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13. August 2010

Freiburg

Stadtführer-Streit: Die Affäre „Roter Schirm“

Neues vom Stadtführer-Streit: FWTM reitet Attacke gegen Erkennungszeichen, Stadt rudert zurück.

  1. Jetzt wieder im Einsatz, nicht nur an Regentagen: Der rote Schirm von „Freiburg erleben“. Foto: Kunz

  2. Gut beschirmt: Freiburg-Touristen bei einer Führung auf dem Rathausplatz. Foto:  Ingo Schneider

Voilà, hier ist das nächste Freiburger Verbot mit kurzer Lebensdauer: Dieses Mal traf es einen roten Schirm mit Logo. Den benutzen die Stadtführerinnen von "Freiburg erleben" für ihre offenen Stadtführungen als Erkennungszeichen auf dem Rathausplatz. Doch die FWTM sah darin eine unerlaubte Werbung und forderte das Amt für öffentliche Ordnung (AfÖ) auf, ein Verbot zu erlassen. Der rote Schirm kassierte prompt eine rote Karte für den Rathausplatz via sechsseitiger amtlicher Verfügung. Die wurde jedoch inzwischen korrigiert.

Die Affäre "Roter Schirm" ist der vorläufige Höhepunkt im schon lange andauernden Streit um die Stadtführungen. Mitten in der touristischen Hochsaison geht es wieder einmal heckenhoch her.

Was ist passiert? "Freiburg erleben" ist eines von 22 Unternehmen, die in Freiburg Stadtführungen anbieten – auch offene. Das bedeutet: Jeder Interessent kann dazu kommen und den Preis von 7 Euro pro Nase entrichten. Als Erkennungszeichen für die Teilnehmer nutzten die Tourguides einen roten Schirm mit der Aufschrift "Stadtführung – Tickets hier". Ab und an kam auch ein Fahrrad mit Aufschrift oder ein Koffer zum Einsatz. Aber letztlich geht es um den Schirm.

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Schon im Juli 2007 befasste sich das Ordnungsamt mit der Materie – schon damals "auf Anregung" der Freiburg Wirtschaft Tourismus und Messe (FWTM), wie das Amt selbst damals kundtat. Die FWTM blitzte ab: Ein tragbarer Schirm verstoße nicht gegen die Vorgaben, anders wäre es, wenn ein Sonnenschirm samt Tisch aufgebaut würde.

Der Schirm durfte also bleiben.Doch in diesem Sommer gibt es wieder Stress. Caterina Mesina von "Freiburg erleben" berichtet, wie ihre Guides von Mitarbeitern der Tourist-Info im Rathaus oder von Günter Ebi selbst, dem Geschäftsführer von "Freiburg Kultour", aus der Deckung heraus fotografiert wurden. "Freiburg Kultour" ist seit 15 Jahren der offizielle Partner der FWTM bei Stadtführungen und der Platzhirsch bei den Touristenrundgängen. Mitte Juli bekam "Freiburg erleben" eine E-Mail von Thomas Stoffel, Leiter der FWTM-Wirtschaftsförderung. Er fordert die Tourismusfirma auf, den Verkauf von Stadtführungen auf dem Rathausplatz zu unterlassen. Das Amt für öffentliche Ordnung bekomme Nachricht von dem Schriftwechsel, fügte er noch hinzu. Und: Drei Beweisfilme ließen sich von einem öffentlichen Server herunterladen.

Wenige Tage später kam prompt die Verfügung des AfÖ gegen den roten Schirm, gegen Fahrrad und Koffer, weil es sich um unerlaubte Werbe- und Verkaufsaktionen handle. Ein Ordnungsgeld bei Zuwiderhandlung wurde angedroht.

"Das ist ein Witz", sagte da schon Heiko Melcher, der Anwalt von "Freiburg erleben". Er spricht von "klarer Wettbewerbsbenachteiligung" seiner Mandanten. Und er staunt auch darüber, dass die FWTM Verbote für den Rathausplatz erlassen und städtischen Ämtern Anweisungen erteilen kann.

Bei der FWTM wiederum verweist man darauf, dass man auf Beschwerde von "Freiburg Kultour" und Günter Ebi tätig geworden sei, welche die FWTM an den bestehenden Vertrag und die garantiert bevorzugte Behandlung erinnert habe – der Vertragsinhalt ist der Öffentlichkeit unbekannt. Man habe vor Ordnungsamts-Verfügung das Gespräch mit "Freiburg erleben" gesucht, sagt Franziska Pankow, bei der FWTM Referentin der Geschäftsführung. Das persönliche Gespräch sei abgelehnt worden."Weil wir im Urlaub waren", erklärt Caterina Mesina. Sie wirft der FWTM vor, die alternativen Stadtführer zu benachteiligen. Die städtische Tochter mache sich zum Anwalt der privaten Agentur "Freiburg Kultour". Und den Touristen bliebe die Vielfalt des Angebotes verborgen.

Günter Ebi von "Freiburg Kultour" ärgern diese Vorwürfe. Er wiederum wirft "Freiburg erleben" unlautere Methoden und Böswilligkeit vor. So lege die Firma ihre Führungen auf dem Rathausplatz zeitlich unmittelbar vor die von "Freiburg Kultour". Es seien auch schon Touristen abgefangen worden. "Ich habe nichts gegen Wettbewerb", sagt Ebi, der 1997 die Stadtführungen samt Personal von der FWTM übernommen hatte, welche die defizitäre Abteilung loswerden wollte. "Es gibt ein Miteinander, es sind nur zwei Leute, mit denen es nicht klappt", sagt Ebi.

In der Sache gibt es Bewegung: Nach einem Gespräch mit Caterina Mesina hat das Amt für öffentliche Ordnung den Rathausplatz-Bann für "Freiburg erleben" diese Woche wieder aufgehoben. Der rote Schirm mit dem Aufdruck "Stadtführungen" war gestern wieder im Einsatz, nur der Zusatz "Tickets hier" wurde gestrichen. Die Tickets dürfen aber verkauft werden. Die Unzufriedenheit bleibt dennoch – auf allen Seiten. Im kommenden Jahr wird der Partnerschafts-Vertrag neu ausgeschrieben. Schon jetzt hat die FWTM den Auftrag vom Oberbürgermeister bekommen, den Stadtführerstreit zu befrieden. Franziska Pankow: "Wir wollen einen Waffenstillstand erreichen."

Autor: Joachim Röderer