Staub und Benzin liegen in der Luft

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mo, 13. August 2018

Bad Bellingen

47. Grasbahnrennen des MSC Rebland in Hertingen / Lokalmatador Loris Dickau gewinnt die Enduroklasse.

BAD BELLINGEN. Knisternde Spannung, bestes Wetter und Benzingeruch in der Luft – das 47. Grasbahnrennen des MSC Rebland in Hertingen im Rahmen der Speed Nights lockte am Wochenende ein großes Publikum an. In der Enduroklasse kam der Lokalmatador, Loris Dickau aus Hertingen, zum Zug, der die Punktewertung für sich entschied und den Zimmermann-Cup gewann. Auch der bestehende Geschwindigkeitsrekord geriet in Gefahr. Und auch im Rahmenprogramm war einiges geboten.

Den 22 Endurofahrern am Start galt an beiden Renntagen die volle Aufmerksamkeit des Publikums, denn 20 von ihnen kamen aus der Regio. Drei der Fahrer aus der Gegend landeten auf den ersten drei Plätzen. Loris Dickau fuhr dabei reichlich Start-Ziel Siege ein, konnte 36 Punkte für sich verbuchen und deklassierte dabei gelegentlich die Konkurrenz und triumphierte schließlich. Trotzdem hatte er hartnäckige Mitbewerber – Moritz Fehrenbacher aus Kandern kam mit 28 Punkten auf Platz 2, der Neuling Alex Tröndlin, der wie Dickau für den MSC Rebland, startete, schaffte es auf Anhieb mit 27 Punkten zu "Bronze". "Der Loris fährt wie ein Schwein, der will hier endlich mal ganz nach vorne", so lauteten die anerkennenden Kommentare im Publikum. Damit war keinesfalls das Fahrverhalten gemeint – alle Rennen, auch die der jungen ehrgeizigen Endurofahrer waren sehr fair – sondern die Tatsache, dass der Hertinger es fast jedesmal schaffte, in Führung zu gehen und dann den Vorteil hatte, den wenigsten Staub zu schlucken. Stichwort Staub: Obwohl die Strecke vor allem in der kritischen Zielkurve regelmäßig in den Pausen mit Wasser "abgelöscht" wurde, gab es hier doch einige Stürze vor allem bei den Endurofahrern, die aber nur leichtere Blessuren und den Einsatz der DRK-Helfer vor Ort zur Folge hatten.

Kritik an der Preisgestaltung erreichte den Veranstalter

Bis zur letzten Minute wurde am Samstag im Fahrerlager getüftelt und geschraubt, denn nach dem Training war für die Profis aus der Internationalen Soloklasse und der Internationalen Seitenwagenklasse klar, dass ein langsameres Tempo auf dem Ring nicht gefragt war. Raphael San Millan stellte im Vorfeld trocken fest: "Top Bahn heute hier – aber es staubt halt mordsmäßig". Trotzdem: Mit angezogener Bremse fuhr keiner der Profis: Martin Smolinski aus Olching, Andrew Appleton (GB) und Mathieu Tréssarieu (F) und die anderen Fahrer der internationalen Solo-Klasse, lieferten den Zuschauern ein echtes Spektakel genau wie die Gespannfahrer – hier setzte sich der sechsfache Europameister William Matthijssen mit Partnerin Sandra Mollema durch. Martin Smolinski, Mathieu Tréssarieu, Max Dilger aus Lahr und Andrew Appleton kämpften in der Internationalen Soloklasse um den höchsten Platz auf dem Treppchen – Smolinski lag am Schluss vorne, vor Tréssarieu, Dilger und Appleton. Den Bahnrekord von mehr als 100 Stundenkilometern, den Martin Smolinski seit 2016 hält, brach er zwar diesmal nicht, war aber mit 98,60 km/h dicht dran.

Die Zuschauer hatten es sich auf der Tribüne oberhalb der zweiten Geraden oder auf der Wiese gegenüber der Rennstrecke gemütlich gemacht. Auch hier gab es viel Lob für die Rennen – aber Kritik an den Eintrittspreisen, die gerade "für die jungen Leute, die in Ausbildung oder noch in der Schule sind, mit acht und zehn Euro zu hoch sind, die wollen ja auch noch was essen", ärgerte sich eine Mutter. Bei Gerd Henn vom MSC war die Kritik an der Preisgestaltung bereits angekommen. "Das werden wir besprechen und die Preise künftig staffeln, wenn Leute erst spät am Abend vor Ort sein können", meinte Henn auf Nachfrage.

Viel Spaß hatten die Mofafahrer aus Hertingen und den umliegenden Dörfern, die mit ihren Oldies – vorwiegend Puchs in allen Farben aus den siebziger und achtziger Jahren und auch selbst gebauten Vehikeln auf den Ring durften und dort mehrere Runden mit "Spitzengeschwindigkeiten" von bis zu 40 Stundenkilometern auf gerader Strecke drehten. Viel Beifall gab es auch für den Stuntfahrer Kevin Funk, der mit seiner Maschine auf die Show-Bühne sprang, dort über Treppenstufen hüpfte, einrädrig im Publikum unterwegs war und abends auch noch mit Anlauf auf einen Pickup "flog".