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16. September 2008

Die Fark’sche Werkstatt als Industriedenkmal

Im Anwesen in der Bahnhofstraße in Staufen ist die Zeit stehen geblieben / Energie zum Antrieb der zahlreichen Wellen und Riemen lieferte einst der Gewerbekanal

  1. Als hätten die Arbeiter die Landmaschinenfabrik gerade erst verlassen: Blick in die Fark’sche Werkstatt beim „Tag des offenen Denkmals“ in Staufen. Foto: Hans Christof Wagner

  2. Vor allem alte Kinderschuhe wurden bei der Sanierung der „Alten Schule“ in Grunern in Mauern und Decken gefunden. Foto: Hans Christof Wagner

STAUFEN Fast einhundert Jahre wurde in der Fark’schen Werkstatt gewerkelt. Jetzt soll aus ihr ein Industriemuseum werden. Beim "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag konnten Besucher erstmals einen Blick hineinwerfen. Auch das Bürgerhaus "Alte Schule" in Grunern nahm an dem bundesweiten Aktionstag teil. Hier gab es die mitunter rätselhaften Funde zu besichtigen, die bei der Sanierung des Gebäudes gemacht worden sind.

In dem Anwesen in der Bahnhofstraße ist die Zeit stehen geblieben. Fast konnte man am Sonntag den Eindruck bekommen, die Arbeiter hätten die Landmaschinenfabrik gerade erst verlassen. Dabei ist die Fark’sche Werkstatt schon seit 1990 geschlossen. Seitdem dämmert sie vor sich hin, sämtliche Maschinen darin sind noch erhalten und weitgehend auch funktionstüchtig.

1892 wurde sie gegründet, ihr Spezialgebiet war die Herstellung von Weinpressen. "Mit dem Aufkommen der Winzergenossenschaften ist aber der Markt dafür weggebrochen", berichtete bei einer Führung Stadtarchivar Andreas Lauble. Fark begann sich auf den Handel und die Reparatur von Landmaschinen wie Traktoren, Schlepper und Erntemaschinen zu verlegen. Und wenn immer Staufener Traditionsfirmen wie Schladerer und Janke & Kunkel etwas zu reparieren hatten, brachten sie es zu Willi Fark, der ausgebildeter Mechaniker war.

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Immer wieder fanden auf dem Firmenareal Ausstellungen statt, wie am Sonntag ausgestellte Plakate und Fotos zeigten. In den besten Zeiten waren 15 Personen in der Fabrik beschäftigt. Die Energie zum Antrieb der zahlreichen Wellen und Riemen lieferte der Gewerbekanal, in dem bis in die 1970er Jahre ein Wasserrad eingebaut war. Da der Kanal danach überbaut wurde, ersetzten Strom und ein Elektromotor die Wasserkraft. Das damalige Wasserrad liegt aber noch in Einzelteilen auf dem Firmengelände. Die Stadt hat es nach dem Abbau gekauft, für 3000 Mark.

Weitaus teurer dürfte die Sanierung des Fabrikgebäudes und der Ausbau zum Industriedenkmal werden. Der Arbeitskreis Staufener Stadtbild möchte es der Stadt zu einem symbolischen Preis abkaufen und herrichten. Eine Analyse des baulichen Zustands ist in Auftrag gegeben. Ist der Arbeitskreis Eigentümer, will er Sponsoren für das Projekt gewinnen.

Schon lange abgeschlossen ist die Sanierung des "Alten Schulhauses" in Grunern. 2001, während der Wiederherstellung des 1785 erbauten Gebäudes waren die Arbeiter auf zahlreiche Schuhe im Mauerwerk und den Decken gestoßen. Die Schuhe wurden am "Tag des offenen Denkmals" ausgestellt. Gefunden wurden vor sieben Jahren vor allem Kinderschuhe. Bei Untersuchungen stellte sich heraus, dass die ältesten schon um 1600 herum hergestellt und immer wieder geflickt und ausgebessert wurden. Warum aber unsere Vorfahren absichtlich Schuhe in Bauwerken hinterließen, ist noch wenig erforscht. Der Bürgerverein Grunern will dem Phänomen nachspüren und bittet alle, die bei Umbauten und Renovierungen alter Häuser ähnliche Funde machen, um Nachricht.

Kontakt: Uli Wüst Telefon: 07633-8526

Autor: Hans Christof Wagner