Einmal pro Monat ist Weihnachten

Martina Faller

Von Martina Faller

Do, 28. Juni 2018

Staufen

Schüler des musischen Wahlprofilfachs am Staufener Faust-Gymnasium zeigen das Stück "Prinz Owi lernt König".

STAUFEN. "Es war eine tolle Premiere des musischen Wahlprofilfachs", brachte es Schulleiter Hans-Joachim Kraus auf den Punkt. Erstmals haben die Schüler der fünften Klassen des Faust-Gymnasiums im Musischen Wahlprofilfach ein Schuljahr lang die Welt des Musiktheaters kennengelernt: Sie haben Rollen einstudiert, Texte gelernt, Kostüme gebastelt und Kulissen gebaut. Mit Unterstützung durch die Musikklasse 6 c haben sie und die Unterstufen-Theater-AG nun das Stück "Prinz Owi lernt König" auf die Bühne des Faustgymnasium gebracht.

Das Hofpersonal ächzt unter Stress und Hektik, die Königin ist am Rande des Nervenzusammenbruchs und die Tanne steht kurz vor dem Burn-out. Jeden Monat herrscht am Hofe von Burg Staufen "der gleiche Wahn", wie der Unterstufen-Chor treffend intoniert: Monat für Monat muss die Lichterkette an dem "alten Gehölz" Sir Douglas (Anna Hüstebeck) leuchten, müssen Geschenke verpackt und alles vorbereitet werden. Weil Prinz Ottokar-Wilhelm, famos in Szene gesetzt von David Gassmann, vom Fest nicht genug bekommen kann, wird auf Burg Staufen jeden Monat Weihnachten gefeiert. Doch mittlerweile sind alle davon genervt. Die rappenden Marmorstatuen im Park (Gianluca Lautenbach und Jo Möhler) attestieren dem Prinzen, dass er einfach keinen Bock aufs Königsein hat, und auch die Königin (Jule Beuttler) sieht ein, dass es so nicht weitergehen kann.

Don Antello, der selbstverliebte Berater der Königin, von Noah Lehane vortrefflich verkörpert, hat die Lösung: Dr. Meyers Bildungsreisen sollen aus dem verzogenen Sohn einen richtigen König machen. Die Vorschläge von Dr. Meyer (Paul Kienzler) reichen von einem Ausflug ins Drachenland, Feuerspucken inklusive, über eine Reise ins ferne China, der Weisheit wegen, bis zu einem Wüstentrip mit Akrobatik-Kurs. Bilderreich und fantasievoll werden die Reiseziele von den Akteuren auf die Bühne gebracht: Da erobert sich ein Drache (Layos Vasen) fauchend mit der Feuerwehr im Schlepptau die Aufmerksamkeit des Publikums, singt Mei-Ling (Emily Martig) verheißungsvoll von Ying und Yang und ein Kamel (Joshua Kratz) wirbt gemächlich widerkäuend, assistiert von zwei Akrobatinnen (Jette Amann und Maxima Dunker), für einen Oasentrip. Der Hof trifft seine Wahl, und der Schreiber (Celina Hanser) notiert: "Bildungsreise mit Kamel nach Arabien. Krone einpacken, Sonnencreme nicht vergessen!" Doch im fernen Osten sorgen Paradiesvögel und Sternschnüppchen für turbulente Begegnungen und überraschende Ereignisse bis sich zwischen Prinz Owi und Prinzessin Leila ein Happy-End anbahnt und sich die Rückkehr auf Burg Staufen ankündigt. Nachdem Owi das Leben in der Wüste kennengelernt hat, will er Leila nun mit seiner Kultur bekannt machen und – wie könnte es anders sein – gemeinsam mit ihr Weihnachten feiern, wenn auch nur noch einmal im Jahr.

Spielfreude, Ausdrucksstärke und Sprachwitz

Waren die ungewöhnliche Story mit ihren exotischen Schauplätzen, den skurrilen Figuren sowie die schmissige Musik, die ein breites Spektrum von Jazz, Rap, und Pop bot, schon die halbe Miete des Erfolg, erledigten die jungen Akteure den Rest. Mit großer Spielfreude, Ausdrucksstärke und Sprachwitz sorgten die Schauspieler dafür, dass kein Auge trocken blieb. Großen Anteil daran dass der Funke übersprang, hatten auch die Sänger. Text- und intonationssicher präsentierten sie, begleitet von den jungen Musikern der Musikklasse 6c unter der Leitung von Inga Fischer, die mitreißenden Lieder und gaben sich in verschiedenen Rollen als beherzte und talentierte Solisten zu erkennen. In intensiven Proben haben Stefanie Braitsch (musikalische Leitung) im Unterstufenchor und Tobias Bubeck und Anna Keiling (Regie) in der Theater-AG Talente entdeckt auf ihre Rollen vorbereitet. Für das passende Bühnenbild, die fantasievollen Kostüme und die Requisiten zeichneten sich die Schüler des Kunstprojekts unter der Leitung von Monia Mainberger verantwortlich. Den guten Ton und das rechte Licht steuerte das Technik-Team des Faustgymnasiums bei. Nach dem wohlverdienten und begeisterten Applaus des großen Publikums widmeten die Akteure ihre Zugabe dem scheidenden Schulleiter Hans-Joachim Kraus, der sie gerührt entgegennahm.