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18. Dezember 2009 08:05 Uhr

Geothermie

Freiburger Experte rät zu Umsicht bei Erdwärme-Bohrungen

Nach den möglicherweise durch Geothermie- Bohrungen verursachten Schäden im südbadischen Staufen fordern Experten, die Risiken bei dieser Energiegewinnung stärker zu beachten. Ralph Watzel fordert in Freiburg strenge Sicherheitsauflagen.

  1. Geothermisches Kraftswerk in Deutschland. Foto: ddp

"Die Potenziale des Untergrundes sind so groß wie vor den Schadensfällen. Es kommt aber auf eine sachgerechte Planung und eine saubere handwerkliche Umsetzung an", sagte Ralph Watzel, der Leiter des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg. "Vor allem in Gebieten mit kritischem Untergrund sollte nur unter strengen Sicherheitsauflagen gebohrt werden."

Als kritisch gelten zum Beispiel sogenannte Anhydritvorkommen im Untergrund wie im Fall Staufen. Anhydrit ist ein Mineral, das bei Wasserkontakt quillt und sich in Gips umwandelt. Nach Angaben des Behördenleiters kommt es etwa auf einem Drittel der Fläche Baden- Württembergs vor. Schwierig für Geothermiebohrungen sind demnach aber auch Gebiete mit verkarstetem Gestein, weil es dort problematisch sein könne, Bohrungen abzudichten.

Auch in Regionen, in denen das Grundwasser unter hohem Druck steht, könne es Schwierigkeiten geben. "Man muss in weiten Teilen der Landesfläche mit einem oder mehreren dieser Phänomene rechnen", meinte der Hydrogeologe.

Erdhebungen wie in Staufen, wo noch immer die genaue Ursache der Schäden erforscht wird, sind Watzel zufolge bis dahin im Zusammenhang mit Erdwärmesondenbohrungen nicht vorgekommen. "Man kannte dieses Phänomen nur aus dem Tunnel- und Tiefbau." Bei der oberflächennahen Geothermie seien bislang nur Probleme im Promillebereich bezogen auf die Gesamtzahl der Anlagen bekannt.

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In Baden-Württemberg heizen etwa 15.000 Hausbesitzer mit Erdwärme. Häuslebauer können sich bei dem Informationssystem Oberflächennahe Geothermie für Baden-Württemberg (ISONG) des Landesamtes bei der Planung von Erdwärmesonden bis maximal 400 Meter Tiefe informieren.

"Mit Staufen ist erstmals Unsicherheit eingetreten, ob die eingesetzte Technologie alle geologischen Situationen sicher beherrschen kann", sagte Watzel. Als problematisch für die Sicherheit sieht er es, dass Bohrfirmen unter starkem Konkurrenzdruck stehen. "Es gibt einen Druck vom Markt."

Das Geologische Landesamt untersucht noch immer das Phänomen der Erdhebungen in Staufen. "Unsere Hoffnung ist, dass die Wasserwege abgedichtet werden", sagte Watzel. In den ersten drei Monaten des nächsten Jahres will das Amt ein erstes Fazit ziehen. Im Moment hebt sich die historische Altstadt des 8000 Einwohner-Ortes Staufen noch immer; wenn auch laut Stadt etwas weniger. Watzel betont: "Die Prozesse im Untergrund reagieren nicht wie Lichtschalter."

Die Erdwärmebohrungen in Staufen hatten im September 2007 hinter dem Rathaus begonnen, unmittelbar danach wer es zu ersten Gebäudeschäden gekommen, inzwischen sind laut Stadt rund 230 Häuser beschädigt. Die Hebungen werden nach Ansicht von Experten durch Quellvorgänge in einer Gipskeuper-Schicht im Untergrund hervorgerufen.

Autor: dpa