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26. Juli 2012

Starke Referees mit Bumerang-Effekt

Rund 2500 Spiele geleitet – Handball-Schiedsrichter können nicht über Langeweile klagen.

  1. Neu an der Pfeife – die angehenden Schiedsrichter/-innen. Foto: Privat

HANDBALL. Über mangelnde Arbeit brauchten sich die Referees des Handballbezirks Freiburg-Oberrhein in der vergangenen Saison nicht zu beschweren. Rund 2500 Spiele besetzten die dafür zuständigen Ralf Blum und Christian Kunath mit Referees. Ein Problem: Der südbadische Handballverband gibt wegen Schiedsrichtermangel immer mehr Spiele auf Verbandsebene an den Bezirk ab. Ein zweites: Der Mangel an Nachwuchs. Das Positive: 20 Neuanwärter haben die Lehrgänge bestanden und verstärken jetzt das Team.

Mit 35 Gespannen und 35 Solisten war die Gilde in die Runde gestartet. Sechs Referees meldeten sich noch in der Runde ab. Einen mussten die Verantwortlichen ausschließen, weil er bei mindestens drei Spielen unentschuldigt gefehlt hatte. Zudem gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Während die Vereine aus dem – einstigen – Bezirk Freiburg mehr als ausreichend Pfeifenmänner und -frauen abstellen, sieht es im ehemaligen Bezirk Oberrhein mau aus. Von nur 16 Süd-Referees gaben vier die Pfeife im Laufe oder am Ende der Runde zurück. "Wir haben schon im März auf Einladung des Bezirksvorsitzenden mit den Süd-Vereinen gesprochen und ihnen den Ernst der Lage klargemacht", sagt Roland Brodbeck, der schon seit 13 Jahren Schiedsrichterwart ist: "Im Klartext: Wenn ihr nicht mehr Schiedsrichter stellt, müssen wir bald eure aktiven Mannschaften vom Spielbetrieb ausschließen." Noch kam es nicht dazu. Von den 20 Anwärtern (darunter fünf Frauen), die den Test bestanden haben, kommen immerhin sieben aus dem Süden.

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Stolze 373 von 1040 Spielen auf Verbandsebene wurden in die vier Bezirke abgegeben, weil auch auf Ebene des Verbandes Schiedsrichter fehlen. Vielleicht nicht numerisch, aber auf dem Platz. "Das Problem ist, dass viele gute Schiedsrichter selbst höherklassig spielen und dann zu den Prime-Time-Zeiten nicht zur Verfügung stehen", erzählt Brodbeck. Und so kommt es auch dazu, dass Freiburger Gespanne Landesligapartien mit Freiburger Beteiligung leiten müssen. "Das ist immer suboptimal", weiß Brodbeck. Aber die Vereine würden eben auch die Einteiler wegen der enormen Fahrtkosten bedrängen, die dann anfallen, wenn viele Spiele von auswärtigen Gespannen geleitet werden.

Der Schiedsrichtermangel wird kurioserweise dadurch noch verschärft, dass viele Gespanne aus dem Bezirk sehr gut sind und höherklassig pfeifen: Claudia Burger und Stephanie Ganter leiten mittlerweile Partien der Frauen-Bundesliga, Thorsten Meike und Stefan Plinz pfeifen in der dritten Liga, Dirk Baustert und Sebastian Häußer sowie Roland Brodbeck und Achim Dumkow in der Baden-Württemberg-Liga. Dorthin ist jetzt auch das Gespann Christian Gebele und Rudi Pfannenstiel aufgestiegen.

Die Gespanne Burger/ Leser, Buschmann/Ganter, Klumpp/Silber und Frei/Kramer sind im SHV-A-Kader, Gerspach/Wachter, Cocan/Labusga, Geiser/Labusga und Faller/Zuleta im B-Kader. Zudem sind zwei Gespanne (Friedhoff/Heß und Meyndt/Strübin) im SHV- Aufstiegsförderkader. "Wir haben sehr starke Gespanne", sagt Brodbeck, "aber das ist eben auch ein Bumerang, weil die dann auf der Bezirksebene fehlen." Absteiger? Fehlanzeige. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

Ehrungen: Die Bezirksehrennadel für zehn aktive Jahre bekamen Claudia Burger (SG Waldkirch-Denzlingen), Ralf Blum (Zähringen) und Steffen Wolf (HSG Freiburg). Die Bezirksehrennadel in Silber für 17 Jahre erhielt Edgar Blank (Alemannia Zähringen), die Bezirksehrennadel in Gold für 22 Jahre bekam Roland Brodbeck (TV Bötzingen), für 25 Jahre wurde Arno Bauer (ESV Freiburg) geehrt und für 27 Jahre Klaus Ehret (SG Köndringen-Teningen). Ehret nahm die Nadel in Empfang und tauschte sie mit seiner Pfeife – er geht in den Ruhestand.

Autor: Lars Bargmann