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21. November 2008 18:23 Uhr

Eine Bewohnerin erzählt

St.Urban-Bewohnerin: "Das ist hier wie im Paradies"

Noch steht nicht fest, wie es mit der betreuten Seniorenwohnanlage St. Urban in Herdern weitergeht. Die mangelhafte Auslastung zwingt den Eigentümer, das Evangelische Stift, zum Handeln. Eine Bewohnerin über das Leben im Altenstift

  1. Will mit 86 nicht noch einmal umziehen müssen: Rose Bruns, eine von sechs verbliebenen Bewohnern des Altenstifts St. Urban Foto: Brigitte Sasse

Die sechs verbliebenen Bewohner – fünf Frauen und ein Mann – kritisieren den Schwebezustand zwischen Bleiben und Umziehen. "Das belastet uns", sagt Bewohnerin Rose Bruns und fragt: "Wie soll das hier nur weitergehen?"

Mehr als dreieinhalb Jahre lebt die 86-jährige Rose Bruns mittlerweile in der Seniorenwohnanlage St. Urban. Im Frühjahr 2005 hatte sie ihr Haushalt im norddeutschen Oldenburg, wo sie in einem Haus mit Garten wohnte, aufgelöst und war nach St. Urban gezogen, weil sie in der Nähe ihres Sohnes in Pfaffenweiler wohnen wollte und ihr die langen Bahnfahrten zu mühsam wurden. Für sie war klar, dass das ihr letzter Wohnungswechsel sein würde.

"Das ist hier wie im Paradies. Ich kann es mir nicht besser wünschen", schwärmt Rose Bruns. Die von vielen gescholtene Hanglage stört sie nicht. Bei Bedarf geht sie zu Fuß zum Einkaufen in den Herdermer Ortskern, sie nutzt rege das Internet – ein Leben ohne kann sie sich nicht mehr vorstellen – und liebt "Luft und Natur"; früher hat sie in Norddeutschland mit ihrem Mann einen großen Bauernhof bewirtschaftet.

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Die Gegend rund um St. Urban sei schön, der Ausblick wunderbar. Mit den verbliebenen Mitbewohnern, die derzeit noch das riesige ehemalige Klinikgebäude mit den 26 Seniorenwohnungen bewohnt, versteht sie sich blendend. "Ich bin ja schon so lange Witwe. Da hat man gerne eine familiäre Ansprache", sagt Rose Bruns: "Ich fühle mich behütet." Auch wenn es kein Idealzustand ist – dass nur so wenige Senioren in St. Urban leben, ist für sie kein Grund, ans Umziehen zu denken. "Auf die Menge kommt es nicht an. Als kleine Gemeinschaft halten wir zusammen."

"Wir werden uns bis zum Letzten wehren"

Über das Evangelische Stift ärgert sich Rose Bruns in diesen Tagen. Wie es mit St. Urban weitergeht, darüber würden die Bewohner seit Wochen im Unklaren gelassen. Die Bewohner wollen auf jeden Fall bleiben. "Ich kann nicht noch einmal einen neuen Sprung machen, ich werden im Januar 87 Jahre alt", sagt sie. Stellvertretend für alle Bewohner sagt Rose Bruns: " Ich bin im vierten Jahr hier, und dann wird einem zugemutet, noch einmal umzuziehen, das ist unglaublich." Und sie sagt: "Wir werden uns bis zum Letzten wehren", wenn es sein müsse, vor Gericht. Nicht zuletzt deshalb haben sich die Senioren Anwälte Klaus und Tilman Winkler genommen. Die Mutter von Klaus Winkler lebt selbst in einer der Wohnungen – und will ebenfalls dort bleiben: "Wer dort ist, der ist begeistert", sagt Winkler.

Derweil leugnet der Direktor des Evangelischen Stifts, Klaus Eschenburg, dass feststehe, dass die Bewohner ausziehen müssten. Rose Bruns erzählt, dass ihnen angeboten worden sei, in betreute Wohnungen an der Hermannstraße zu ziehen. Eine Bewohnerin habe das Angebot – Eschenburg spricht nicht von einem Angebot, sondern von einem "Hinweis" – angenommen. Für sie sei es aber schon deshalb nicht in Frage gekommen, weil die angebotene Wohnung im Jahr 7000 Euro teurer gewesen wäre.

Fest steht jedenfalls, dass im Moment auf St. Urban keine weiteren Wohnungen vermietet werden. Auch der Internetseite des Evangelischen Stifts fehlt seit einiger Zeit der Hinweis auf den Leerstand.

Autor: Frank Zimmermann