Rothaus-Arena

Stadiondebatte: Moderatorin bedauert Populismus bei Bürgerinitiativen

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mi, 22. Januar 2014 um 20:55 Uhr

Freiburg

Antje Grobe, Moderatorin der Diskussion zum SC-Stadion, hat das Auftreten der Bürgerinitiativen bei der Versammlung auf der Messe kritisiert. Viele hätten das Podium genutzt, um mit falschen Vorwürfen zu polarisieren – und die aufgeheizte Stimmung weiter anzufachen.

Der Ball liegt wieder beim Gemeinderat. Ende Februar muss das Stadtparlament entscheiden, ob der Standort Wolfswinkel tiefergehend untersucht wird. OB Dieter Salomon geht davon aus, dass die Mehrheit steht – trotz der weiter massiven Kritik der Bürgerinitiativen an einem möglichen SC-Stadion am Flugplatz.

Lob für Nabu, Segelflieger und IG Nord

Diskussionen gibt es um die Bürgerbeteiligung. Antje Grobe, die Moderatorin des Dialogverfahrens und auch der Bürgerinfo am Dienstagabend, kritisierte das Auftreten der Bürgerinitiativen in der fünfstündigen Versammlung. Die BI-Vertreter hätten sich nicht an Absprachen gehalten. "Wir haben im Dialogforum sechs Monate lang sehr differenziert, fachlich auf hohem Niveau und mit wachsender gegenseitiger Wertschätzung diskutiert. Hiervon war in der Veranstaltung kaum mehr etwas zu spüren", so Grobe. Viele BI-Vertreter hätten das Podium genutzt, um zu polarisieren und die ohnehin aufgeheizte Stimmung weiter anzufachen. "Dass es auch anders geht, zeigten die Beiträge der Segelflieger, des Nabu und der IG Nord: sehr kritisch, fachlich korrekt, ohne Populismus", so Grobe.

Sie sieht das in den Sitzungen der Dialoggruppe aufgebaute Vertrauen erschüttert. Vielfach seien in der Rothaus-Arena falsche Vorwürfe oder bereits entkräftete Argumente vorgetragen worden: wie etwa, dass es Maulkörbe für Gutachter gebe oder dass ein Stadion die Organtransporte gefährde. "Ich würde mir sehr wünschen, dass die BI zu einem konstruktiven Verhalten zurückfindet, sollte das Dialogverfahren weitergeführt werden", so Grobe, die seit 17 Jahren im In- und Ausland Beteiligungsverfahren begleitet.

Interaktive Grafik: Der Wolfswinkel als möglicher Stadionstandort
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Eine Fortsetzung strebt jedoch OB Salomon an. "Ich glaube, dass dieser Weg richtig ist. Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht jedes Argument drei Mal geprüft." Der OB hatte – mit Blick auf die erste Bürgerinfo zum Stadion im vergangenen Juni – mit noch mehr Ärger und mehr Emotionen gerechnet: "Für Freiburger Verhältnisse war es ja fast eine Harmonieveranstaltung."

Zum Dialogprozess, im Vorfeld als Farce gescholten, gab es unterschiedliche Meinungen. Dirk Niethammer, der Vorsitzende des Nabu, hält den Wolfswinkel fürs Stadion wegen artenschutzrechtlicher Probleme für ungeeignet, lobte aber die Bürgerbeteiligung, die das Recht der Mitsprache einräume. Ähnlich äußerte sich Christian Schulz von der Interessengemeinschaft der IG Nord. Schulz präsentierte Vorschläge zu einer anderen Verkehrsführung, wollte sich aber noch nicht festlegen, ob er für oder gegen das Stadion ist. Dafür müsse er erst die weiteren Untersuchungen abwarten, so Schulz, der für diese Haltung prompt aus dem Publikum angegangen wurde.

Raue: "Absprachen wurden eher diktiert als verhandelt

Die Kritik der Moderatorin an den Bürgerinitiativen weist Kristian Raue von der BI Pro Wolfswinkel zurück. Er verweist als Beispiel auf die Diskussion zur Klimauntersuchung: "Der Gutachter der Stadt durfte zehn Minuten reden, Herr Jendritzky als Experte der BI nur 120 Sekunden." Tatsächlich hatte Jendritzky dann aber mehr als sieben Minuten Zeit. Raue kritisiert auch, dass die Powerpoint-Präsentationen der BI für die Bürgerversammlung schon am vergangenen Donnerstag im Rathaus vorliegen mussten. Die Absprachen für den Abend seien "eher diktiert als ausgehandelt worden". Gleichwohl plädiert aber auch Raue dafür, dass der Dialogprozess fortgesetzt wird.

Gemeldet hat sich am Mittwoch, dem Tag danach, auch der Bürgerverein Brühl-Beurbarung. Vorsitzender Wolfgang Keffer bedauerte, dass dem Verein in der Rothaus-Arena kein Rederecht eingeräumt wurde. Keffer lehnt das Stadion im Wolfswinkel ebenfalls ab. Er dankt aber der Stadt ausdrücklich für "den ausführlichen Dialogprozess".

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