Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. Februar 2011
Standing Ovations für die Murger Narrenrevue
Bunter Abend gestaltet sich als wahrhaft himmlisches Vergnügen / Weshalb sich nach Dekan, Mimi, Hannes und Warmin nun auch der Papst angesagt hat.
-
Famos: Zwergentanz der Rheinsberg-Hexen Foto: Hildegard Siebold
-
Spitzzüngig: Die Klosterbrüder Hannes (Johannes Dietrich, links) und Warmin (Armin Eschbach, Zweiter von links) führten durch das Programm. Foto: Hildegard Siebold
-
Vom Himmel gesandt: Dekan und Narrengötti Peter Berg (links). Akrobatisch-choreographische Meisterleistung: das Wasserballett der Schleuserbande Foto: Hildegard Siebold
-
Aldi Schälle: Joachim „Jogi“ Hilpert Foto: Hildegard Siebold
MURG. "Bad Säckingen und Laufenburg sind Murg gegenüber klar im Vorteil: Sie haben beide einen super netten Nachbarn." Gemessen am Bunten Abend der Narrenzunft barg diese Erkenntnis der "Christa vum Adler" weit mehr als nur ein Körnchen Wahrheit, denn die Akteure liefen am Samstag wieder zu glänzender Höchstform auf. Fünf Stunden schillernde Nonstop-Unterhaltung ließen in der Murgtalhalle kein bisschen Langeweile aufkommen.
Klar, dass es da auch benachbarte Akteure auf die Murger Bühne zieht. Bis Mitternacht musste die gut gelaunte Narrenschar ausharren, bevor sich das wohl bestgehütete närrische Geheimnis der vergangenen Wochen lüftete: Wen bringt der Dekan und Murger Narrengötti Peter Berg wohl für sein Debüt in der Murger Bütt aus Bad Säckingen mit? Insider hatten’s schon erahnt: Erzengel Michael, prägnanter Engel "Mimi" (Brogli) genannt, agierte zusammen mit dem Geistlichen in feinster Narrenmanier. Wussten sie doch, dass im Murger Rathaus jeden Morgen gebetet wird: "Lieber Gott, lass mich nicht zuständig sein." Steilvorlagen für närrischen Hintersinn lieferte auch Adrian (Schmidle): "Er führt die Horde an, hat gar ein Schwimmbad erfunden." Der Bürgermeister schiele schon in Richtung Trompeterstadt: "Komm doch nach Säckingen, Adrian, und tu Murg und Hänner als Vororte mitbringen."Werbung
Überhaupt, so Berg, sei Murg ein ganz besonderes Reservat. Werde doch eigens eine Autobahn gebaut, um den Ort weitläufig zu umfahren: "Für so ein Wildgehege tut man nichts ersparen." Ein Zaun drum rum, ein Schild "Füttern verboten" – fertig ist das Gebiet der Exoten. Sprach’s und entschwebte mit Engel Mimi wieder zurück gen Himmel.
Die giftigsten Pfeilspitzen schossen eindeutig die Klosterbrüder "Hannes" und "Warmin" ab. Mit äußerst spitzer Zunge führten Zeremonienmeister (Jo)Hannes Dietrich und Zunftpräsident (W)Armin Eschbach durchs Programm. Das war Hörgenuss, der sich gewaschen hat. Die Starrolle des Abends gebührte dabei, wenn auch unfreiwillig, Hauptamtsleiter Werner Vökt. Am Generalvikar "Seine Inkompetenz" kam kein Narr vorbei – und schon gar nicht das brillante Mönchsduo. Da musste selbst seine erlauchte Exzellenz "Adi zu Großmurgon" fast in die zweite Reihe treten, hätte er nicht die Filialklöster in den Ortsteilen geschlossen.
Sodom und Gomorra: Der Generalaufstand der Oberinnen Becker, Wilms und Eckert bot auch für Dr. Klugscheißer Wolfgang Fürst gerne aufgegriffenes Narrenfutter. "Murg muss einsparen: Bruche mer it, welle mir it – weg damit!", verkündete der Mann vom Call-Center den aktuellen Murger Leitsatz. Die Mütter der Ortschaften sahen das gar nicht gern; wurde ihnen doch weggenommen der Gelbe-Sack-Verteiler in ihrem Weiler. Und wehe dem, der einen Unfall hat. Der hat im "Murgloch" ohne Rettungsfunk die A…karte gezogen: "Dafür kannst du im funkmastfreien Hänner sicher sein, unverstrahlt ziehst du in den Himmel ein."
So richtig Fahrt nahm der närrische Nonsens mit Narrenvater Joachim "Jogi" Hilpert und Ehrenpräsident Hans-Jürgen Dietrich auf. Hautnah an der Gürtellinie (Ojehojehojeh) schrammte Jogi ein ums andere Mal vorbei in seiner Paraderolle als "aldi Schälle". Für Zwerchfellattacken sorgte einmal mehr "Hasta la Vista"-Häns als "Christa vum Adler": Warum der Papst Gemeinderatssitzungen in Murg besuchen wolle? "Er will dort sein, wo das Elend am größten ist."
Wahrlich bunt schillernde Akzente setzten die Tanzgruppen und verwöhnten die zahlreich gekommene Narrenschar mit echten Hinguckern. Effektvolle Glanzlichter setzte die Trommler-Show der Tambouren der Fasnachtszunft Ryburg/Schweiz ebenso wie der Tanz der Görwihler Gardedamen. Kräftige Farbtupfer und kräftigen Sound gab die Gugge-Brass-Band zum Besten. Für spannende Kontraste sorgten der Zwergentanz der neu gegründeten Rheinsberg-Hexen, die HipHop-Einlage der Mädchentanzgruppe des Jugendcafés und der Showauftritt der Helgeringer Maidli, gefolgt von Frodo und Albert (Jürgen Volle und Karl-Heinz Peter), den Fährigeistern auf Bärenjagd und dem grazilen Ballett des hochwohlgeborenen Elferrats, das schon traditionell das "Finale furioso" des Bunten Abends einläutete.
Der stehende Applaus eines begeisterten Publikums gebührte heuer allerdings dem Wasserballett der Schleuserbande. Weniger der an den Tag gelegten Grazie wohlgemerkt als vielmehr dem choreographischen Einfallsreichtum der Truppe. Ihre Akrobatiknummer war einfach unbeschreiblich, schlichtweg sensationell.
Die Akteure
Tambouren der FZ Ryburg/Schweiz
Gardedamen Hotzenneunerrat Görwihl
Gugge-Brass-Band Murg
Dr. Klugscheißer: Dr. Wolfgang Fürst
Zwergentanz: Rheinsberg-Hexen
Aldi Schälle: Joachim Hilpert
HipHop-Dance: Mädchen Jugendcafé
Show- & Effekttanz: Helgeringer Maidli
Frodo: Karl-Heinz Peter/Jürgen Volle
Bärenjagd: Fährigeister
Wasserballett: Die Schleuserbande
Christa vum Adler: Hans-Jürgen Dietrich
Mitternachtsengel: Narrengötti und
Dekan Peter Berg, Michael "Mimi" Brogli
Ballett: Elferrat der Narrenzunft Murg Begleitung: Feuerwehrmusik Murg
Moderation: Zunftpräsident Armin
Eschbach, Zeremonienmeister Johannes Dietrich; Assistenz: Dagmar Beese
Autor: old
Autor: Hildegard Siebold


