Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
13. März 2010
"Das Land muss uns endlich helfen"
Die Risse sind nur eines der vielen Themen bei der Bürgerversammlung in Staufen / Gewerbesteuereinnahmen haben sich halbiert.
STAUFEN. Viele Zahlen und die Botschaft: Trotz sich verschlechternder Finanzlage – es geht was in Staufen: neue Baugebiete, kommunale Investitionen, Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr. Aber auch die Risse spielten eine große Rolle bei der Bürgerversammlung am Donnerstag im Martinsheim.
Nicht zuletzt wegen der Risse ist die Stadt mit zwei Millionen Euro in die Miesen gerutscht. "So darf das nicht weiter gehen", sagte Bürgermeister Michael Benitz vor rund 300 Zuhörern. "Das Land muss uns jetzt endlich helfen".Clemens Ruch und Robert Breders Part war es, den aktuellen Stand in Sachen Hebungsrisse zu referieren. Ruch beschrieb, was aktuell dagegen getan wird. Der Geologe aus dem Regierungspräsidium Freiburg verteidigte den dazu eingeschlagenen Weg. Die vorherige Erkundung des Untergrunds sei richtig gewesen. Hätte man Forderungen nach einer sofortigen Überbohrung der sieben Erdwärmelöcher entsprochen, wäre das Problem nur verschlimmert worden, vor allem der großen vertikalen Abweichungen der Löcher in der Tiefe wegen. "Die von uns eingeleiteten Gegenmaßnahmen greifen", sagte Ruch und verwies darauf, dass die Zone, in der die Hebungen einen Zentimeter pro Monat betragen, kleiner geworden sei.
Werbung
Geotechniker Breder veranschaulichte die gewaltigen Kräfte im Untergrund von Staufen. Auf einen Quadratmeter Boden wirke ein Druck von 400 Tonnen, sagte er. Bei der Vorbereitung von Gegenmaßnahmen seien Vorschläge aus aller Welt eingegangen. Viele davon hätten verworfen werden müssen. Aber auch bei der nachträglichen Abdichtung der sieben Löcher sei Neuland betreten worden. Niemand habe wissen können, ob das eigens für Staufen entwickelte Verfahren Erfolg zeige.
Jetzt kommt es Breder zufolge vor allem darauf an, dass kein Wasser in eine zweite Schicht aus Gipskeuper eindringt, die neben dem aktiven Hebungskörper liegt und bislang noch trocken ist. Andernfalls könnten die Hebungen in einen Größenbereich von bis zu 60 Zentimetern gehen. Die Stadtwerke Müllheim-Staufen haben inzwischen 3000 Kunden gewonnen und beliefern sie mit ihren Produkten Alemannenstrom und Alemannengas. Das berichteten Geschäftsführer Torsten Schwarz und Vertriebsleiter Klaus Nerz. Beide hoben auf die kommunale Verankerung des Unternehmens ab und sagten, dass mit den Stadtwerken die Wertschöpfung vor Ort bleibe. "Wir machen Ihnen den Wechsel zu uns ganz einfach", sagte Nerz. Die Stadtwerke könnten mit attraktiven und wettbewerbsfähigen Produkten aufwarten. Schwarz und Nerz kündigten an, dass sich Bürger in Form von Genossenschaften an Projekten zur regenerativen Erzeugung von Strom beteiligen könnten. Sie sagten auch, dass bald ein neuer Erdgastarif angeboten werde – mit zehn Prozent Anteil an Biogas.
Die Kosten für die Sanierung der Grund- und Hauptschule mit 2,5 Millionen Euro bekommt die Stadt angesichts der klammen Finanzlage wohl nicht ohne Kredite gestemmt. Benitz sagte, mit dem Bau der Kinderkrippe im Wolfacker beginne in Staufen eine "neue Ära der Kinderbetreuung". Im Herbst 2010 soll sie bereits eröffnen. Um einen Teil der Baukosten zu refinanzieren, verkauft die Stadt am Hermann-Burstert-Weg Grundstücke, wo jetzt noch die Kinderkrippe in Containern untergebracht ist. 420 000 Euro will sie darüber erlösen.
So ähnlich wie der Hebungsbuckel in der Innenstadt sieht auch die Verlaufskurve bei den kommunalen Gewerbesteuereinnahmen Staufens aus, wobei hier die Hebungen schon jetzt abgeklungen sind. Halbiert haben sich die Einnahmen von 2008 bis heute. Kaum etwas bezahlen muss die Stadt an der Modernisierung der Münstertalbahn, die Mittel kommen zu 80 Prozent vom Bund.
In der Diskussion mit den Bürgern ging es auch um die Frage, ob die Haltestelle Etzenbach bleibt oder zugunsten einer neuen Haltestelle beim Campingplatz aufgegeben wird. Etzenbacher Bürger sprachen sich für den Erhalt aus. Gleichzeitig liegt dem Rathaus eine Liste mit 426 Unterschriften für eine neue Haltestelle vor. Benitz sagte, dass die SWEG keine zusätzlichen Haltepunkte zulasse. Sollte die Bahngesellschaft dabei bleiben, müsse man sich für eine Variante entscheiden.
Ein Besucher der Bürgerversammlung forderte den Gemeinderat auf, sich bei den von den Rissen betroffenen Hausbesitzern zu entschuldigen. Eine Dame sagte, dass sie das Verwaltungsgebäude der Volksbank an der Schladererstraße für zu groß geraten halte. Bürgermeister Michael Benitz entgegnete, es sei der Stadt wichtig gewesen, dass das Gebäude in Staufen errichtet werde und nicht in Bad Krozingen. Den bevorstehenden Verkauf der Schlossbergklinik an einen Investor nannte er "eine tolle Sache".
Autor: Hans Christof Wagner


