereinsatzkommando der Polizei heruntergeholt werden.
Ihr Motiv: Die Antimobilfunkstrahlungsaktivistin wollte den bekannten (und anwesenden) mutmaßlichen Handy-Strahlen-Allergiker Ulrich Weiner unterstützen und für "sein" Funkloch kämpfen. Weiner (32) ist seit acht Jahren auf der Flucht vor dem Elektrosmog der Mobilfunkstrahlung, denn er wird nach eigenen Angaben schwer krank und kollabiert, wenn er ungeschützt in das Strahlungsgebiet eines Sendemastes gerät.
Seitdem lebt Weiner in einem Wohnmobil, das eine spezielle Isolierung gegen Handystrahlung hat. Außerhalb seines mobilen Heims trägt er meist einen "Skaphander", eine Art Helmtauchgerät. Nur in einem Funkloch kann er sich nach eigenen Angaben wie ein normaler Mensch bewegen.
Doch diese selten gewordenen Refugien liegen außerhalb von Ortschaften. Also muss Ulrich Weiner von Helfern mit Lebensmitteln versorgt werden und selbst das Trinkwasser aus einem Bach schöpfen. In seinem Wohnwagen hängt ein Tropf mit einem Medikamentencocktail, falls er trotz aller Vorsicht in den Einflussbereich eines Mobilfunkmastes gerät.
Ein Parkplatz nahe St. Märgen ist nun schon seit vier Jahren sein Überwinterungsquartier. Doch der neue Sendemast in der Nähe stört seit letztem Winter seinen letzten Rückzugsort (in anderen Funklöchern kann Weiner nach Angaben der Unterstützer nicht regelmäßig versorgt werden). Außerdem wird er nur in St. Märgen geduldet, andernorts droht ihm eine Anzeige wegen wilden Campings.
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Deshalb waren insgesamt drei Unterstützer und Ulrich Weiner selbst heute zum Handy-Mast gekommen (auch die Sympathisanten in Schutzanzügen), um gegen den Betrieb des örtlichen Senders zu protestieren. Vorher hatten sie nach Angaben von "AB-Strahl" den Mobilfunkkonzern aufgefordert, den Mast aus Rücksicht auf "elektrosensible Menschen und solche, die es nicht werden wollen" abzuschalten - ohne Erfolg.
Die Aktivistin, die am Nachmittag den Mast bestieg, deckte den Sender mit einer speziellen Folie ab. Der Betrieb des Sendemastes war dadurch nicht mehr möglich. Der Mobilfunkbetreiber forderte die Wiederinbetriebnahme.
Nach vollbrachter Tat fesselte sich die Aktivistin in lichter Höhe mit einem Schloss an den Turm, zeitweise bei starkem Schneefall. Die Streifenpolizei konnte dagegen nichts ausrichten, also musste eigens aus Göppingen ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei herbeigerufen werden. Erst die SEK-Spezialisten konnten die Ketten lösen und die Frau herunterholen. Gegen die Aktivisten wird nun wegen "Störung von Telekommunikationsanlagen" (Paragraph 317 StGB) ermittelt. Die Polizeidirektion Freiburg prüft, die Verursacher für diesen teuren und zeitaufwändigen Einsatz kostenpflichtig zu machen.
Autor: Martin Ganz


