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11. Februar 2009 14:32 Uhr

Austauschschüler aus Brasilien

Eine Kuckucksuhr zur Erinnerung

Neben den vielfältigen Austauschmöglichkeiten am Faust-Gymnasium Staufen geht die Schulpartnerschaft mit Brasilien inzwischen in die 28. Runde.

  1. Foto: Sabine Model

STAUFEN. Den sieben Jungen und vier Mädchen aus Südbrasilien standen sechs Jungen und fünf Mädchen aus dem südlichen Breisgau und dem Markgräflerland gegenüber. Doch Roger Hochscheidt, verantwortlicher Austauschleiter, fand eine Lösung: Erstmals gab es eine Pärchen-Konstellation. Obwohl das gut funktioniert hat, soll es die Ausnahme bleiben. 

  Voraussetzung, um an dem Austausch teilzunehmen, ist in Brasilien die Teilnahme am Deutschunterricht und eine entsprechende finanzielle Ausstattung. Letzteres wurde diesmal gewährleistet durch Eltern, die als Politiker, Lehrer, Ärzte, Unternehmer und Geschäftsführer genügend verdienen. Der Deutschunterricht war in den letzten Jahren freilich eher rückläufig, bedauert Begleitlehrer Nilson Reiter. Das liege an der Landesregierung, die mehr Spanisch einfordere. Ist doch Brasilien das einzige südamerikanische Land, in dem nicht Spanisch, sondern Portugiesisch gesprochen wird.

  Durch die Einwanderung erlangte die deutsche Sprache zeitweise einen hohen Stellenwert. Inzwischen wird aber in den wenigsten Familien noch Deutsch gesprochen. Lediglich drei der Austauschschüler haben zu Hause  Gelegenheit, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. In den drei Schulen, aus denen die Teilnehmer kommen, wird das Fach Deutsch ebenfalls unterschiedlich gewichtet. Im Sprachzentrum in  Novo Hamburgo läuft Deutsch eher nebenher, soll aber wieder in den Stundenplan aufgenommen werden. In den Privatschulen in Santa Cruz und Lajeado ist Deutsch bis zur siebten beziehungsweise achten Klasse Pflicht. Danach wird es nur noch als Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag angeboten.

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Auch wenn viele Eltern gar kein Deutsch mehr sprechen, deuten doch Nachnamen wie Koch, Bender, Krein, Scheibel, Strüssmann, Classen, Petermann-Jung, Schuch, Bremer oder Fensterseifer eindeutig auf die Herkunft hin.

  "Deutsch ist wichtig", weiß Nilson Reiter. "Und das Interesse daran kehrt in letzter Zeit wieder zurück." Der Grund: Die deutschen Einwanderer haben viel für die brasilianische Entwicklung getan. Brasilien profitiert von der deutschen Kultur, vor allem aber von der Wirtschaft. Deutsche Unternehmen, darunter die Firma Stihl in Sao Paulo, erwirtschaften immerhin zehn Prozent des Bruttosozialproduktes. Deutschland unterstützt zudem nachhaltig Projekte in Brasilien wie die Erhaltung des Regenwaldes.   Wer in der deutschen Sprache Verhandlungen mit deutschen Managern führen kann, hat bessere Chancen, ist Reiter überzeugt. Viele Schüler machen ein Praktikum in Deutschland. Derzeit sei gerade einer für neun Monate bei VW in Wolfsburg. Der Austausch motiviere, Deutsch zu lernen. Doch die AGs sind klein und die Schulleitungen bestrebt, das Interesse neu zu wecken.   Verstehen können die Brasilianer Deutsch besser als sprechen. In der ersten Austauschwoche haben sie sich in den Familien langsam "eingehört". Angst und Anspannung verflogen aber bald. Die Gastfamilien seien verständnisvoll, besorgt und verantwortungsbewusst, bestätigen die Schüler. Schnell habe man sich heimisch gefühlt. Gleichwohl musste man sich an einen anderen Tagesrhythmus gewöhnen. Spätes, kleines Mittagessen und eine üppige Abendmahlzeit verkehrt brasilianische Gewohnheit ins gewöhnungsbedürftige Gegenteil.

  Doch die Organisation, das bewusste Handeln der Deutschen imponiert. Bestimmte Verhaltensregeln erleichtern das Zusammenleben, erkennen die Gäste. Die Infrastrukturen reichen bis in die kleinsten Gemeinden. Alles ist sauber und ordentlich. Auf der anderen Seite ist die ernste, korrekte, gewissenhafte Mentalität auch eine Spaßbremse. In Brasilien lebe man zwar bedenkenloser, aber dafür seien die Gesten offener, loben die Schüler ihr Land. Es werde zusammen gelacht. Das Leben sei ein bisschen mehr Party, finden sie. Hier leben wollen denn auch nur zwei von elf.       

  Die Geschichte der Bundesrepublik finden indes alle spannend. Darum rangierte die Berlinreise deutlich vor München und Paris. In der ehemals geteilten Stadt war Geschichtsunterricht live erlebbar. Ein Stück Berliner Mauer landete bei vielen im Souvenirgepäck, bei einigen ein Mini-Eiffelturm oder eine Kuckucksuhr. Neben den obligatorischen Gummibärchen und feiner Schokolade treten am Freitag aber vor allem digitale Erinnerungsfotos die Heimreise mit an. Rund 800 Bilder haben manche gespeichert, um Verwandten, Bekannten und Freunden Deutschland näher zu bringen.      

Autor: Sabine Model