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24. September 2011

Fark’sche Werkstatt erwacht zu neuem Leben

Manfred Kiefer, neues Mitglied des Arbeitskreises Staufener Stadtbild, bringt die historischen Maschinen auf Vordermann .

  1. Maschinenbauer und Elektrotechniker Manfred Kiefer setzt seit Monaten die historischen Maschinen in der Fark’schen Werkstatt instand. Foto: Susanne Müller

STAUFEN. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein in der Fark’schen Werkstatt in Staufen: Das alte Wasserrad rostet draußen im Hof in der Ecke, eine Betonschicht verdeckt den einstigen Gewerbekanal. Und die Maschinen im Inneren unter dem alten Walmdach, sie stehen noch genauso da, wie vor hundert Jahren. Doch jetzt erwacht die historische Betriebsstätte aus dem Dornröschenschlaf. Der Arbeitskreis Stadtbild bringt Bewegung ins denkmalgeschützte Gebäude.

Der Weg zum Industriedenkmal bekommt nun nach den Worten des Vorsitzenden des Arbeitskreises, Konstantin Technau, Kontur. "Wir haben der Stadt noch einmal vorgeschlagen, dieses einzigartige Denkmal herzurichten und für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Damit fanden wir jetzt im Gemeinderat Gehör." Es soll nun eine Vereinbarung zur Nutzungsüberlassung geschlossen werden. "Das haben wir unserem neuen Mitglied Manfred Kiefer zu danken, er hat das schlummernde Ensemble quasi wach geküsst", schildert Technau.

Die Vorgeschichte: Kiefer, Maschinenbauer und Elektrotechniker im Unruhestand, hatte 2001 eine Wohnung als Altersruhesitz in Staufen gekauft. Vor einem Jahr war es dann soweit, Familie Kiefer trennte sich von ihrem selbst restaurierten 400 Jahre alte Bauernhaus in Straubenhardt und zog Anfang des Jahres in die Fauststadt.

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Ein Glücksfall für die alte Werkstatt und den Arbeitskreis, so ist zu hören. Denn kaum hatte Kiefer seine Umzugskartons ausgeräumt, entdeckte er das marodierende Idyll in Bahnhofsnähe. Was Kiefer hinter den beschlagenen Fensterscheiben ausmachen konnte, ließ sein Herz höher schlagen. Verlassene Drehbänke, tonnenschwere Bohrmaschinen und jede Menge altes Handwerkszeug. Was Kiefer aber auf rund 130 Quadratmetern Fläche ebenfalls vorfand, nachdem er den Kontakt mit Konstantin Technau und Helmut Bühler aufgenommen hatte und einen Blick ins Innere werfen konnte, das waren dicke Staubschichten, verharzte Lager, eingerostete Spannbacken, fehlende Antriebsriemen und vor allem ein abgeklemmter Elektromotor – das Herzstück dieses fabelhaften Maschinenparks. Kiefer machte sich ans Werk. "Nach und nach, immer wenn ich Zeit hatte, brachte ich die Maschinen in Schwung."

Erste Hürde: der Elektromotor, der das alte Wasserrad Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte. "Die Fark’sche Werkstatt war die letzte Betriebsstätte, die ihre Energie aus dem Gewerbekanal bezog. Schon dadurch ist sie für Staufen einerseits und für die Historie ein einmaliges Denkmal", so Technau. Den Motor – Kiefer zufolge das zentrale Steuerungsinstrument in der Werkstatt – brachte der Experte rasch auf Touren. "Das ging flott", meint Kiefer, "ein paar Schrauben, dann habe ich den Hebel umgelegt, und siehe da, das Transmissionsrad lief in weniger als einer halben Stunde."

Doch schon kam die nächste Hürde: Einer der Flachbandriemen, mit denen sämtliche dieser markanten alten Eisenräder in Gang gesetzt werden, fehlte. Die Lösung: "Ich habe erst mal einen anderen Riemen geteilt. Als ich den dann jedoch auf der Maschine aufbringen wollte, fehlten mir die Riemenschlösser." Ein Provisorium musste her, jetzt läuft die Maschine erst mal mit einer Eigenkonstruktion, bis Kiefer passende Riemen bekommt.

"Falls noch jemand welche auf dem Speicher hat, sind wir für Zuwendungen dankbar", lässt Kiefer wissen. 50 Meter Riemen dürften es schon sein, darüber hinaus fehlten weitere Materialien, wie Holzdielen, Kalkfarbe oder Lehmputz, mit denen der Arbeitskreis unter der Regie von Helmut Bühler bereits eine Wand in historischem Design neu gestaltet hat.

Bis der Arbeitskreis Stadtbild auch das Gebäude so weit instand gesetzt hat, dass die Pforten von Zeit zu Zeit für die Öffentlichkeit geöffnet werden können, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Dass das aber in absehbarer Zeit überhaupt möglich sein wird, dafür hat Manfred Kiefer noch eine überraschende Erklärung: "Es ist ein Segen, dass der Schrottpreis gerade im Keller war, als die Werkstatt 1990 endgültig stillgelegt wurde. Sonst wäre heute nichts mehr da."

Autor: Susanne Müller