Begnadete Künstler, grandiose Köche

Hans Christof Wagner

Von Hans Christof Wagner

Mi, 07. Oktober 2009

Staufen

200 Besucher der Benefiz-Gala erlebten im Spiegelzelt ein vierstündiges Programm vom Feinsten / Staufen hält zusammen

STAUFEN. Staufen hält zusammen. Bei der Benefiz-Gala für die Opfer der Staufener Risse im Spiegelzelt auf dem Schladerer-Platz wurde einmal mehr deutlich: In der Fauststadt ist Solidarität erste Bürgerpflicht. Wenn Pflichten nur immer so angenehm wären, wie an diesem Abend. Die 200 Besucher wurden kulinarisch und künstlerisch aufs Beste versorgt – vier Stunden Programm vom Feinsten.

Lokale Kunst und Kulinarik im Gesamtpaket und in einem zauberhaften Ambiente – so bekommt man ein volles Haus. Die Idee zu dieser Benefiz-Gala war spontan entstanden. Weil das Spiegelzelt schon für die Kulturwoche bereitstand, reifte der Gedanke, darin die Veranstaltung steigen zu lassen.

Binnen kürzester Zeit gelang es, namhafte Staufener Künstler und Gastronomen zum Mitmachen zu bewegen. Hinter dem Event stand die Initiative "Wir halten Staufen zusammen", gegründet vom früheren Feuerwehrkommandanten Wolfgang Schuhmann. Die Show war binnen Tagen ausverkauft. Die Künstler traten ohne Gage auf, die Gastronomen stifteten ihre Arbeitskraft. Und auch wenn es sonst heißt: Viele Köche verderben den Brei – in diesem Falle stimmte das Sprichwort nicht.

Im Spiegelzelt zogen alle Köche an einem Strang und legten eine logistische Meisterleitung hin – auf ungewohntem Terrain und engem Raum. Durch den Abend führte Uwe Baumann. Und es war Mephistos (Rainer Mannich) Part höchstpersönlich, die Gäste teuflisch gut auf den jeweils nächsten Gang eines 5-Gänge-Menüs einzustimmen. Für 48 Euro, da war man sich an den Tischen einig, wurde einiges an Leckerbissen aufgetischt: von englischer Barockmusik über verblüffende Zauberkunst bis hin zu waghalsiger Akrobatik. Auerbachs Kellertheater ließ die Fäden spielen: Faust auf Alemannisch und Sächsisch mit Marionetten. Und am Ende entpuppte sich die schöne Helena von Troja als des Teufels Großmutter. Thommie Bayer erzählte von der Begegnung von Henne und Ei im Kurpark von Badenweiler und erntete Gelächter und Zwischenapplaus beim Verlesen seines "Briefes an die Frauen". Nur seine Mimik und sein sprachliches Talent brauchte Wolfgang Schäfer, der Bach in den Hotzenwald verlegte und ihn dort "punktierte Viertele" trinken ließ.

"Das kleine Zeltwunder" war das Motto der Show. Tempestini, der kleine Sturm oder das Stürmchen, ist der Künstlername von Winfried Sturm, der die kleine Zeltbühne mit seiner magischen Einlage ziemlich durcheinanderwirbelte. Es gelang ihm sogar, Geld zu drucken – eine im Moment sehr gefragte Tätigkeit. Braucht die Stadt doch jetzt jeden Cent.

Herumzuwirbeln ist auch das Markenzeichen von Alex & Joschi: Akrobatik, Pantomime und Ironie – die beiden jungen Clowns haben alles im Repertoire. Noch mehr stockte dem Publikum der Atem bei den Darbietungen der Cheerleader-Mädchen des TV Staufen. Atossa Faghir Afghani gelang es, im Spiegelzelt tänzerisch eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu bauen.

Beim kleinen Zeltwunder ging es nicht um die Millionen, die Staufen zur Reparatur der Häuser braucht. Aber auch die vierstellige Summe, die zusammenkam, kann helfen. Es ging um die Risse, aber das Thema spielte am Abend keine Hauptrolle. Vielmehr gingen die Besucher mit dem Eindruck nach Hause: Staufen hält zusammen und ist ein Städtchen, wo talentierte Künstler und grandiose Köche zu Hause sind.