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19. Mai 2010 16:45 Uhr

Seniorenwohnanlage

St. Urban: Das Stift ist den Klotz am Bein los

Das Evangelische Stift hat nach zähen Verhandlungen seine hoch defizitäre Seniorenwohnanlage St. Urban in Herdern komplett verkauft. Der Zuschlag ging an zwei regionale Bauunternehmen – und die wollen noch mehr bebauen.

  1. Zwei weitere Häuser wollen die neuen Eigentümer ans einstige Klinikgebäude setzen. Foto: ingo schneider

Käufer des Kernstücks sind die Freiburger Treubau-AG und die Emmendinger Kirschner-Wohnbau, die dafür die Projektgesellschaft St. Urban II. gegründet haben. Mit dem Verkauf ist die Insolvenz des Stifts endgültig abgewendet. Die Investoren wollen auf dem Areal weitere Häuser und eine Tiefgarage errichten.

Der Verkauf hat das Evangelische Stift gerettet: "Bis zur Vertragsunterzeichnung Ende März gab es kaum eine Woche, in der wir nicht von der Insolvenz bedroht waren", räumte Vorstand Hartmut von Schöning nun ein. Das Stift betreibt in Freiburg und Gundelfingen sechs Alteneinrichtungen mit insgesamt 450 Bewohnerinnen und Bewohnern.

Defizit in Millionenhöhe

Um zu überleben, musste das Stift das ganze 45.000 Quadratmeter große Anwesen in bester Herdermer Lage verkaufen: Die noble Seniorenwohnanlage war kaum belegt und häufte ein Defizit in Millionenhöhe an. Nachdem im vergangenen Sommer ein Käufer für die ehemalige Rehaklinik und die angrenzende Villa St. Urban im letzten Moment abgesprungen war, hat das Evangelische Stift zuletzt mit drei Interessenten verhandelt.

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Zuvor schon war der westliche Teil des Anwesens, der ehemalige Wirtschaftsbereich, an die Treubau-AG beziehungsweise deren Projektgesellschaft St. Urban verkauft worden. Diese will dort sechs noble Mehrfamilienhäuser bauen. Klar war jedoch, dass auch der Rest des Areals mit dem ehemaligen Klinikgebäude und der stattlichen Villa – insgesamt 34.000 Quadratmeter – veräußert werden muss.

Weitere Bauten geplant

Der ist für Investoren nur interessant, wenn weitere Häuser gebaut werden können. Drei Gebäude erlaubt der eigens aufgestellte Bebauungsplan bereits auf einem Parkplatz an der Sebastian-Kneipp-Straße. Das genügt aber der Projektgesellschaft St. Urban II nicht. Sie will später zwei weitere Häuser entlang dem Jägerhäusleweg errichten. Dafür soll der Schwimmbadanbau der Ex-Klinik weichen. Als Ersatz für den Parkplatz an der Sebastian-Kneipp-Straße ist wohl auch eine Tiefgarage nötig.

Alles in allem sollen elf Punkthäuser mit Luxuswohnungen auf dem St.Urban-Gelände entstehen. Vor einer Realisierung des Konzepts bedarf es jedoch noch weiterer Gutachten, etwa zum Verkehr. Und der Gemeinderat muss einen neuen Bebauungsplan verabschieden.

Nutzung noch offen

Wie die neuen Eigentümer Klinik und Villa nutzen wollen, ist noch offen. Sie könnten zu Wohnungen umgebaut oder zu einem Ärztehaus ausgebaut werden, sagt Rolf Griesser, Prokurist von Kirschner-Wohnbau. Das Praxiszentrum im ersten und zweiten Untergeschoss soll erhalten bleiben. Allerdings müsse erst noch analysiert werden, ob das Konzept wirtschaftlich sinnvoll sei. "Das ist alles noch absolut offen. Wir prüfen alle Alternativen."

Stift-Vorstand Hartmut von Schöning ist froh, St. Urban endlich los zu sein. Die Existenz des Stifts und die Arbeitsplätze der 280 Mitarbeiter seien nun gesichert. Er hatte im August vergangenen Jahres, mitten in der Krise, den Posten übernommen. "Das war eine harte Zeit." Die Zahl der Interessenten von St. Urban habe in dem Moment zugenommen, als Ende September nach langen Verhandlungen die letzten vier Mieterinnen aus der Wohnanlage ausgezogen seien.

Auch Marcel Thimm, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse als Hauptgläubigerbank sprach angesichts der Unterzeichnung des Kaufvertrages von einem entscheidenden Durchbruch. "Das bringt eine deutliche Entschuldung des Stifts mit sich, auch wenn es noch nicht alle Hausaufgaben gemacht hat."

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Autor: Frank Zimmermann