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16. Juni 2011
ENTER: Jugendliche in der Diplomatenrolle
Anne Morick aus Staufen vertritt als "Delegierte des Haschemitischen Königreiches Jordanien" die Interessen des Landes.
STAUFEN. In der Rubrik "Enter" der BZ haben junge Autoren die Möglichkeit, mit ihren Erfahrungen die Zeitung zu "entern". Anna Morick aus Staufen berichtet von ihren Erfahrungen, die sie als Diplomatin beim Planspiel Model United Nations Baden-Württemberg, kurz MUNBW, in Stuttgart gemacht hat. Rund 400 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren schlüpften dabei in die Rolle von Diplomaten aus aller Welt.
Rund 30 Jugendliche befinden sich im Raum. Im normalen Leben sind sie Abiturienten, Fußballer, Pfadfinder, Jazzbandmitglieder . Hier sitzen sie jedoch in Anzug und Kostüm. Wir sind im Gremium der UNESCO, vor jedem der Jugendlichen stehen Länderflagge und Namensschild; am Kopf des Raumes finden sich der Tisch des Vorsitzes und das Rednerpult. Das Event nennt sich Model United Nations Baden-Württemberg (MUNBW) und findet alljährlich im Haus der Wirtschaft in Stuttgart statt. Für eine Woche schlüpfen hier über 400 Jugendliche aus der ganzen Welt in die Rollen von Diplomaten.Dieses Jahr war auch ich dabei, gemeinsam mit meinen zwei "Mitdelegierten" Vivian Barthel-Pilz und Christopher Becker-Walther. Ich bin Anna Morick, die Delegierte des Haschemitischen Königreiches Jordanien, das steht auch so auf meinem Namensschild. Die Veranstaltung begann mit einführenden Seminaren – zu allererst die Einführung in die Geschäftsordnung. Diese ist auch dringend vonnöten, denn selbst für das Öffnen eines Fensters ist der persönliche Antrag auf Recht auf persönliche Privilegien zu stellen. Und selbstverständlich sollte der Delegierte von sich während der Sitzung in der dritten Person sprechen, so wie auch von den anderen Delegierten (also: "Die Delegierte des Haschemitischen Königreiches Jordanien würde die Position der Delegierten Saudi-Arabiens interessieren" und nicht: "Jenny, was meinst du dazu?").
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In Gremien wie der Generalversammlung, dem Menschenrechtsrat oder der Kommission für Friedenskonsolidierung vertreten die Delegierten die Position des von ihnen repräsentierten UN-Mitgliedsstaates zu bestimmten Themen. Dieses Jahr wurden neun verschiedene Gremien simuliert, dabei setzten sich diese aus 15 bis 104 Delegierten zusammen. In meinem Gremium, der UNESCO, standen "Bildung als Vorbedingung zur Demokratie", "die Rückführung von Kulturgütern" und "Religion in staatlichen Bildungseinrichtungen" auf der Tagesordnung.
Das Ziel des Gremiums war es nun, Resolutionen zu den jeweiligen Tagesordnungspunkten zu erarbeiten und zu beschließen, also eine Position zu den Themen zu finden. Hierbei kam es zu ausgiebigen Debatten, unter anderem angeheizt durch gewagte Aussagen, Forderungen und symbolische Handlungen der ebenfalls durch Jugendliche repräsentierten Nichtregierungsorganisationen.
So sprachen die Vertreter von "terre de femmes" in einigen Gastreden lediglich die weiblichen Mitglieder des Gremiums an, während der Vertreter des Iran seine Argumentation auf Weisheiten wie "Stehe nicht vor dem Steinhaufen, sondern überlege, wen du damit bewerfen kannst!" gründete.
Die Sitzungsblöcke waren eingebettet in ein spannendes Rahmenprogramm – von der Eröffnungsveranstaltung über einen Rednerabend mit Gästen, die sich auf internationalem diplomatischen Parkett bewegten, bis hin zum Diplomatenball und einer Abschlussveranstaltung, bei der die engagiertesten Teilnehmer und besten Redner ausgezeichnet wurden.
Beeindruckend waren hier vor allem einige Teilnehmerinnen aus Kairo, die am Rednerabend bei der Podiumsdiskussion zur demokratischen Bewegung in der arabischen Welt selbst den amerikanischen Generalkonsul mit ihren Fragen in Verlegenheit brachten.
Aber auch neben den offiziellen Veranstaltungen blieb viel Raum für Begegnungen. Überall in der Stuttgarter Innenstadt traf man in dieser Woche auf, dem Dresscode entsprechend gekleidete Teilnehmer. Auch außerhalb des Sitzungsraumes wurde der Ländername schnell zum Rufnamen. Für mich war MUNBW eine tolle Erfahrung, selten habe ich in einer Woche so viele interessante Menschen getroffen, so viel Spaß gehabt, mich so intensiv mit gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt und so wenig geschlafen. Wer sich für Politik interessiert und gerne mal selbst ausprobieren will, wie es sich anfühlt am Rednerpult der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu stehen, der sollte MUNBW 2012 auf keinen Fall verpassen!
Autor: bz


