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08. Dezember 2010

Abenteuerliche Reise für HAG-Leiter zur Preisverleihung in Seoul

Winfried Sturm nimmt für Tüftlerschmiede des Faust-Gymnasiums in Südkorea Auszeichnungen entgegen / Politische Situation überschattet die Erfinderausstellung.

  1. HAG-Leiter Winfried Sturm freut sich über die Auszeichnungen in Südkorea. Doch die politische Situation überschattet den Aufenthalt. Foto: privat

STAUFEN/SEOUL (BZ). Winfried Sturm, Initiator der Hardware-AG (HAG) am Staufener Faust-Gymnasium und MINT-Bildungsbotschafter ist trotz der kritischen politischen Situation erneut als Repräsentant für die Tüftlernation Deutschland zur asiatischen Welt-Erfinderausstellung in Südkorea aufgebrochen. Die HAG kann Medaillen-Erfolge verzeichnen, jedoch sind laut Sturm die gedrückte Stimmung und Ängste der Bevölkerung angesichts des Konfliktes mit Nordkorea allseits präsent.

Seit mehreren Jahren ist HAG-Leiter Sturm in Südkorea ein gern gesehener Kooperationspartner. Als MINT-Botschafter engagiert er sich nicht nur für die Stärkung naturwissenschaftlicher Fächer, sondern auch international im Bereich zukunftsorientierter Bildung. Hier liegt sein besonderer Fokus auf einer mehr Praxis orientierte schulische Ausbildung, die in asiatischen Ländern großen Stellenwert besitzt.

2006 präsentierte das HAG-Team auf der Erfinderausstellung in Korea Hightech-Entwicklungen, die mit Gold-, Silber- und Bronze-Awards ausgezeichnet wurden. Seit diesem Erfolg wird HAG-Leiter Sturm von der südkoreanischen Technologie- und Erfinder-Institution KIPA als Repräsentant für Deutschland zur weltgrößten asiatischen Erfinderausstellung SIIF in Seoul eingeladen. Auch dieses Jahr wurden die innovativen Entwicklungen der Hightech-Schüler-Tüftlerschmiede am Faust-Gymnasium von der internationalen Jury mit Gold- und Silber-Medaillen, dem "Korea-International-Trade-Award" und der "Hungarian-Inventors-Genius-Medaille" ausgezeichnet.

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Platine am Flughafen als möglicher Zündmechanismus bewertet

Trotz dieser Erfolge stand diese Reise unter einem ungünstigen Stern. Schon beim Hinflug, so berichtet Winfried Sturm, führten die durch Terror-Warnungen erhöhten Sicherheitsbestimmungen zu erheblichen Beeinträchtigungen. Intensive Kontrollen musste das Gepäck mit den hoch sensiblen Wettbewerbsexponaten über sich ergehen lassen, die wegen komplexer Komponenten genau unter die Lupe genommen wurden.

Die Ungeduld der wartenden Fluggäste war bereits sehr strapaziert, als eine elektronische Platine als möglicher Zündmechanismus angesehen wurde. Folge davon war, dass Teile des Gepäcks ausgesondert und in einem speziellen Raum auf Spuren von Sprengstoff untersucht wurden. Nach dieser zeitaufwendigen Prozedur verzögerte das Schneechaos am Frankfurter Flughafen auch noch den Start um fast 6 Stunden. Viel Geduld war dabei im bereits eingecheckten Flugzeug angesagt, wobei immerhin – ansonsten wohl ungewöhnlich – das Bordmenü bereits vor Abflug noch am Boden serviert wurde.

Auch in der sonst sehr lebendigen südkoreanischen Hauptstadt, berichtet Sturm, ist eine bedrückte Stimmung zu spüren. Die aktuellen Provokationen seitens des Diktators Kim Jong-il scheint die ansonsten eher gelassenen Südkoreaner tief getroffen zu haben. Im grenznahen Seoul findet man die Menschen nicht wie sonst gesprächig und geschäftstüchtig, sondern eher mit reservierter und nachdenklicher Haltung. Heftige Demonstrationen vor dem Verteidigungsministerium, unterstützt von aufgebrachten Kriegsveteranen, die unter lautem Skandieren Flaggen Nordkoreas verbrennen. Selbst der nordkoreanische Atombomben-Test im vergangenen Jahr, so der HAG-Initiator, hatte die Gemüter nicht so berührt wie die aktuellen kriegerischen Provokationen aus Pjöngjang.

Seit dem schon immer unsicheren Waffenstillstandsabkommen vor 57 Jahren wird dies erstmals als äußerst bedrohliche Eskalation der bisher zahlreichen Zwischenfällen an der bestgesicherten Grenze am 38. Breitengrad empfunden. Besonders bedrückend ist für Sturm die wachgerüttelte Erinnerung an seine in der Kindheit erlebte DDR-Flucht 1958 und den Mauerbau drei Jahre später. Denn mitten in Seoul steht ein Rest der Berliner Mauer als Symbol der unmenschlichen Trennung eines Landes, wie einst in Deutschland und – heute aktueller denn je – in Korea.

Autor: bz