Plädoyers

Staatsanwalt fordert Höchststrafe für Catalin C.

Lena Marie Jörger

Von Lena Marie Jörger

Fr, 15. Dezember 2017

Endingen

Der Prozess im Fall Carolin G. geht dem Ende entgegen. Am Donnerstagvormittag wurden am Freiburger Landgericht die Plädoyers gehalten. Während der Staatsanwalt und die beiden Nebenklagevertreter für den Angeklagten Catalin C. die Höchststrafe fordern, plädierte dessen Verteidiger auf Totschlag.

FREIBURG/ENDINGEN. Der Prozess im Fall Carolin G. geht dem Ende entgegen. Am Donnerstagvormittag wurden am Freiburger Landgericht die Plädoyers gehalten. Während der Staatsanwalt und die beiden Nebenklagevertreter für den Angeklagten Catalin C. die Höchststrafe fordern, plädierte dessen Verteidiger auf Totschlag.

Staatsanwaltschaft
Staatsanwalt Tomas Orschitt fordert die Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Er plädiert auf Mord. Catalin C. habe Carolin G. "zur Befriedigung des Sexualtriebs, heimtückisch und zumindest zur Ermöglichung einer Straftat" getötet, so Orschitt, der auch den Tatbestand der Vergewaltigung mit Todesfolge erfüllt sieht.

Er spricht auch über das Tötungsdelikt an Lucile K. 2014 in Kufstein. Laut Orschitt war C. damals "fest entschlossen, ein sexuell motiviertes Tötungsdelikt zu begehen". "Im Bewusstsein und mit dem Ziel, eine gleichgelagerte Tat wie 2014 zu begehen", habe sich C. am 6. November 2016 auf den Weg in den Endinger Wald gemacht, sagt Orschitt. Der Staatsanwalt schildert den Angriff auf die Endingerin. "Ziel war es, sexuelle Handlungen durchzuführen und das Leben der Carolin G. auszulöschen", sagt Orschitt. "Er wollte keine lebende Zeugin hinterlassen." Der Staatsanwalt fordert, die Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt anzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit sei, so Orschitt, groß, dass C. wieder solche Taten begehen könnte.

Nebenklage
Er empfinde größten Respekt dafür, wie die Angehörigen den Prozess mitverfolgten und durchstünden, sagt Peter Oberholzner, der die Eltern und den Bruder von Carolin G. vertritt. "Ich halte ihn für ein Monster", sagt er über den Angeklagten. Dass das Gericht die Sicherungsverwahrung nicht sofort, sondern nur unter Vorbehalt anordnen kann, hält er für falsch. Die Allgemeinheit, sagt er, müsse vor jemandem wie C. geschützt werden.

Claudio La Malfa, der den Ehemann von Carolin G. vertritt, spricht C. mehrmals direkt an. Zum Beispiel, als er ein Foto von Carolin G. zeigt. La Malfa macht auch deutlich, wie stark der Witwer unter dem Verlust leide. "Dieser Leidensweg wird nach der Urteilsverkündung nicht vorbei sein." Wie Oberholzner und Orschitt beantragt auch er eine Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Zudem fordert er, die Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt anzuordnen. C. habe die Tat nicht nur zur Befriedigung des Geschlechtstriebs begangen. "Meiner laienhaften Meinung nach ist dort vielleicht sogar eine Art Mordlust zu sehen", sagt der Nebenklagevertreter.

Verteidigung
Verteidiger Klaus Malek weist zu Beginn seines Plädoyers darauf hin, dass in einem Rechtsstaat jeder Angeklagte das Recht auf ein faires Verfahren hat. Auch bei der Bewertung der Beweismittel gelte der Grundsatz: "Im Zweifel für den Angeklagten." Malek stellt klar, dass C. nie gesagt habe, er habe im Affekt gehandelt, dass er nie über seine Familie gejammert oder versucht habe, durch seine Aussage zu seinem Alkoholkonsum seine Schuld zu mindern. Anders als seine Vorredner sieht Malek die genannten Mordmerkmale nicht als gegeben. Er plädiert daher auf Totschlag. Ein Strafmaß, sagt er, habe er nicht zu fordern. "Die Bestrafung ist Aufgabe des Gerichts."

Malek erklärt auch, dass C. nach einer Verurteilung wohl ein Verfahren im Fall Lucile K. in Innsbruck zu erwarten habe. Ein Auslieferungsantrag sei gestellt worden. Darüber entscheide das Oberlandesgericht Karlsruhe. Weitere Details sind noch offen.

Info: Der Prozess wird am Freitag, 22. Dezember, ab 11 Uhr fortgesetzt. Dann wird voraussichtlich das Urteil verkündet.