Stadtwerke weiter auf Wachstumskurs

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Fr, 10. August 2018

Bad Säckingen

Der neue Geschäftsführer Martin Ritter sieht die Stadtwerke Bad Säckingen als Dienstleister, hilft beim Breitbandausbau und denkt über die Stadtgrenzen hinaus.

BAD SÄCKINGEN. Wachstum, Breitbandausbau und Beratung: Diese Schwerpunkte will Martin Ritter als neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Säckingen setzen. Die Gesellschafter Bürgermeister Alexander Guhl und Energiedienst-Vorstand Martin Steiger stellten Ritter am Donnerstag vor. Der Geschäftsführer nutzte die Möglichkeit, um die Zukunft der Stadtwerke zu skizzieren. Zusammen mit Bürgermeister Guhl verkündete er auch eine positive Nachricht für den Breitbandausbau in Harpolingen. Noch in diesem Jahr soll das schnelle Internet kommen.

Der Breitbandausbau

Was die Stadtwerke mit dem Breitbandausbau zu tun haben? "Wir sehen ihn als selbstverständlichen Teil der Daseinsversorgung", sagt Martin Ritter. Und meint damit konkret: Immer, wenn die Stadtwerke einen Graben buddeln, um Wasserrohre oder Gasleitungen zu verlegen oder zu erneuern, werden Leerrohre mit verlegt, durch die später Glasfaserkabel gezogen werden können. Für die Anbieter des schnelles Internets ist das praktisch, müssen sie so nicht noch einmal den Boden aufreißen. In Harpolingen beginnen die Stadtwerke Ende August mit den Bauarbeiten an den Wasserleitungen. Genau dann könnten auch die Glasfaserkabel verlegt werden.

"Wir sitzen mit den Anbietern an einem Tisch und es gibt auch schon konkrete Angebote", sagt Bürgermeister Alexander Guhl, der die Stadt als Mehrheitsgesellschafter an den Stadtwerken vertritt. Nun müsse abgesprochen werden, wer was bezahlt. Guhl gibt sich optimistisch und möchte auf Schnelligkeit setzen: "Ich denke, dass noch in diesem Jahr die Leitungen liegen werden." Und noch eine gute Nachricht hat der Bürgermeister. Der Gemeinderat hat 100 000 Euro für den Ausbau eingeplant. "Doch die werden wir nicht brauchen", sagt Guhl.

Die Wachstumsstrategie

Dass die Stadtwerke auf Wachstumskurs sind, ist nicht neu. Erst im Mai gab der Bad Säckinger Gemeinderat grünes Licht für eine Beteiligung an den Stadtwerken in Schopfheim. Und Martin Ritter möchte weiter expandieren. "Wir wollen als Netzbetreiber über die Stadtgrenzen hinaus aktiv werden", sagt Ritter. Zusammen mit Energiedienst haben sich die Stadtwerke als Partner für Netzgesellschaften in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen beworben. Entstehen soll eine gemeinsame Gesellschaft, in der auch die jeweilige Stadt vertreten ist, um das Gas- und Stromnetz zu betreiben. Die Konzessionen können im Jahr 2019 neu vergeben werden. "Der Entscheid für die Bietergesellschaft dürfte bald fallen", sagt Energiedienst-Chef Martin Steiger. Auch in der Wärmeversorgung mit Blockheizkraftwerken sieht Ritter Wachstumspotenzial.

Schwerpunkt Beratung

Ritter möchte die Stadtwerke in Zukunft breit aufstellen. Die Wünsche und Anforderungen der Kunden sollen dabei an erster Stelle stehen. Er sieht die Stadtwerke als Dienstleister, weniger als bloßer Strom- oder Wasseranbieter. Das technische Know-how soll genutzt werden, um Lösungen für Gesetzesanforderungen zu bieten. Ein Beispiel: die Energieeinsparverordnung. Wer neu baut, soll den Energiebedarf seines Hauses möglichst niedrig halten. "Dabei beraten wir unsere Kunden", sagt Ritter. Er sieht das Unternehmen als unabhängig. Doch gleichzeitig verkaufen die Stadtwerke den Strom, der durch ihre Beratung eingespart werden soll. Ein Widerspruch? Nicht für Ritter: "Uns geht es nicht um die paar Euros, die wir zusätzlich verdienen, wenn ein Haus schlecht isoliert ist. Wir wollen unsere Kunden langfristig binden." Das funktioniere durch eine qualifizierte Beratung. Ritter macht auf einen weiteren Vorteil der Stadtwerke aufmerksam. "Wir sind hier vor Ort und kommen, wenn es ein Problem gibt." Eine Dienstleistung liegt Ritter am Herzen. Die Stadtwerke bieten private Ladestationen für Elektroautos an. "Da könnte die Resonanz noch größer sein."

Der neue Geschäftsführer

Martin Ritter arbeitet seit zweieinhalb Jahren als technischer Leiter bei den Stadtwerken Bad Säckingen. Der 43-Jährige wurde in Berlin geboren und wuchs in Villingen-Schwenningen auf. Er hat eine Lehre und die Meisterprüfung im Bereich Sanitär und Technik gemacht. Dann absolvierte er ein Studium im Bereich Maschinenbau und Versorgungstechnik. Während seiner Zeit bei Badenova, wo er in der strategischen Planung arbeitete, studierte er nebenberuflich Betriebswirtschaftslehre. Steiger und Guhl sind sich einig, dass der richtige Mann an der Spitze der Stadtwerke steht. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit", sagt Steiger.