Ein wahrer Bürger wurde 90

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 29. Juli 2017

Staufen

Geburtstagsempfang für Staufens Ehrenbürger Max-Carl Müller mit Ministerpräsident a.D. Teufel.

STAUFEN. Zahlreiche Ehrengäste erwiesen am Donnerstag einem ganz besonderen Menschen ihre Ehre: Max-Carl Müller, Ehrenbürger der Stadt Staufen, wurde 90 Jahre alt. Zur Feier dieses besonderen Geburtstages hatte die Stadt eine Feier ausgerichtet – mit argentinischer Musik des "Quintetto Querceto" und vielen Wegbegleitern, Freunden und Familienangehörigen, die ins Stubenhaus gekommen waren, um mit ihm diesen Tag zu begehen.

Es ist schon ungewöhnlich, wenn ein ehemaliger Ministerpräsident für einen Geburtstagsempfang seinen Urlaub verschiebt. Aber Erwin Teufel tat genau das und lobte den Jubilar überschwänglich. Er erinnere sich noch gut an die Zeit, da er Vorsitzender der CDU Südbaden gewesen sei, sagte er. Es sei der einzige Parteiverband im Land gewesen, der schuldenfrei gewesen sei und Ersparnisse hatte – dank Max-Carl Müller. "Ohne MC Müller läuft nichts", zitierte er die BZ, ob nun in Staufen, in seiner Partei oder auf beruflicher Ebene. Teufel erinnerte daran, dass es MC Müller gewesen sei, der in Teufels Wahlkreis Villingen-Schwenningen die entscheidenden Impulse gegeben hatte, damit die Stadt zu einem Hochschulstandort wurde, wo auch Steuerberater wissenschaftlich aus- und weitergebildet wurden. Er zollte dem Jubilar Respekt für sein Engagement in seiner Stadt Staufen; er sei ein wahrer "Bürger", der Mitverantwortung übernehme, und kein "Einwohner", der sich im Winter um halb acht schon im Rathaus beschwere, warum der Schnee vor seinem Haus noch nicht geräumt sei. Teufels Schlusswort ein Zitat von Franz-Josef Strauß: "Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts."

Zuvor hatte Bürgermeister Michael Benitz – zur Feier des Tages mit Amtskette – den Ehrenbürger der Stadt gewürdigt. Er erinnerte daran, dass sich MC Müller schon 1954 in der Stadt als Steuerberater niederließ. Fünf Jahre später wurde er in den Gemeinderat gewählt, dem er ohne Unterbrechung 35 Jahre angehörte. "Politische und kommunale Ehrenämter sind Funktionen, in denen man erfahrungsgemäß selten Dank und häufig aber viel Arbeit und Ärger erntet", so Benitz – doch in diesen Herausforderungen habe sich Müller in hervorragender Weise bewährt. Seine Arbeit wirke bis in die heutige Zeit nach – Benitz erwähnte unter anderem den Bau der kleinen Umfahrung, die eine autofreie Innenstadt ermöglichte; den Einsatz für die Übernahme des Faust-Gymnasiums durch den Kreis und die Errichtung des Alten- und Pflegeheims St. Margareten. Die Bebauung des Schladerer-Platzes verhindert zu haben, sehe Müller selbst als seinen größten kommunalpolitischen Erfolg. "Ich kenne niemanden in Staufen, der am kommunalpolitischen und gesellschaftlichen Leben so rege Anteil nimmt und ständig präsent ist, wie Sie, lieber Herr Müller", so Benitz.

"Ein echter Ladykiller mit Esprit und Freude im Herzen"

Keinen Kontrahenten als Verlierer dastehen lassen, auch wenn es hart auf hart ging – dieses Merkmal von Max-Carl Müller hob Ulrich Sommer hervor, bis 2013 Rektor der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen. Er attestierte dem Jubilar "geschickte Verhandlungsführung" in seinen vielen Ämtern und "zukunftsweisendes Denken" im Beruf und darüber hinaus. Pfarrer Johannes Frische hob Müllers Einsatz für kirchliche und soziale Einrichtungen hervor, so die Mithilfe bei der Gründung der Sozialstation Südlicher Breisgau oder dem Altenpflegeheim St. Margareten. Frische beschrieb ihn als "echten Ladykiller, immer gut angezogen, ein Mensch mit Esprit, mit Freude im Herzen und einem Charme, dem sich niemand entziehen könne".

"Ich kann zählen, wie ich will: Es sind immer 90" – so begann der Jubilar seine Ansprache. Er sei gerührt und glücklich, so viele Menschen um sich zu haben, die mit ihm feierten. "Ich bin gar kein besonderer Mensch, nur einer von euch, aus der Mitte meiner Mitmenschen", sagte er angesichts der vielen guten Wünsche, die ihn "von so vielen froh gestimmten Menschen" erreicht hätten. Der Beruf habe zeitlebens dafür gesorgt, dass er mit den Füßen auf dem Boden geblieben sei. Es sei ihm vergönnt gewesen, das Fundament für die junge Bundesrepublik mit zu legen; er sei dabei an diesen Aufgaben gewachsen. Seine Gedanken seien bei denen, die unter der Risse-Katastrophe litten, sagte er. Statt Geschenken hatte er um Spenden für die Bürger-Stiftung gebeten. MC Müller schloss mit einem Dank an seine Frau Helga und mit dem Zitat, das er einem schwäbischen Dompfarrer zuschrieb: "Herr, verzeih‘ ihnen, dass sie so Lobendes über mich gesagt haben – und verzeih‘ mir, dass ich es geglaubt habe."