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23. Juni 2009 15:04 Uhr

Theater am Faust-Gymnasium Staufen

"Clowns & Helden": Ein Zirkus geht pleite

Zirkusluft ganz eigener Beschaffenheit durften die Zuschauer in der Aula des Faust-Gymnasiums schnuppern, als dort die Theater AG der Unter- und Mittelstufe ein durchweg liebenswertes Spektakel mit dem Titel " Clowns & Helden – Auf der Suche nach Sinn" aufführte.

  1. Dr. Sinn und seine undisziplinierten Clowns Foto: Dorothee Möller-Barbian

STAUFEN. Ein buntes Kaleidoskop aus Sinn, Unsinn und Hintersinn. Die Regisseure Björn Gerdau und Tobias Thatenhorst hatten mit 17 Schülerinnen und Schülern ein Stück (frei nach K.F. Waechter) erarbeitet, das einen präzisen Ablauf erforderte. Bei all dem Durcheinander, Über- und Untereinander und übergangslosem Wechsel der Szenen durfte niemand aus der Reihe tanzen, sollte das Ganze nicht im Chaos enden. Jeder Einzelne hatte die Mitspieler stets im Auge zu behalten, um das eigene Spiel mit dem der anderen koordinieren zu können. Und es klappte großartig. Alles war so gründlich einstudiert worden, dass sich die Akteure schließlich ganz mit ihrer Rolle identifizierten und mit sichtlichem Spaß an den Clownerien, der Kunst der Verwandlung und den Wortverdrehungen dem Publikum ein Zirkusunternehmen präsentierten, in dem alles aus den Fugen geraten war.

Dieser Zirkus steht vor dem Bankrott und muss jetzt ohne seine Stars vor unwissenden Leuten im Markgräflerland spielen, wo man doch früher in allen Hauptstädten der Welt aufgetreten war. Die übrig gebliebenen Artisten tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Drei Erzählerinnen führen durch die Geschichte, wobei Gegenwart und Vergangenheit ineinander fließen. Was waren das noch für Zeiten, als der Messerwerfer ins Schwarze getroffen hatte, das schwärzer nicht hätte sein können und der Raubtierdompteur sein Leben riskierte. Aber auch Zeiten, in denen die Zuschauer Augustine, das seltsame Wesen, das nur mit sich selbst beschäftigt war, zu mögen begonnen hatten. Zu spät, denn jetzt verliebt sie sich und verlässt den Zirkus, ehe sich ihr Talent entfaltet hat. Wenn sie mit ihrem Angebeteten mittels eines roten Bandes kommuniziert, ist das einer jener poetischen Szenen, die in K.F. Waechters Texten des öfteren anklingen.

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"Ich gehöre zu denen, die sich einbilden, dichter an der eigenen Kindheit dran zu sein, als die meisten anderen Menschen", hat der Zeichner und Autor von vielen Kinderbüchern (darunter der "Anti-Struwwelpeter") und Theaterstücken einmal gesagt und mit seinen Werken eine Welt voller Poesie, Witz und absurder Situationen geschaffen. Sicher hätte er seine Freude gehabt an den Experimenten, zu denen seine Texte die Theater AG am "Faust" inspiriert haben.

Das auf der Bühne aufgebaute Gerüst bietet viele Möglichkeiten zu artistischen Aktionen. Dort klettert auch Sumsulu, der Zirkuszauberu herum, um seine vor allem komischen aber wenig überzeugenden Zaubereien vorzuführen. Auf der Fläche vor der Bühne wird in unmittelbarer Nähe zum Publikum auf den verschiedensten Instrumenten musiziert, mit Koffern und Stühlen getanzt und von dem auf Stelzen einher schreitenden Dr. Sinn, dem so sehr an einer harmonischen Atmosphäre gelegen ist, Unterricht erteilt. Seine Schüler, ein wild gewordener, halbstarker Haufen von Clowns, machen ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie wollen sich partout nicht disziplinieren lassen, nicht einmal dann, als eine Prüfung ansteht. In ihren bunten Kostümen tun die Akteure so gelangweilt und lümmeln und turnen auf ihren Stühlen herum, als täten sie auch im Schulalltag nichts anderes. Der Lacherfolg und am Ende großer Beifall ist der Theater AG sicher, auch wenn der Zirkus immer noch pleite ist.





Autor: Dorothee Möller-Barbian