Initiative

"Statt Tunnel": Was fordern die Gegner des Freiburger Stadttunnels?

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mo, 23. Mai 2016 um 11:04 Uhr

Freiburg

Es gibt in Menschen in Freiburg, die die vielfache Begeisterung für die Idee eines Stadttunnels nicht teilen: Sie fordern eine radikale Verkehrswende – und haben die Initiative "Statt Tunnel" gegründet.

Der Stadttunnel ist im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans in die höchste Priorität eingestuft worden und hat damit gute Chancen, realisiert zu werden. Diese Nachricht hat in Freiburg vor einigen Wochen für viel Freude gesorgt. Es gibt jedoch auch Gegner des Projekts. Sie haben sich jetzt zur Initiative "Statt Tunnel" zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist aber nicht die Konfrontation mit den Stadttunnelbefürwortern. Vielmehr wollen sie diese davon überzeugen, dass der Tunnel die Verkehrsprobleme in Freiburg auch nicht lösen wird.

Zusammenschluss von sechs Vereinen und Gruppierungen

Hinter "Statt Tunnel" verbergen sich sechs alternative Vereine und Gruppierungen: Greenpeace, BUND, Ecotrinova, Klimabündnis Freiburg, Verkehrsclub Deutschland (VCD), der "Arbeitskreis (AK) Wasser" im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz und der Förderverein Energie- und Solaragentur Regio Freiburg (Fesa).

Sie alle sind der Meinung, dass Freiburg keinen Stadttunnel braucht – sondern eine radikale Verkehrswende mit deutlich weniger motorisiertem Verkehr. "Doch darüber wird kaum geredet, weder in der Stadt noch auf Bundesebene", bemängelt Jörg Lange vom AK Wasser, der einer der Hauptinitiatoren von "Statt Tunnel" ist. Statt ernsthaft nach Alternativen zu suchen, würde die Infrastruktur für Autos und Lastwagen immer weiter ausgebaut. Das jedoch werde nur dazu führen, dass immer mehr Verkehr entstehen werde. Ein Irrsinn sei das in Zeiten des Klimaschutzabkommens von Paris, sagt Andreas Hege von Greenpeace Freiburg: Die dort vereinbarten Ziele seien so nicht zu erreichen.

Ein Drittel des Verkehrs bleibt oberirdisch

Die 325 Millionen Euro, die der Stadttunnel kosten soll, wären anders besser angelegt, meint "Statt Tunnel". Die Initiative will den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, genauso wie das Rad- und Fußwegenetz. Es soll mehr Car-Sharing geben und ein Verbot von Autostellplätzen im öffentlichen Straßenraum. Die Fahrzeuge sollen stattdessen in Quartiersgaragen, die von den Fahrzeugbesitzern bezahlt werden müssen. Beim Güterverkehr ist eine Vision der Initiative autonom fahrenden Güterwaggons auf der Höllentalbahn. All dies und noch viele weitere Ideen sollen zu weniger Verkehr auf der B31 führen – und den Stadttunnel dadurch überflüssig machen.

"Ich war früher auch ganz begeistert von der Idee Stadttunnel." Nik Geiler
Viele Stadttunnelbefürworter erhoffen sich durch das Projekt aber nicht nur eine Lösung des Verkehrsproblems, sondern auch eine städtebauliche Aufwertung. "Ein Dreisamboulevard – ich war früher auch ganz begeistert von der Idee Stadttunnel", sagt Nik Geiler vom AK Wasser. Inzwischen habe er eine ganz andere Meinung. Denn auch mit dem Stadttunnel werde immer noch viel Verkehr oberirdisch verbleiben. Hochrechnungen für das Jahr 2025 gehen davon aus, dass von den 65.800 Fahrzeugen, die auf der B31 täglich in beide Richtungen unterwegs sind, rund ein Drittel nicht unter der Erde verschwindet, von den 6 500 Lastwagen wären es 20 Prozent.

Die Hoffnung, oberirdisch nur noch mit einer Fahrspur in jede Richtung auszukommen, halten auch Verkehrsplaner inzwischen für unrealistisch. "Die trennende Wirkung der B31 wird trotz Stadttunnels bestehen bleiben", sagt Jörg Lange. Ein Argument, mit dem "Statt Tunnel" hofft, auch die Stadttunnelbefürworter auf ihre Seite zu ziehen. Denn der Initiative gehe es nicht um Konfrontation, betont Lange: "Wir streben einen Schulterschluss an."

Ihre Positionen hat "Statt Tunnel" auch an das Bundesverkehrsministerium nach Berlin geschickt. Außerdem haben die Stadttunnelgegner eine Online-Petition gestartet. Bislang hält sich das Interesse jedoch in Grenzen: Die Petition haben erst gut 100 Menschen unterzeichnet, auch zu einer ersten Infoveranstaltung der Initiative kamen lediglich rund 30 Interessierte.

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