Alles hängt an der Umfahrung

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 28. September 2013

Staufen

Staufener AK Verkehr rät von Änderungen vorerst ab.

STAUFEN. In Sachen Verkehrslenkung wird es in der Stadt vorläufig kaum Änderungen geben. Auf der vorletzten öffentlichen Sitzung des Arbeitskreises "Gesamtverkehrskonzept" (AK Verkehr) stellte der Gutachter Frank Gericke seine Überlegungen zur Lenkung des motorisierten Verkehrs vor. Sein Fazit: Bis die Umfahrung gebaut ist, sollte nichts verändert werden.

Es war die siebte Sitzung des Gremiums - und zugleich die, die am meisten Publikumsinteresse fand. Die Stühle im Erhart-Kästner-Saal reichten kaum aus, um allen Zuhörern Platz zu bieten. Die meisten von ihnen kamen aus den Wohngebieten Falkenstein und Wolfacker – denn die Information, dass im AK Verkehr über eine Öffnung der bisher gesperrten Durchfahrt durch das Quartier nachgedacht wurde, beunruhigte viele Anwohner.

Diese beiden Brennpunkte – und zusätzlich die Belchenstraße sowie das neue Baugebiet Rundacker II – standen im Mittelpunkt der Erläuterungen von Frank Gericke. Sein Büro koordiniert die Beratungen, fasst die Vorschläge des Gremiums zusammen und präsentiert sie den Mitgliedern des AK und der Öffentlichkeit. Das Resümee: Die Belchenstraße sollte in beiden Richtungen für alle Autofahrer offen bleiben; die beiden Durchfahrtsperren im Quartier Falkenstein/Wolfacker sollten nicht aufgehoben werden, und es sollte keine Straßenverbindung vom Rundacker II ins Gewerbegebiet Gaisgraben geschaffen werden. Wenn die Umfahrung Staufen irgendwann fertig sei, müsse man allerdings neu nachdenken – denn der Bau dieser Straße werde in Staufen den Verkehrsfluss nachhaltig verändern.

Am Beispiel der Belchenstraße führte der Gutachter aus, warum die Umfahrung eine so zentrale Rolle spielt: Eine Sperrung an der Wettelbrunner Straße würde den Verkehr durch das Wohngebiet zwar drastisch reduzieren – dafür würden noch mehr Fahrzeuge die Kreuzung mit der Neumagenstraße anfahren und dort für noch größere Probleme sorgen. Die Öffnung der blockierten Durchfahrt an der Kita im Wolfacker würde eine Zunahme um 1700 Fahrzeuge pro Tage bedeuten – das sei nicht erwünscht, ebenso wenig wie Schleichverkehr durch die Eckart-Ulmann-Straße. Und schließlich, so der Gutachter, würde eine Durchfahrtsmöglichkeit durchs Wohngebiet Rundacker Richtung Gaisgraben 3200 Fahrzeuge mehr pro Tag bedeuten, davon solle man auf jeden Fall die Finger lassen.

Das Reizwort "Umfahrung" sorgte prompt für Wortwechsel zwischen Befürwortern und Gegnern der sogenannten Großen Umgehung für Staufen. Bürgermeister Michael Benitz schloss sich den Argumenten des Gutachters an: Man dürfe jetzt keine Maßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel Straßenöffnungen, die möglicherweise zu Entlastungen auf den Hauptstraße führten – damit nehme man sich selbst die Argumente für eine Große Umfahrung. Stadtrat Ulrich Wüst sagte, es würden nur Hoffnungen geweckt, dass mit der Großen Umfahrung alles besser wird; die Umfahrung sei seit 40 Jahren im Gespräch.

Ja, aber mit dem Ende dieses Jahres werde zum ersten Mal seit 40 Jahren eine Planfeststellung für die Große Umfahrung vorliegen, erwiderte der Bürgermeister, und die Ergebnisse des Gutachtens untermauerten die Notwendigkeit für die neue Straße. Viele innerörtliche Verkehrsprobleme entschärften sich oder lösten sich mit ihr ganz auf – und das könnten zusätzliche Argumente für die Umfahrung sein, damit sie auch schnell gebaut werde. Man solle doch, so Benitz, nicht von Seiten der Stadt dem Land Argumente dafür liefern, die die Wünsche einer Mehrheit in Staufen unterliefen.

Eine Große Umfahrung soll etwa 13 700 Fahrzeuge aufnehmen würde, die jetzt noch durch Staufen fahren. Auf der Neumagenstraße wären dann nur noch rund 4000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs, auf der Wettelbrunner Straße sogar nur noch 1000. Deshalb gibt es im Gutachten von Frank Gericke auch schon Überlegungen für den Rückbau dieser beiden Straßen: Tempo 30, viele Parkplätze, Querungshilfen für Fußgänger ohne neue Ampeln. Das ist bislang noch Zukunftsmusik in Staufen – bis das Geld aus Stuttgart fließt und die Bagger anrollen.