Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
04. März 2010
Schwimmunterricht oft nur Stiefkind
Das Angebot für Grundschüler ist sehr unterschiedlich / Kirchzartener und Zartener Kinder gehen im Unterricht nie ins Bad.
ST. PETER / DREISAMTAL. Freitagmorgens um acht ist die Welt der Viertklässler aus der Abt-Steyrer-Schule St. Peter in Ordnung. Im Hallenbad gleich nebenan tummeln sie sich, um Schwimmsicherheit zu erlangen.
Munter schwappt und gurgelt das Wasser in den Überläufen. Mal in Rücken-, mal in Bauchlage, zu zweit oder mehreren neben- oder hintereinander, auch ganz konzentriert allein, sind die Schülerinnen und Schüler unterwegs. Sportlehrerin Anne Schießle beobachtet sie aufmerksam vom Beckenrand aus, mit wachsender Freude. "Zurzeit üben wir Ausdauerschwimmen für die Abnahme des "Totenkopf-Abzeichens" erzählt sie. Dazu muss sich diese Altersgruppe 30 Minuten schwimmend über Wasser halten können. "16 Minuten habt ihr heute geschafft", lobt Anne Schießledie Kinder später sehr.Während die ersten sich trocken rubbeln, kommt die nächste vierte Klasse angestürmt, tauscht Winterbekleidung mit Badeanzug oder –hose und kann gar nicht schnell genug eintauchen in das angenehm temperierte Element. Wieder hat Anne Schießle das muntere Völkchen fest im Blick: "Mit 15 und 17 Schülern ist die Grenze für eine Aufsichtsperson allein fast erreicht", weiß sie nur zu gut.
Werbung
"Kaum ein Viertklässler verlässt unsere Schule ohne die Grundbegriffe des Schwimmens", stellt Rektorin Theresia Respondek fest. 95 Prozent der Erst- bis Viertklässler bestehen in dieser Zeit die "Seepferdchen-Prüfung". Weit weniger ziehen aber mit dem Schwimmabzeichen in Bronze nach".
"Erst dieses Jugendschwimmabzeichen enthält mit 200 Metern Schwimmen und Tauchen nach Ringen im zwei Meter tiefen Wasser die Mindestanforderung für Schwimmen-Sicherheit", erläutert Rettungsschwimmer Rainer Maier, Vorsitzender der DLRG St. Peter, er stattet der Schule gerade einen Besuch ab. "Das leistet das "Seepferdchen" mit 25 Meter Schwimmen am Stück und einem Ring in Brusttiefe aus dem Wasser zu fischen, noch nicht".
Wie es um die Schwimmsicherheit von Schülern bestellt ist, ermittelte der Bundesverband der DLRG 2009 durch eine bundesweite Befragung zum Schwimmunterricht an 1200 Grundschulen. Ihr Ergebnis – mit regional großen Unterschieden – lieferte zahlreiche interessante Erkenntnis. Und die Schlussfolgerung, dass am Ende der Grundschule 45 Prozent der Schüler nicht richtig schwimmen können. Die Antworten der Schulen bestätigen, dass fehlende Schwimmhallen, der zeitliche Aufwand für den Transport der Kinder und eine nicht ausreichende Anzahl qualifizierter Lehrkräfte gewichtige Ursachen des Nicht-Erteilens von Schwimmunterricht oder lediglich reduzierte Schwimmangebote sind. Festgestellt wurde, dass bundesweit eine Harmonisierung der Schwimmausbildung auf höherem Niveau benötigt werde.
Die DLRG-Ortsgruppe St. Peter ermittelte die Zahlen im Raum Dreisamtal und in St. Peter. Das ernüchternde Gesamt-Ergebnis liegt unter dem Bundesdurchschnitt, auch hier mit großen örtlichen Unterschieden. Schwimmen wird in den Grundschulen St. Peter (1. bis 4.Klasse) Buchenbach (1. und 2. Klasse), Eschbach (3. und 4. Klasse) und Stegen (4. Klasse) unterrichtet, jedoch nicht in Kirchzarten und Zarten. Die "Seepferdchen-Geprüften" unter allen Schülern machen in St. Peter 95 Prozent der Grundschüler aus, in Buchenbach 90 Prozent, in Stegen 20 Prozent, in Kirchzarten 40 Prozent und in Zarten 50 Prozent.
Das "bronzene Jugendschwimmabzeichen weisen 40 Prozent in St. Peter, 50 Prozent in Buchenbach, 0 Prozent in Stegen, 20 Prozent in Kirchzarten und 25 Prozent in Zarten vor. Die persönliche Einschätzung der Schulen zur Schwimmfähigkeit ihrer Schüler im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt lautete vorher "besser" (St. Peter), "gleich" (Buchenbach, Eschbach), "schlechter" (Stegen, Kirchzarten).
Autor: Monika Rombach
