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27. Juli 2009

"Die Treppe wird mir fehlen"

Im Lehrerkollegium des Faust-Gymnasiums Staufen beginnt der Generationswechsel

STAUFEN. Zusammen haben sie märchenhaft lange 143 Berufsjahre an ihrer Schule verbracht: Bei vier der fünf Pensionäre ist die lange Treue zum Faust-Gymnasium ein verbindendes Merkmal ihrer Biografie. Gemeinsam ist diesen vier Lehrern auch, dass sie hier ihren Schuldienst antraten, als ein Wind der Veränderung durch die Schule zu wehen begann. Urgesteine und Säulen einer speziellen Schulkultur, die damit zu tun hat, dass sich jeder einzelne stark mit seiner Schule identifiziert.

Die ersten markanten Köpfe dieser "Gründergeneration" treten nun in den Ruhestand, weitere werden in den nächsten Jahren folgen.

Studiendirektor Rolf-Axel Gleim trat 1975 seinen Dienst als Lehrer für Bildende Kunst am Faust-Gymnasium an. Seit 1990 war er Fachberater beim Regierungspräsidium und erfüllte zahlreiche Aufgaben in der Lehrerfortbildung und in Prüfungsausschüssen für Abitur und Staatsexamen. Von 1997 an hatte er einen Lehrauftrag am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien) in Freiburg inne. Gleim setzte viele künstlerische Akzente an der Schule: So initiierte er zahlreiche Projekte im Bereich "Kunst am Bau", zu Wettbewerben und Ausstellungen. In ihm hatte die Schule einen unbestechlichen Ästheten und Verfechter klarer bildnerischer Konzepte. Kunst an der Schule durfte nicht im Alltag untergehen oder dekoratives Beiwerk werden.

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Sudiendirektor Willi Himstedt hat 14 Jahre in Südamerika gelebt. 1984 ging er in die peruanische Hauptstadt Lima, wo er stellvertretender Schulleiter an der Deutschen Schule wurde. Nach einer Zwischenstation am Gymnasium Spaichingen zog es Willi Himstedt wieder nach Südamerika, dieses Mal nach Chile. Er leitete acht Jahre die Deutsche Schule in Concepción. 2003 kehrte er mit seiner Frau nach Deutschland zurück, wobei er bis heute mit vielen Lehrern und ehemaligen Schülern aus Chile gute Kontakte hat. Am Faust-Gymnasium Staufen unterrichtete er bis 2008. Sein zusätzliches Aufgabengebiet in dieser Zeit war die Betreuung des Abiturs für Schulfremde.

Oberstudienrat Stephan Lebert unterrichtete seit 1977 am Faust-Gymnasium. Seine besondere Liebe galt und gilt den geologischen und kulturhistorischen Besonderheiten der Region, was sich beispielsweise in Unterrichtsthemen wie der Geschichte und Chemie des Silberbergbaus im Münstertal, der Erz- und Salzvorkommen in Sulzburg sowie dem Kaliabbau in Buggingen niederschlug. Über viele Jahre leitete Stephan Lebert AGs in Biologie, Chemie und Umwelt und betreute die Chemiesammlung. Er spielte im Lehrertheater mit und legte legendäre Gesangsauftritte im Rockcafé hin. Seine private Vorliebe für den Wald und das Jagen kam dem Faust-Gymnasium bei der Ausrichtung der großen "Wild am Faust”-Veranstaltungen zugute, zu denen er viel beigetragen hat.

Mit seinen 37 Berufsjahren am Faust-Gymnasium ist Oberstudienrat Wolfgang Roether der Lehrer mit der längsten Dienstzeit. Er unterrichtet hier seit seinem Referendariat die Fächer Mathematik, Physik und zeitweise Informatik. Der musisch orientierte Mathematiker, der hervorragend singt, war mehr als 30 Jahre im Personalrat engagiert, in den letzten Jahren war er Vorsitzender. Er sang im Schulchor und etlichen anderen musikalischen Projekten. Geradezu einmalig ist seine Begabung in der Kunst der niveauvoll-witzigen Gelegenheitsdichtung. Jedes Kollegiumsfest wurde gekrönt durch die Reimkunst Wolfgang Roethers. Er leitete viele Jahre lang eine "Lauf-AG", aus der einige Marathonläufer hervorgingen.

Wer kennt ihn nicht, den berühmtesten Lehrer, den zumindest das Faust-Gymnasium verzeichnen kann? Seit 1974 unterrichtete Oberstudienrat Winfried Sturm Mathematik und Physik. Seine prägende berufliche Entscheidung war die Gründung der "Hardware-AG” (HAG) vor 26 Jahren, die er als sein "Lebenswerk” bezeichnet. In dieser AG konnte er sein berufliches Ethos, seine Tüftlerneigung und seine naturwissenschaftliche Begabung zusammenführen. Unzählige Projekte und Erfindungen sind im Lauf der Jahre in diesem Rahmen gediehen und haben dann Staufen verlassen und internationale Beachtung gefunden. Als legendärer Zauberer gelang ihm die Verbindung von Pädagogik und Magie. Er wirkte mit im Rockcafé als Gitarrist und Bandmanager, beim Ausbau des Tonstudios, beim Lehrertheater, als Begleiter zahlreicher Schüleraustausche und als Aktiver beim Lehrerfußball. Winfried Sturm ist immer bereit, eine Lanze für die Bildung zu brechen. Er scheut keine öffentlichen Debatten. So kann der medienerfahrene Lehrer auf zahlreiche Fernsehauftritte zurückblicken, und er erhielt für seine erfolgreiche Bildungsarbeit etliche Preise und Auszeichnungen, wie beispielsweise die Staufer-Verdienstmedaille und die Auszeichnung zum "Lehrer des Jahres” 2004. Pensionierung kann in seinem Fall niemals "Ruhestand” bedeuten, deshalb bleibt er der Schule auch weiterhin mit wenigen Unterrichtsstunden erhalten! Dass er all dies leisten konnte und leistet, ist seinem unerschöpflichen Tatendrang und der Fähigkeit, all seine Interessen zu verknüpfen, zu verdanken – und der Unterstützung durch seine Familie.

Wie ist für diese fünf, von denen zwei ihren letzten Schultag bereits im vergangenen Jahr hatten, ihre neue Lebensetappe – so ganz ohne Schule? "Ach, die Treppe wird mir fehlen,” überlegt einer der Pensionäre. Die Treppe? Dieses Nadelöhr, in den Pausen der unbequemste und lauteste Ort der ganzen Schule? Vielleicht, weil die Treppe ein Bild der Schule ist: zwar anstrengend, laut und eng, jedoch auch ein Ort, wo man als Lehrer mitten unter den Schülern ist, die alle in Bewegung sind, die hinauf wollen, hinunter wollen, ihren Weg finden – der Lehrer geht auf der Treppe, in seinem Traumberuf. Wobei: nach 143 Jahren kann es dann auch mal der Fahrstuhl sein.

Autor: Daniela Muthesius