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15. November 2011

Virtueller Einblick in Klosterbibliothek

Jutta Krimm-Beumann hat die Buchrolle "Rotulus Sanpetrinus" aus dem 12. Jahrhundert neu editiert und übersetzt.

  1. So sieht sie aus, die Buchrolle „Rotulus Sanpetrinus“, in der die Besitzungen des Klosters St. Peter beurkundet sind. Foto: Hans Jürgen Kugler

ST. PETER. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Zähringertag 2011 konnten der Leiter des Geistlichen Zentrums St. Peter, Arno Zahlauer, und Bürgermeister Rudolf Schuler gleich zwei bedeutende bibliothekarische Projekte vorstellen.

Angela Karasch von den Historischen Sammlungen der Universitätsbibliothek präsentierte das Projekt einer "Virtuellen Bibliothek St. Peter". Auf diesen Internetseiten wird zum ersten Mal die Gelegenheit gegeben, zumindest virtuell einen umfassenden Einblick in die Klosterbibliothek nehmen zu können. Dies ist insoweit schon eine Besonderheit, da von den ehemals 20 000 Büchern des ursprünglichen Bestandes ein Großteil davon durch die Jahrhunderte hindurch weit verstreut sind. Viele der Bücher sind in der Landesbibliothek in Karlsruhe, in den Beständen der Universitätsbibliothek Freiburg oder auch in privater Hand zu finden.

Die "Virtuelle Bibliothek St. Peter", die zu den Landesfeierlichkeiten im April 2012 zeitgleich mit dem landesweiten Bibliotheksportal LEO-BW – http://www.landesarchiv-bw.de/web/50999 – freigeschaltet wird, gibt dem User auch jetzt schon die Möglichkeit an die Hand, vom heimischen Computer aus einen umfassenden Einblick in die Bestände zu nehmen. Unter der Internetadresse http://www.ub.uni-freiburg.de/go/sanktpeter werden Drucke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, seltene Handschriften und rund 700 Originalurkunden online verfügbar sein.

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Darüber hinaus konnte der Öffentlichkeit eine weitere bedeutende bibliothekarische Leistung präsentiert werden. Das älteste und wichtigste Dokument aus der Geschichte des Klosters St. Peter ist in Buchform für die Nachwelt gesichert. Jutta Krimm-Beumann hatte in jahrelanger sorgfältiger Arbeit die Buchrolle "Rotulus Sanpetrinus" aus dem 12. Jahrhundert neu editiert und übersetzt. "Mit der Neuausgabe erwarten wir weiterführende Impulse für die Erforschung der Zähringerzeit", sagte Wolfgang Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg bei der Vorstellung der Neu-Edition.

Das Dokument, eine in einer Holzkapsel gefasste Buchrolle und ein dazugehöriger Band (liber) enthält die urkundlichen Nachweise über die beträchtlichen Besitzungen von St. Peter.

1093 hatte Herzog Bertold II. von Zähringen das Kloster St. Peter errichtet. Wegen des Investiturstreits verlagerte er seine Herrschaft vom Neckar in den Breisgau. Das Kloster besaß nun Güter, die sich vom Neckarraum über den mittleren Schwarzwald bis zum Kaiserstuhl, dem südlichen Breisgau und das Markgräflerland erstreckten.

In eine 6,30 Meter langen Rolle (rotulus), die stetig verlängert wurde, schrieben die Mönche des Klosters alle relevanten Notizen und Urkunden über die ältesten Rechte, Schenkungen und Erwerbungen des Klosters. Der von Jutta Krimm-Beumann vorgelegte Band enthält die erste wissenschaftliche Edition, die allein auf der Grundlage der Handschrift erstellt wurde. Monica Wejwar vom Kohlhammer Verlag bezeichnete das Buch als einen "wissenschaftlichen Krimi" und als "ein Sahnehäubchen" für den Verlag.

Arno Zahlauer lobte ausdrücklich "die wissenschaftliche Kärrnerarbeit", die die Autorin geleistet hat, die für eine Bibliothek unverzichtbar ist. Die musikalische Umrahmung gestaltete Bezirkskantor Johannes Goetz mit der Allemande aus der Französischen Suite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach und abschließend mit einem "Stück, das Besitzverhältnisse grundlegend infrage stellt", so Goetz augenzwinkernd: "Die Ballade vom angenehmen Leben" von Kurt Weill aus der Dreigroschenoper.

Info: Jutta Krimm-Beumann: Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald. (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe A: Quellen, 54 Band), Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2011 .







Autor: Hans Jürgen Kugler