Fleißig und bescheiden das Leben lieben

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Sa, 08. September 2018

Staufen

Dr. Oskar Mangold, Träger der Staufener Bürgermedaille, feierte seinen 90. Geburtstag.

STAUFEN (sam). Vergangenen Donnerstag konnte der Tiermediziner und Träger der Staufener Bürgermedaille, Dr. Oskar Mangold, seinen 90. Geburtstag feiern. Fünf Töchter, ein Sohn, elf Enkel und drei Urenkel gratulierten und verspeisten mit dem Jubilar einen formidablen Schokoladenkranz. Natürlich klopfte auch Bürgermeister Michael Benitz an die Türe und bekam ein Stück vom Kuchen. Den hatte Mangolds Ehefrau Lydia gebacken, seine Jugendliebe, "das schönste Mädchen" in seinem Heimatort Bollschweil, das er zurücklassen musste, als er, noch keine 17 Jahre alt, 1944 zunächst als Luftwaffenhelfer und im April 1945 noch zur Wehrmacht eingezogen wurde. "Ich hatte Glück, wurde bald entlassen", sagt Mangold, "und bekam 1948 eine Immatrikulation an der tierärztlichen Hochschule in Hannover".

Warum Veterinärmedizin? Weil der Vater, der auch eine Zeit lang Verwalter im Schloss von Baron von Holtzing war, den sieben Kindern nahelegte, "etwas mit Landwirtschaft" zu machen. Diese Familientradition wird in Bollschweil weitergepflegt. Dort ist der Name Mangold heute der Weinbauleidenschaft der Nachkommen verbunden. Oskar Mangold schlug einen anderen Weg ein, er promovierte 1954, und 1957 wurde geheiratet – in Bollschweil versteht sich, auch wenn Mangold bereits 1956 in Schliengen eine Tierarztpraxis eröffnet hatte. Kaum ein Jahr später verlegte er sein berufliches Betätigungsfeld auf Wunsch der Tierärztekammer ins Lahrer Ried nach Ichenheim. Erst 20 Jahre später kehrte die Familie zurück in den Breisgau. "Bei Fahrten in den Süden sei die Sehnsucht immer größer geworden", sagt Mangold und Gattin Lydia nickt. In Staufen wurde 1977 gerade ein Praxisnachfolger gesucht, und Oskar Mangold war zur Stelle. Bis 1994 führte er, stets unterstützt von seiner Frau, die eigene Tierarztpraxis in der Fauststadt und war zusätzlich im städtischen Schlachthof für die Lebensmittelüberwachung und die Fleischkontrolle zuständig, ehe sein Sohn Elmar in seine Fußstapfen trat.

Lange Jahre engagierte sich Oskar Mangold weit über seinen Beruf hinaus ehrenamtlich in seiner Wahlheimat Staufen. Darüber hinaus verfasste er mehrere Gedichtbände in alemannischer Mundart getreu seinem Lebensmotto "Freud will i bringe mit minem Singe in dem kleine Büechli do." An den beiden Partnerschaften der Stadt mit Bonneville und Kazimierz Dolny war Mangold lange aktiv beteiligt. Und an die Zeit, als es in Staufen noch das Goethe-Institut gab, erinnert er sich besonders gerne zurück. "Wir hatten in unserem Haus Studenten aus der ganzen Welt."

Von 1985 bis 2000 wirkte Oskar Mangold im Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde mit, und leitete 21 Jahre das Alten- und Seniorenwerk St. Martin. Von 1995 an engagierte er sich zusätzlich in der Kommunalpolitik und war fünf Jahre lang Stadtrat der CDU-Fraktion. 2003 wurde er in den Vorstand der Muettersprochgsellschaft "Zwische Belche un Rhi" gewählt.

Im Jahr 2013 ehrte die Stadt Staufen Oskar Mangold für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit der Bürgermedaille. Vor drei Jahren schloss Mangold sich der Staufener Seniorentheaterspielgruppe an. Seine Paraderolle: der Naturforscher Bernhard Grzimek. Und die Frage nach Mangolds Fitness erübrigt sich beim Blick in seinen Terminkalender: Am 4. Oktober Aufführung in Neuenburg, steht da, und am 14. Oktober spielt die Truppe auf der Bühne in Offenburg im Billet'schen Schlösschen, dem Familienzentrum im Bürgerpark. Was rät nun ein mit seinen 90 bewegten Lebensjahren zufriedener Jubilar nachfolgenden Generationen? "Seid fleißig und bleibt bescheiden und offen für den Nächsten, und vor allem, freut euch des Lebens."