Verwarnungen

Stadt Freiburg will Skaten auf Platz der Alten Synagoge einschränken

Sina Schuler

Von Sina Schuler

Mi, 06. Dezember 2017 um 20:39 Uhr

Freiburg

Skaten auf dem Platz der Alten Synagoge ist nicht verboten. Allerdings spricht das Rathaus Verwarnungen bei Schäden oder Lärm aus. Der Freiburger Skateboard-Verein weist die Vorwürfe zurück. Wie soll der Platz genutzt werden dürfen?

Die Freiburger Stadtverwaltung will das Skateboarden auf dem Platz der Alten Synagoge einschränken. Ein generelles Verbot soll es zwar nicht geben. Wer aber zu laut unterwegs ist oder Holzbänke, Steininseln oder gar den Gedenkbrunnen beschädigt, wird vom kommunalen Vollzugsdienst (VD) verwarnt. Zudem droht ein Bußgeld von bis zu 100 Euro. Der Freiburger Skateboard-Verein weist die Vorwürfe zurück.

Seit Oktober neun Verwarnungen ausgesprochen

Neun Verwarnungen hat der VD, der seit Oktober im Einsatz ist, bisher ausgesprochen. Sie richteten sich laut Rathaussprecherin Edith Lamersdorf an Skater, die die Holzbänke oder die Steininseln für ihre Tricks nutzten. Auch den gemeinderätlichen Hauptausschuss hat das Thema schon beschäftigt. Grünen-Stadtrat Gerhard Frey sagte, es sei doch gewünscht, dass der Platz rege genutzt werde, "warum nicht auch von Skatern?" Laut Finanzbürgermeister Otto Neideck hätten Skater nicht nur die Holzpodeste, sondern auch Kanten der Bordsteine und des Gedenkbrunnens "geschrottet". Ursache ist das Grinden, also das Gleiten an einer Kante.

Tatsächlich ziehen sich zahlreiche dunkle Streifen über die steinernen Kanten. Zudem sind Lamersdorf zufolge dort bereits Passanten gefährdet worden, wenn ein Sprung mal nicht klappte.

Skater: Boards hinterlassen lediglich Farbrückstände

Dem widerspricht Merlin Brauns, der Vorsitzende des im September gegründeten Vereins Skateboarding Freiburg. Ein Holzbrett könne doch keine Steinkante beschädigen. Die Boards hinterließen lediglich Farbrückstände und Abriebspuren – "ganz normale Nutzungserscheinungen". Für die Jugendkultur könne man das in Kauf nehmen, meint Brauns. Zudem sei in der Szene klar kommuniziert, dass man auf den Holzpodesten nicht skaten darf. "Und der Brunnen ist sowieso tabu." Die meisten, wenn nicht sogar alle, hielten sich dran.

"Der Brunnen ist sowieso tabu." Merlin Brauns
Für problematisch hält die Stadtverwaltung nicht nur die Beschädigungen, sondern auch die Lärmbelästigung. Sprünge und Tricks seien mit erheblichem Krach verbunden, "was Erholungssuchende stören kann", so Lamersdorf. Die Rathaussprecherin berichtet von mehreren Beschwerden über das ständige Klacken. Skater Brauns bezeichnet das Geräusch als "Rauschen". Er könne sich nicht vorstellen, dass das jemanden störe. "Bei uns hat sich noch keiner beklagt", so Brauns, die Menschen reagierten eher begeistert.
Hat man beim neuen Freiburger Platz auf den falschen Belag gesetzt? "Die Platten haben keine versiegelten Oberflächen, deswegen kann der Dreck eindringen", sagt der ASF-Chef. Sogar Reifenspuren der Kehrmaschinen bleiben zurück. Mehr dazu hier (BZ Plus)

Der Skateboard-Verein hat sich nun an die Stadtverwaltung und die Gemeinderatsfraktionen gewandt, um einen Kompromiss zu finden. Der Vorsitzende schlägt vor, eine Bordsteinkante zum Grinden freizugeben und es auf den übrigen zu verbieten. "Der Platz der Alten Synagoge ist ein Kulturgut für alle." Auch Skater würden zur Lebendigkeit auf der großen Freifläche beitragen.

Es handle sich nicht um ein generelles Verbot, betont Lamersdorf. Auch habe die Stadt kein Interesse daran, Bußgelder zu verhängen. "Wir versuchen es vorerst mit Reden." Wie überall gelte auf dem Platz das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, die auch BMX-Fahrer, Straßenmusiker oder Kinder mit Bobbycars betreffe. Für den Platz gebe es keine "Verbotsliste", allerdings ein Nutzungskonzept. Das soll nun überarbeitet werden.

Die Uni sieht Skater bisher nicht als Problem

Gespräche mit der Universität als Anlieger haben schon stattgefunden. Nächsten Dienstag steht das Thema auf der Tagesordnung der wöchentlichen Bürgermeisterrunde. Ob die Skater dabei eine Rolle spielen, ließ Lamersdorf offen. Die Uni jedenfalls sieht lärmende Skater laut Sprecher Rudolf-Werner Dreier bisher nicht als Problem.

Der Skateboardverein hat nach eigenen Angaben nun dazu aufgerufen, den Platz vorerst zu meiden und mögliche Gespräche mit der Stadt abzuwarten. Die prüft laut Lamersdorf, wie sie mit den Schäden umgeht.

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