Auch künftig ein Ort für gute Werke

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 05. Oktober 2013

Staufen

Das alte Staufener Spital soll für die Sozialstation Südlicher Breisgau als Tagesbegegnungszentrum für Senioren hergerichtet werden.

STAUFEN. Andere haben Krankenhäuser – Staufen hat ein Spital. Das geschichtsträchtige Gebäude in der gleichnamigen Straße hat im Lauf der Jahrhunderte sehr viele Bestimmungen gehabt. Sein Zustand ist in dieser Zeit nicht besser geworden. Doch nun ist Rettung in Sicht: Die Stadt Staufen will das verfallene Gebäude herrichten lassen und als "Tagesbegegnungszentrum" an die Sozialstation Südlicher Breisgau verpachten. Eine Rückkehr zu den Anfängen des Hauses im 16. Jahrhundert.

Das Datum ist erhalten, sogar der Wochentag ist bekannt: Am Freitag, den 30. Oktober 1534 wurde mit Unterschrift und Siegel vom Freiherrn Hans Ludwig von Staufen der Spitalfond ins Leben gerufen – so etwas Ähnliches wie eine Bürgerstiftung. Der größte Beitrag zur Gründung des Spitals kam damals aus den Nachlässen zweier Staufener Bürger, Martin Schwab und Pantlin Kaltenbach; die Bruderschaft der Bäcker, Müller und Schuhmacher gab ein Darlehn von 100 Gulden, damit ihre alten "Knechte" ein Wohnrecht bekamen. Ins Spital sollten "Männer und Frauen, Knechte und Mägde aufgenommen werden, die wegen Krankheiten nicht betteln können und von ehrbarer Herkunft sind", heißt es in der Stiftungsurkunde.

Bedingung für die Aufnahme war, dass man alles Hab und Gut dem Spital überließ und in einer Beichte genau aufführte, was man hatte: "Wer nicht beichten möchte, soll man selbst dann nicht annehmen, wenn er hilflos am Weg liegt." Wanderer, Bettler und Pilger bekamen im Spital zu essen und ein Bett für die Nacht. Ehepaare ohne Kinder konnten sich als "Pfründner" in das Spital einkaufen, um im Alter versorgt zu sein – für sie gab es sogar Extra-Räume im Haus.

Bereits 1546 waren das Spital und seine guten Werke in der weiteren Umgebung bekannt. Die Dörfer Ballrechten, Wettelbrunn und Grunern kauften sich mit 50 Gulden das Einweisungsrecht für Kranke aus ihren Gemeinden. Aber kaum 50 Jahre alt, war das Gebäude 1587 schon marode und wurde durch einen Neubau ersetzt.

Gut ein Jahrhundert erfüllte es dann seinen Zweck, bis die Franzosen kamen und am 24. Oktober 1690 das Haus niederbrannten. Vermutlich erst 1713 wurde es neu aufgebaut, es fehlte schon damals am Geld. Eine Wendung zum Besseren für Alte, Behinderte und Waisen kam erst 1861 – damals übernahmen die Barmherzigen Schwestern vom Orden des Heiligen Vinzenz von Paul das Regiment und leisteten genau 100 Jahre lang gute Dienste.

1967 kauft die Stadt das Spital

Anfang der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts aber genügte das Spital nicht mehr den Anforderungen an die moderne Pflege. Das Haus selbst war zu alt geworden, es schloss am 15. August 1960 wegen baulicher Altersgebrechen. Im November 1967 wurde es an die Stadt verkauft, die seither Eigentümerin ist. Der Spitalfond aber bestand unabhängig davon weiter, und er gab einen Großteil seines Vermögens als Grundstock für das Altenpflegeheim St. Margareten, das 1968 eröffnet und in den 90er-Jahren erweitert wurde. Das Spital aber verfiel – es wurden Wohnungen eingerichtet, von denen heute die meisten leer stehen.

Das Geld reicht nicht – das hat man in vergangenen Jahrhunderten immer wieder von den Ratsherren der Stadt gehört. Aber Staufen hat es derzeit wegen der Risse-Krise natürlich besonders hart am Geldsäckel getroffen, und so wäre eine Renovierung des Spitals mit Kosten von über zwei Millionen Euro für die Stadt eigentlich nicht zu stemmen – gäbe es da nicht ein paar findige Köpfe, die sich in Sachen Zuschüsse und Förderprogramme besonders gut auskennen. So wurde in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium und dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft in Stuttgart ein Sonderweg zur Finanzierung des Umbaus gefunden.

Staufen war Anfang 2002, noch weit vor der Risse-Krise, in das Stadterneuerungsprogramm (SEP) aufgenommen worden, das vom Bund und den Ländern gemeinsam finanziert wurde. Weil die Mittel inzwischen nahezu restlos verbraucht waren, wollte man seitens der Stadt für das Spital einen sogenannten Aufstockungsantrag stellen. Doch Pech für Staufen: Das Programm endet bald, und Verlängerung ist ausgeschlossen. Hier nun kommt der Sonderweg ins Spiel. Die Stadt wurde in das Landessanierungsprogramm aufgenommen und wird von Zuschüssen aus diesem Topf profitieren – rund eine Million Euro stehen in Aussicht. Ergänzend hat man eine zweite Geldquelle aufgetan: das Investitionsprogramm Pflege. Alles in allem erhofft man sich 1,8 Millionen Euro, und damit wäre der Umbau fast bezahlt, denn der Architekt war von Gesamtkosten von rund 2,1 Millionen Euro ausgegangen. Der Spitalfond, der nach einem halben Jahrtausend immer noch besteht und derzeit von der Kämmerei der Stadt Staufen verwaltet wird, kann wenig beitragen: Er wies 2012 einen Jahresüberschuss von 750 Euro aus.

Wann die Sanierung in Angriff genommen wird und wann der erste Gast ins Haus aufgenommen wird, darüber kann noch viel Zeit vergehen. Aber das Haus hat Jahrhunderte kommen und gehen sehen – auf ein paar Jährchen kommt es da jetzt auch nicht mehr an.