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11. März 2009
Staufen
Gegen europäischen "Einheitsbrei"
"Europa macht Schule": Die grüne Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich sprach mit Schülern des Staufener Faust-Gymnasiums.
STAUFEN. Am Montag fand zum dritten Mal der Europa-Projekttag statt. Politiker gehen an diesem Tag an Schulen, um mit der Jugend über Europa und die Europäische Union zu diskutieren. Ans Staufener Faust-Gymnasium ging Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich von den Grünen.
Im Klassenzimmer saßen ihr 16 Jungen und sieben Mädchen der 11 d gegenüber. Eineinhalb Stunden sprach die Parlamentarierin mit den Schülern, die bis auf ein paar wenige Ausnahmen noch keine 18 sind und deshalb im Juni auch nicht an den Europawahlen teilnehmen dürfen. Klare Meinungen zu Europa, der europäischen Einigung und der Politik der Europäischen Union (EU) hatten sie dennoch.Mielich teilte zu Beginn Fragebögen aus, um das Stimmungsbild der Klasse auszuloten. Jeder Schüler sollte auf einer Skala von "sehr bedeutend" bis "unbedeutend" angeben, welche Themen in Bezug auf Europa eine Rolle spielen. Überraschend: Das Thema Frieden bewegt junge Menschen immer noch, auch 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Fast alle machten auf dem Fragebogen hier ihr Kreuz unter "sehr bedeutend".
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Dass innerhalb der EU Geld verschwendet werde, ist eine weit verbreitete Meinung. Auch die meisten Schüler der Klasse 11 d sind davon überzeugt, wie die Diskussion mit Mielich zeigte. Ein Schüler fragte die Grüne, warum das Europaparlament sowohl in Straßburg wie in Brüssel tage, was doch viel Geld koste. Manche meinten, Deutschland müsse erst einmal seine eigenen Probleme lösen, gerade jetzt in der Rezession. Allzu hohe Hilfsgelder ins Ausland dürften keine geschickt werden. Einer erinnerte an die Ursprünge der EU als einer Wirtschaftsgemeinschaft vergleichsweise gleich entwickelter Staaten Anfang der 50er Jahre. Würden immer mehr unterentwickelte Staaten aus Osteuropa in die Union aufgenommen oder zu viele auf einmal, schwäche sie das nur.
Mielich konterte mit dem Argument der hohen Exportabhängigkeit der deutschen und noch mehr der baden-württembergischen Wirtschaft. Deutschland sei auf freien Handel angewiesen, nationale Abschottung keine Lösung. "Wir leben nicht auf der Insel der Glückseeligen", meinte sie.
Es werde in Europa zu viel Geld verschwendet, da waren sich Schüler und die grüne Politikerin einig – für Subventionen, Agrarbeihilfen, Militäreinsätze. "Wo ganz sicher kein Geld verschwendet wird, ist an den Schulen", warf ein Elftklässler lakonisch in die Runde und erntete dafür Lacher.
Die Diskussion fand in Raum 704 in dem Pavillon statt, der in den 80er Jahren erbaut wurde und in dem auch die Kreisbibliothek untergebracht ist. Die Schüler sitzen hier noch vor den ersten Pulten und auf den ersten Stühlen. Sie müssen mit Landkarten vorliebnehmen, die älter als fünf Jahre alt sind. Das konnte man bei Mielichs Besuch daran erkennen, dass auf der im Klassenzimmer hängenden Karte die am 1. Januar 2004 der EU beigetretenen osteuropäischen Staaten noch nicht eingezeichnet waren.
Junge Leute fahren wie selbstverständlich nach Frankreich, Italien und Spanien. Sie kennen Grenzen nur noch aus ihren Geschichtsbüchern. Das ist für sie eine große Errungenschaft der europäischen Einigung. Aber sie wissen auch, das zeigte die Diskussion, dass es noch immer Hürden gibt, im Ausland zu studieren und zu arbeiten. Die nationalen Ausbildungssysteme müssten besser aufeinander abgestimmt werden, forderten die Schüler. Aber einen europäischen "Einheitsbrei", der die nationale Identität der einzelnen Mitgliedsstaaten gefährde, darf es ihrer Meinung nach auch nicht geben.
Bärbl Mielich fand das eineinhalbstündige Gespräch mit den Elftklässlern "spannend und anregend". "Ich habe vom heutigen Vormittag wirklich etwas mitgenommen", so die grüne Politikerin. Eine Elftklässlerin bedankte sich bei Mielich für die Zeit, die sie sich genommen habe und überreichte einen Blumenstrauß.
Den Europa-Projekttag gibt es seit 2007, er geht zurück auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Merkel. Das Motto der Aktion heißt "Europa macht Schule".
Autor: Hans Christof Wagner
