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01. Juni 2011 11:30 Uhr

Souvenir

Schwarzwälder Kirschkuchen aus der Dose ist ein Absatzschlager

Schwarzwälder Kirschkuchen aus der Dose entwickelt sich weltweit immer mehr zum Verkaufsschlager. Sein Erfinder musste nun sogar eine Bestellung über 40.000 Stück absagen – die Kapazitäten reichen einfach noch nicht aus.

  1. Johannes Rufs Schwarzwälder Kirschkuchen aus der Dose ist ein Absatzschlager. Foto: Rolf Haid

Am Anfang jeder prima Geschichte steht eine gute, manchmal auch eine scheinbar verrückte Idee. Die von Johannes Ruf erneut von vorne zu erzählen, würde zu weit führen. Also sei nur kurz daran erinnert, was die BZ im Januar berichtete.

Ruf hatte sich eines der Symbole des Schwarzwalds schlechthin ausgesucht. Die Kirschtorte zum Souvenir zu machen ist aber eine Idee, die immer gescheitert ist – der Sahne wegen! Also tüftelte der Beckesepp aus St. Peter mit seinem Konditor Dominik Ulrich einen Marmor-Rührkuchen aus, mit 25 Kirschen und einer kräftigen Portion Kirschwasser.

Die erste Test-Dose ging noch in die Luft. Doch Hirnschmalz und Geduld überwanden alle Hemmnisse. Die Projektentwicklung brachte zum Jahresende den ersten Schwarzwälder Kirschkuchen in der Dose hervor. Haltbar ein Jahr, also tauglich zum Mitnehmen, Verschicken und Auf-das-Regal-stellen.

Man kann ihn essen

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Das 400-Gramm-Stück mit 1200 Kalorien legte einen ordentlichen Start hin. Nach dem ersten Monat waren 1000 Dosen mit dem heimatlich geprägten Etikett verkauft. Der Gag sollte eigentlich nur eine Zeit lang Aufmerksamkeit wecken und die Backstube besser auslasten. Dann stand’s – wo sonst – in der BZ, und seither kann sich Ruf kaum retten. Der Hochschwarzwald Tourismus stieg ein und bestellte umfänglich für seine Infostellen. Regionale Medien wurden aufmerksam, die Presseagentur dpa verbreitete das Thema deutschlandweit, Reuters international legte rund um den Globus nach – weltweit verteilt sind inzwischen die Kontakte.

Das führte etwa dazu, dass ein Kuchenfreund in Australien nicht 40 Euro Porto scheute, um drei Dosen je 6,95 Euro zu ordern. Der Internethandel macht ein Viertel des Geschäfts aus, der Rest geht so über den Ladentisch. Ein Kunde kam extra mit dem Motorrad aus Baden-Baden. Mehr und mehr Souvenirläden und inzwischen auch Handelsketten bestellen in St. Peter. Kürzlich belieferte Ruf erstmals das Zentrallager von Edeka, Offenburg vertreibt den Rundling landesweit.

Die Handelskette Netto hätte am liebsten 40.000 Stück abgenommen – doch das hätte Ruf sprichwörtlich nicht gebacken bekommen. Dass aus der besseren Auslastung der zweiten Schicht von 12 bis 18 Uhr richtig Arbeit geworden ist – "do tuet mir scho mol de Buckel weh" – nimmt Ruf ohne Murren hin. Dass er heute 1000 Stück Kuchen täglich produziert – wie wollte er sich darüber beschweren?

Was ihn umtreibt, ist die Frage, ob der Boom anhält. Die Dosen, die Etiketten, die Kartons, die Werbedisplays – das braucht Platz. Die Produktion sowieso. Wenn er nur wüsste, ob die Schulterklopfer Recht behalten, die ihm die geniale Idee bescheinigen und ihn schon als Millionär sehen. Dann würde er die Investition nicht scheuen.

Info: Heute, Mittwoch, 1. Juni. 19.10 Uhr, zeigt der Fernsehsender Pro 7 in der Reihe "Galileo" eine Reportage über Johannes Ruf.

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Autor: Peter Stellmach